Katja Werker: Beautiful Sky


Du verwöhnst dein Publikum mit zwei Stunden überraschend
schöner Musik und tust ansonsten so wenig dafür, berühmt zu werden? Warum?

Ist das so? Ich mach halt in erster Linie Musik. Und heute, nach
sechs Jahren Pause, sind immerhin fast 200 Leute gekommen, der Club war voll.
Das ist ein großer Erfolg für mich. Und auch jeder Erfolg zu seiner Zeit.
Erfolg ist nicht, dass man 100 Millionen Platten verkauft.
 

Also eher Kontakt zum Publikum, Live-Auftritte …

Ich hatte unglaublichen Bammel vor dem Auftritt. Ob das
alles klappt, ob es gut ankommt. Aber dass es so gut ankommt … unfassbar,
unglaublich. Wir spielen total gerne live, das ist eine absolute Stärke von
mir. Aber viele Platten verkaufen, ist natürlich auch schön! Das eine setzt das
andere voraus.
 

Deine sechsjährige Pause. Hat die tatsächlich nur etwas mit
deinem Missverhältnis zu BMG, das Label, das dein zweites Album herausgebracht
hat, zu tun?

Das ist ein Faktor. Das war alles so stressig. Am Ende
dieser Geschichte wollte ich mit Plattenfirmen nichts mehr zu tun haben. Die
haben eine ganz bestimmte Art, mit jungen unbekannten Künstlerinnen umzugehen.
Unerträglich. Die reden total viel, und es passiert nichts. Man wird so fremdbestimmt.
Und dann musste ich mich erst mal wieder finden. Außerdem bin ich zwischendurch
Mutter einer mittlerweile vierjährigen Tochter geworden. Und die übrige Zeit
ging dafür drauf, das aktuelle Album vorzubereiten. Alles selbst in die Hand zu
nehmen, zu schauen, wie man das hinbekommt, das dauert alles. Die Hälfte der
Zeit war so eine Ablöse von dem, was vorher war und die andere Hälfte ein
Draufhinarbeiten auf das, was jetzt ist.
 

Deine nächsten Projekte?

Das neue Album ist bereits fertig geschrieben. Es ist nur
noch nicht komplett, weil wir jetzt auf Tour sind. Es kommen noch zwei, drei
Konzerte, und im Sommer steht dann die Produktion des neuen Albums an. Ein paar
Sachen haben wir schon mal vorgestellt, und ein Song kommt hammermäßig gut an:
Beautiful Sky heißt der. Dafür, dass ihn kaum jemand kennt … Riesenbeifall. Da
machen wir vielleicht vorweg eine Single draus. Außerdem wartet im Sommer auf
mich ein Engagement in einen Film als Schauspielerin. Da kommt jetzt ganz
viel, und das finde ich gut.
 


Wie hat die Musik dich gefunden? Hattest du Lehrer?

Nein, ich bin ein Autodidakt. Mit vier Jahren schenkte mir mein Vater
eine kleine Gitarre und seitdem habe ich  immer so vor mich
hingeklimpert. Außerdem habe ich mich immer leidenschaftlich für Musik
interessiert. Die 80er: The Cure, Police …
 

Und dich dann zuhause hingesetzt und nachgespielt?

Ja, genau. Simon and Garfunkel: Concert in Central Park und
so … dann kam die erste Band, die ersten Lieder, die ich geschrieben habe, dann
die ersten Demos mit 25.
 

Die Presse umschreibt deine Vergangenheit immer mit:
obdachlos, alkoholkrank, drogensüchtig …

Ja, das sind so die Schlagworte, aber ich möchte in diesem
Rahmen nicht darüber reden. Die Vergangenheit existiert, ich mache da keinen
Hehl daraus. Es gibt ein Buch von mir darüber, das die Geschichte sehr
differenziert beschreibt.
 

Wie heißt das?

 „Wo keine Worte, da
ist Musik“
 

Dennoch würde ich behaupten, dass deine Songs nicht die
Strahlkraft hätten, wenn du nicht bestimmte Sachen erlebt hättest. Das merkt
man deinen Liedern an.

Das stimmt. Ich merke auch, wenn ich mich mit den Leuten
nach meinen Konzerten unterhalte, dass das ankommt. Oft höre ich dann von
ähnlichen Schicksalen und bin immer ganz erstaunt, was da so rüberkommt, häufig
von Menschen, von denen ich das nicht erwartet hätte.
 

Warum englische Texte? Kommt das aus dieser
Singer-Songwriting-Tradition?

Ich habe auch schon deutsche Sachen geschrieben. Ein Album
ist bereits zusammen gestellt, aber das steckt noch in den Kinderschuhen. Nein,
ich bin absoluter Fan englischer Popmusik, vielleicht rührt es auch aus dieser
Singer-Songwriting-Tradition. Und nur weil der Markt jetzt nach Deutschen Texten
schreit, muss man sich dem nicht fügen. Aber irgendwann kommt bestimmt ein
deutsches Album …
 

Gibt es außer Peter Gabriel noch andere musikalische
Vorbilder für dich?

Ja klar. Zum Beispiel Ani di Franco, das ist eine total
berühmte Grammy-Gewinnerin-Independent-Singer-Songer-Writerin aus den USA, die
schon unfassbar viele Platten verkauft hat und alles selbst macht. Und dann
noch so kleine Independent-Künstler. Aber so große Acts interessieren mich eigentlich
nicht.
 

Verrätst du schon, wie dein neues Album heißt?

Oh, das weiß ich noch gar nicht. Ich habe immer tausend
Arbeitstitel. Beautiful Sky vielleicht.
 

Wann geht ihr wieder auf Tournee?

Wir wollten erst einmal schauen, wie viele Leute nach sechs
Jahren Pause noch kommen. Aber da es so gut läuft, stocken wir spontan auf. Es
gibt sicherlich noch einige Konzert im Herbst.
 

Auch in Hamburg?

Bestimmt.


Viel Erfolg für dich und deine Bandmitglieder Gert Neumann und Laurent Dudouet!

2 Meinungen

  1. Die beste deutsche Singer/Songwriterin… oh je.

  2. „“Von Haarbueschel | 26. April 2006 | 22:09Die beste deutsche Singer/Songwriterin… oh je.““warum oh je??

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