Harald Schmidt moderiert ‚Report‘

Das ARD Polit-Magazin „Report Mainz“ feiert seinen 40. Geburtstag. Zur Jubiläumssendung am 15. Mai gönnt sich der Magazin-Dino des SWR ein Zugpferd der TV-Unterhaltung: Harald Schmidt wird die Geburtstagssendung moderieren. Dabei soll die Sendung von der „gewohnt seriösen Aufmachung“ abweichen und Dirty Harry Gelegenheit geben, 40 Jahre investigativen TV-Journalismus zu bespötteln.

„Report Mainz ist politisch unabhängig und steht für eine gewisse Unberechenbarkeit – wie Harald Schmidt“, erklärt „Report“-Redaktionssleiterin Birgitta Weber die Gastrolle des Entertainers im sonst humorfreien ARD-Politjournalismus. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum des ARD-Klassikers könnten indes eines nicht unpassender kommen: Das Genre des öffentlich-rechtlichen Polit-Magazins steckt in eine tiefen Krise.

Erst zu Anfang des Jahres wurden die sechs ARD-Magazine um 15 Minuten gekürzt, um den vorgezogenen „Tagesthemen“ Platz zu machen. Eine heftig umstrittene Maßnahme, die einige Kritiker gleich das Ende des so genannten kritischen TV-Journalismus prophezeien ließ. Wahr ist: Die Magazine wie „Report“ oder „Monitor“ (wurde im letzten Jahr 40) sterben seit langem einen quälenden Tod – vor Langeweile. Und das ist keine Frage von mehr oder weniger Sendeminuten, sondern ein Vermittlungs- und Inhalteproblem.

Im Schnitt haben die Politformate der ARD zwar noch immer an die drei Millionen Zuschauer, sie erreichen allerdings eine komplette Generation von Fernsehzuschauern fast überhaupt nicht mehr: Für die „Report“-Sendungen aus Mainz und München liegt der Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen bei mageren fünf Prozent, was einer guten halben Million Sehern entspricht. Das Durchschnittsalter der „Monitor“-Zuschauer liegt bei 59 Jahren, gerade noch 100 000 Jüngere zwischen 14 und 29 sehen den Bemühungen einer Sonia Mikich beim Anmoderieren eines vermeintlichen Aufregers zu.

Beim WDR denkt mal längst über ein neues Format nach, mit dem man jüngere Zuschauer gewinnen will. Der Arbeitstitel lautet „Studio M“, die Entwicklung wird ausgerechnet von Sonia Mikich geleitet. „Report“-Moderator Fritz Frey denkt ebenfalls über eine Verjüngung nach. Er will ein neues ARD-Format, dass auch die ganz Jungen erreicht. Allerdings nicht mehr in Form eines TV-Magazins, sondern gleich online. Der „Report“-Mann meint, im Netz gebe es Polit-Formate, die bei den Kids mittlerweile Kultstatus erreicht hätten. Dieses Feld dürfe man nicht den Web-Machern überlassen.

Bis aus dem Nachdenken über neue Sendungen oder Online-Angebote etwas Vorzeigbares wird, muss die ARD-Allzweckwaffe Harald Schmidt als Pausenclown ran. Gewohnt seriös und vermutlich noch häufiger.

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