John Updike vs. Kevin Kelly

In einer rührseligen Rede vor amerikanischen Buchhändlern auf der Washingtoner Book Expo (auszugsweise hier oder komplett im Podcast), nimmt John Updike sein Verständnis von Autor-, Leserschaft und Literatur in Schutz. Anders als Kelly, der im Autor der Zukunft den Performer sieht, der sein Geld macht mit allem, „was sich nicht kopieren lässt“, befürchtet er den Rückfall in barbarische Zeiten, „als nur Präsenz zählte“.

Und präsent, meint Updike, ist ein Autor sowieso am ehesten in seinen Texten: „Das gedruckte, gebundene und bezahlte Buch … ist Schauplatz der stillen Zusammenkunft zweier Seelen, die einander folgen, zum Fantasieren und zum Disput anregen, zu gemeinsamer Betrachtung jenseits persönlicher Begegnung.“

Den Verfechter der Mondscheinsituation zwischen Autor und Leser quält die Vorstellung eines „endlosen virtuellen Wortschwalls, zugänglich über Suchmaschinen und bestehend aus wimmelnden promisken und urheberlosen Worthäppchen“. Für Updike ein klarer „Verrat am geschriebenen Wort und seiner Verbindlichkeit und Intimität“ und der Abschied von einer Leitidee der Moderne: „Die Gutenbergsche Revolution, die einst antrat, den Menschen Individualität zu lehren, droht in einer Wolke aus Wortfetzen unterzugehen.“

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