Geheime Staatsaffären

Jeanne Charmant-Killman (Isabelle Huppert), Untersuchungsrichterin in einem Bestechungsskandal, nimmt sich des Firmenchefs Humeau (François Berléand) an, dem sie nach und nach illegale Machenschaften wie Bestechung und Verwicklung in internationale Waffengeschäfte, schwarze Kassen und persönliche Bereicherung nachweist – ein ideales Opfer, um sich an der eigenen Macht zu berauschen. Je mehr sie ihm und anderen Männern „von höchstem Rang“ den Garaus macht, desto mehr leidet darunter ihr Privatleben, hier das Verhältnis zu ihrem Mann. Die Schlacht endet im Krankenhaus, wo sich sowohl Humeau als auch ihr Mann vom Nervenkrieg zu regenerieren versuchen. Von Killman’s Rachegelüsten bleibt wenig mehr als laues Mitleid übrig.

Chabrol gibt an, dass sein Film um Machtgerangel „natürlich nichts“ mit der Staatsaffäre um die Firma Elf Aquitaine zu tun hat, in der 1996 der ehemalige Präsident Loïk Le Floch-Prigent auf spektakuläre Art und Weise dank der Richterin Eva Joly vom Thron stürzte. Die Affäre war in Frankreich einzigartig und übertrifft die Skandale à la Flick und deutscher Parteispendenaffären um einiges. Ein guter Stoff also mit viel Emotionen.

Wenn Humeau noch im Vorspann von der obersten Etage nach draußen geführt wird, ist das in einer nahtlosen Kameraeinstellung gefilmt, die ihn ins Polizeiauto verfolgt, bis er schließlich im Gefängnis zur „Einkerkerung“ die Hosen herunterlassen muss. Wie ein i-Punkt setzt sich hier das Ende des Vorspanns darunter : „Un film de Claude Chabrol“.
Dieses süffisante Spiel kennt man von Chabrol, dennoch ist der Film weit weniger beißend als viele seiner Vorgänger. Im Gegenteil, man kann sich an einem sachlichen Kammerspiel erfreuen, das sich rund um seine Hauptdarstellerin dreht – wenn man sich darauf einlassen will; wer sich in der Affaire nicht auskennt, wird sich möglicherweise gnadenlos langweilen. Denn Chabrol’s Figuren sind diesmal  derart abstrakt „nach Akte“ entworfen, daß bei trotz allem Machtgerangel die Figuren fern bleiben (Ausnahme: ein paar herrlich karrikatural entworfene Politiker, die sich höflich-bourgeois und recht dämlich versuchen, aus der Affaire zu ziehen). Die Tatsache, daß man Isabelle Huppert bereits X mal als frotzelig-kalte Powerfrau gesehen hat, macht den Film schon fast zum „Vergnügen eher für die konservativen Fans“, denn auch Huppert muß man immer wieder aufs neue mögen, naaaaa gut, sie ist gut, aber – warum immer dieselbe Rolle ?! Noch weniger originell sind die Dialoge: Nicht nur sind sie häufig sehr flach, auch eine zweite Ebene fehlt oft, derart, daß ein banaler Dialog vielleicht aufgrund der Inszenierung etwas ganz anderes andeuten könnte.

All das ist schade, denn zieht man in Betracht, daß die echte Eva Joly selbst nach Austritt aus der „Branche“ Chabrol wegen „Angriffs auf ihr Intimleben“ verklagte, zeigt, wie heiß der Stoff eigentlich ist. „Domage, un peu raté“ („Schade, daneben“) sagt man dazu in Frankreich…

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