Lothar Goes Hollywood

Das Fernsehen ist ein prima Arbeitsplatz für viele ehemalige Fußball-Weltmeister, Nationalspieler, Bundesligakicker oder Cheftrainer. Wer nach seiner aktiven Laufbahn nicht die Branche wechselt, bleibt einfach bei seinen Leisten und – spricht darüber. Vor den laufenden Kameras von ARD, ZDF, RTL, SAT.1, Premiere und Co. Wir haben uns längst daran gewöhnt, ehemals verdiente Kicker als gut verdienende Experten serviert zu bekommen, vor dem Spiel, nach dem Spiel und manchmal auch während des Spiels.

Pünktlich zur WM haben die Rasen-Profis im Ruhestand natürlich Hochkonjunktur. Auch Lothar Matthäus. Der Rekordnationalspieler, Ex-Nationalcoach Ungarns und gerade in Brasiliens Liga als Trainer gescheitert, hat einen neuen Job – er wird dem Bezahlsender Premiere als WM-Experte dienen. Das wäre nichts Besonderes, aber Loddar setzt wie so häufig noch einen drauf und betritt damit absolutes Neuland für Ex-Kicker vor TV-Kameras.

Der fußballfreie Spielfilm-Abspiel-Kanal Das Vierte hat Matthäus als Top-Moderator verpflichtet. Pünktlich zum WM-Start präsentiert der 45-Jährige für den Sender aus dem Hause NBC Universal Wiederholungen mittelalter Spielfilm-Schinken. Unter dem drolligen Motto „Lothar in Hollywood – echte Kerle statt Jungs in kurzen Hosen“ darf Matthäus ab 9. Juni (20.15 Uhr) Filme mit Paul Newman, Pierce Brosnan oder Roger Moore ansagen. Der Fußball-Experte findet das Thema Hollywood „wahnsinnig faszinierend“, Das Vierte sieht seine prominente Neuverpflichtung gar auf Augenhöhe mit Hollywoods männlichen Superstars – ein echter Kerl eben, der Lothar.

Soll man sich nun freuen, das es einer aus seiner Generation mal in einem anderen Fach versucht hat oder muss man rufen: bleib bei deinen Leisten, Lothar? Schlitzohr Matthäus ahnt wahrscheinlich: Wenn unsere Jungs in kurzen Hosen ihre Mission:Titel vergeigen, wird keiner mehr Fußball sehen wollen und erst recht keine ehemaligen Fußballstars, die weitschweifig Niederlagen zu erklären versuchen. Zum Glück gibts dann ja noch Das Vierte.

Der Sender, bisher knapp unter der Wahrnehmungsgrenze gesegelt, macht sich: Die Programmierung mit dem werbefreien Spielfilm am letzten Samstag im Monat erreichte im April einen Marktanteil von 1,6 Prozent – das liegt 100 Prozent über dem Durchschnittswert. Eine fast schon hollywoodreife Zuwachsrate. Wie soll das erst werden, wenn der Matthäus zum Mikrofon greift.

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