Guest of Honour – InderInnen in Frankfurt

Zugegeben, der „alte Hase“ ist noch nicht ganz so alt, die vergangene Buchmesse war aber immerhin schon seine dritte. Der indische Verleger Amit Kumar publiziert in seinem Unternehmen „Daffodils Technologies – The Computer Book Shop“ Bücher aus den Bereichen Management, Wissenschaft, Medizin und Computer, hat mittlerweile mehrere Mitarbeiter, ist aber noch zu den Kleinverlagen mit eigener Buchhandlung zu zählen. Da ich ihn schon seit der letzten Buchmesse kenne, war es ein freudiges Wiedersehen mit dem Familienvater, der vor seiner Buchkarriere als Marineoffizier tätig war und eine künstlerische Ader hat, er zeichnet und musiziert mit Leidenschaft. Amit geht sehr zielgerichtet über die Messe, hat eine Menge fester Termine und knüpft mit seiner kontaktfreudigen Art auch schnell neue Verbindungen, für ihn war die Messe erfolgreich.

Zum ersten Mal in Frankfurt auf der Buchmesse war Anjali Desai, die Jungverlegerin ist Managing Director vom Verlag „Indiaguide Publications“, an dem sie beteiligt ist. Anjali ist in den USA geboren und aufgewachsen und lebt nun in Indien, sie ist eine der sogenannten jungen „RückkehrerInnen“, ein Teil ihrer Familie hat nie das Land verlassen. Somit verfügt Anjali sowohl über eine Außen-, als auch eine Innensicht. Sie fühlt sich Indien und seinen Traditionen sehr verbunden und bemerkte bei ihrer Rückkehr, daß die meisten englischsprachigen Reiseführer über Indien von Ausländern geschrieben wurden und werden, was ihr aber wenig hilfreich und informativ erschien. Deshalb gründete sie ihren eigenen Verlag und brachte innerhalb von neun Monaten ein in Umfang und Form beachtlichen Reiseführer heraus, den sie auf der Buchmesse vorstellte, ein zweiter ist schon in Arbeit.

Amit Kumar wirkt angesichts der politischen und ökonomischen Fragen weltweit und in Indien etwas abgeklärter und weniger idealistisch als Anjali Desai, doch beide haben in ihren Gesprächen immer wieder auf die Schattenseiten der Globalisierung auch in Indien hingewiesen und u.a. das Problem der sogenannten „Abwanderung“ von Arbeitsplätzen angesprochen (so wird z.B. in China mittlerweile in vielen Bereichen noch billiger als in Indien produziert). Insgesamt waren die Gespräche mit beiden spannend, denn es wird einem bewußt, daß wir in den westlichen Industrieländern auf hohem Niveau über die Folgen der ökonomischen Globalisierung klagen. Gleichzeitig scheinen die Probleme der Demokratie in Indien mit ihren vielen Nationen denen der EU nicht unähnlich zu sein. Nicht zuletzt haben diese Begegnungen neugierig auf indische Literatur gemacht, in denen mehr über Alltag und Leben in Indien zu lesen ist. Das deutsche Bier auf den vielen Happy Hours hat übrigens beiden sehr gut gemundet!

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