Kein Hahn kräht auf Brokeback Mountain

Wyoming 1963. Die
mittellosen Ranger Ennis Del Mar (Heath Ledger) und Jack Twist (Jake
Gyllenhaal) verdingen sich für einen Sommer bei dem Schafzüchter Joe Aguirre
(Randy Quaid). Für ihn sollen sie tausende
Schafe hoch zum Brokeback Mountain begleiten und die Tiere dort vor
Raubtieren beschützen.
Der wortkarge Ennis
freundet sich mit Jack an, doch erst ein whiskeybeseelter Abend mit
Lagerfeuerromantik führt zum gemeinsamen Übernachten im Zelt. Der Zuschauer ist
jetzt leicht überfordert, denn er kann sich nicht erklären, warum der Hetero Ennis
plötzlich und mit Wucht über Jack herfällt, als hätte er es schon tausendmal
und nicht nur geprobt. Aber egal. Der Morgen danach ist grausam zu Ennis, und
er schwört sich, dass es bei dem einen Mal bleibt. Doch am Abend danach läuft
schon die erste Vorstellung nach der Premiere, und ab sofort balgen sich die
beiden schmusend über die Wiesen. Doch Brokeback Mountain währt nicht ewig und
die Cowboys müssen wieder ins Tal. Dort wird Ennis von seiner Braut erwartet,
die zwei Kinder mit ihm in die Welt setzten will. Jack schlägt sich als Rodeo durch
und lernt während eines Wettbewerbs die talentierte Lureen Newsome (Anne
Hathaway) kennen. Auch hier nimmt die „Liebe“ ihren Lauf; die Beiden bekommen
einen Sohn und Jack steigt ins väterliche Geschäft ein.
Jahre vergehen. Ennis bekommt
eine Nachricht von seinem alten Freund. Jack will ihn wieder sehen. Was folgt,
ist ein Liebesdrama, das traumatisiert und verschroben durch die amerikanische
Provinz stolpert. Ennis Frau erwischt die Beiden beim Knutschen und trennt sich
daraufhin. Jack versucht Ennis zu einem gemeinsamen Leben zu überreden. Der sieht
Bilder aus Kindheitstagen (alter toter Schwuler mit verstümmeltem Geschlecht)
und stürzt in ein dunkles Nichts aus Einsamkeit und Armut.

Wäre der Film in Europa
entstanden, hätte kein Hahn danach gekräht. Das, so hätte man gesagt, ist europäisches
Kino mit Kopf und Verstand. Gute Schauspieler, einfacher aber wirksamer Plot,
wissend in Szene gesetzt. Er hätte ein paar Millionen eingefahren, wäre in
einigen Städten in Programmkinos gelaufen (vielleicht), aber mehr nicht. Doch
es ist kein europäischer Film. Nein, es ist ein amerikanischer, und da klopft
man sich auf die Schultern, wenn man so etwas Sozialkritisches macht. So über Homosexuelle
und die ganze zurückgebliebene Provinz. Das ist alles äußerst verwegen, hui! So
verwegen, dass man den Film für diverse Oskars nominiert.
Meine Güte, die Amis – wie armselig, wie weit
zurück. Das, was Lee da gemacht hat, haben französische, skandinavische und
osteuropäische Regisseure schon vor 50 Jahren bis zur Perfektion geübt.
Aber das Allerschlimmste
ist, dass diese ganze verfickte Kino-PR-Maschinerie auch hierzulande super
funktioniert. Das deutsche Publikum schaut, als würde es so etwas das erste Mal sehen. Begeistert!

4 Meinungen

  1. Ich sehe es ähnlich, wenn auch weniger polemisch. Nicht wenige Momente im Film erschienen mir wie klassisch-konventionelle Hollywood-Romantik; und einige Momente sind schlichtweg unglaubwürdig (z.B. das erwähnte Übereinander-Herfallen etc.). Es ist schön und nett, wenn das Thema Homosexualität derart schön und nett inszeniert wird, wahrhaftiger wird die schöne und nette Story dadurch nicht.

  2. Bin genau der meinung von Jochen Wilhelm. Stehe auch sonst nicht so auf diese „Western Filme“

  3. mein gott. da regen sie sich immer über amerika und ihre filmindustrie auf. darum gehts doch überhaupt nicht. ist doch scheissegal wer den film gemacht hat. hauptsache ist dass es in gibt. und gott sei dank gibt es ihn. denn mich hat noch kein anderer film in meinem leben so berührt wie BBM. anscheinend habt ihr nicht genug gefühl und emotion um dem film so nahe zu kommen wie das tausend andere menschen konnten. find ich einfach nur traurig. aber so ist es heute in der welt da draussen. keiner interessiert sich wirklich noch für andere geschweige denn für gefühle.

  4. Stimme Jochen Wilhelm voll und ganz zu.
    Aber was soll die Amerikanische Filmindustrie machen 😛

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