Heute vor?einem Jahr scheiterte Heide Simonis bei der Wahl zur Ministerpräsidentin. Ein Drama in vier Akten.

Ouvertüre: Trotz knappem
Wahlergebnis schien eigentlich alles klar. Die Koalition aus SPD, Grünen und
Südschleswigschem Wählerverband (SSW) besaß im Kieler Landesparlament 35 von 69
Mandaten. Knapp, aber Mehrheit ist Mehrheit und schließlich wurde auch Konrad
Adenauer mit nur einer Stimme Mehrheit zum ersten Bundeskanzler gewählt. Doch
das Drama von Kiel hatte seine eigene Regie.

Erster Akt: Simonis stellt sich voller Zuversicht der Wahl. Gegen
13.45 verkündet der Landtagspräsident das Ergebnis des ersten Wahlgangs: 34
Stimmen für Simonis und 33 Stimmen für den Gegenkandidaten der Opposition Peter Harry Carstensen, CDU. Simonis fehlt genau eine Stimme. Ein Denkzettel aus den eigenen Reihen,
vielleicht. Ein zweiter Wahlgang muss her.

Zweiter Akt: Die Stimmung
ist angespannt. Das Ergebnis, 34 Stimmen für Simonis und 34 Stimmen für
Carstensen. Patt. Die Opposition versammelte ihre Truppen geschlossen hinter
ihrem Kandidaten. Die Regierungsfraktionen haben einen Abweichler in ihren
Reihen, wissen aber nicht wer es ist, die Wahl ist geheim.

Bühne frei zum dritten Akt.
Das Ergebnis bleibt das gleiche, 34:34. Ernüchterung und blankes Entsetzen in den Reihen der SPD, Simonis steht unter Schock. Freude dagegen auf den
Bänken der Opposition, man scherzt und lacht, freut sich über die unerwartete
Hilfe des Abweichlers aus dem Regierungslager. Die Opposition ahnt, dass selbst
wenn Simonis noch zur Ministerpräsidentin gewählt werden sollte, die
Haltbarkeit ihrer Koalition in Tagen angegeben werden kann.

Schlussakt: Simonis will es
wissen und tritt zum vierten Wahlgang an. Das Ergebnis ist ernüchternd und
schon aus den Wahlgängen zwei und drei bekannt, 34:34. Ende der Vorstellung.

Das Nachspiel: Nach dem
Wahldebakel nimmt sich Simonis eine Auszeit und verkündet am nächsten
Tag ihren
Rückzug aus der Politik. Damit ist der Weg für eine große Koalition im
nördlichsten Bundesland frei. Peter Harry Carstensen wird ohne Probleme
zum Ministerpräsidenten gewählt.

Der „Heide-Mörder“
(Spiegel) ist bis heute nicht gefunden.

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