Fremdschämen für Fortgeschrittene

Auf den
ersten Blick sieht es ganz nach einer Kopie von “Meet the Parents” und “Meet
the Fockers” aus (die ja hierzulande unter den selten blöden Titeln „Meine
Braut, ihr Vater und ich“ und „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“
liefen): Ein angehender Bräutigam macht so ziemlich alles falsch, was man
falsch machen kann und tritt in jedes erdenkliche Fettnäpfchen, von denen die
meisten im Haus der Schwiegereltern herumstehen. Doch TWWOML ist nicht etwa von
den Komödien mit Ben Stiller und Robert de Niro inspiriert, schließlich war die
Serie schon geschrieben, als der erste „Meet…“-Film in die Kinos kam.

Miller / Stiller

Auch ein
Zufall – und was für einer – ist, dass der Schauspieler, der den englischen
Bräutigam spielt, Ben Miller heißt, also genau wie der andere, bloß mit M. Doch,
es ist kaum zu glauben, Howard stellt sich noch ungeschickter an als sein
amerikanischer Kollege. So verliert er unter anderem die Eheringe, tötet aus
Versehen den Hund der Familie und versieht das Porträt von Familienoberhaupt
Richard „Dick“ Cook (der durch einen Druckfehler auf den Hochzeitsprogrammen in
„Dick Cock“ umbenannt wird) aus Versehen mit einem Hitlerbärtchen.

„Don’t
mention the war!“

Na gut,
um Hitlerwitze kommt man in britischen Komödien natürlich selten herum, was
soll’s, kann ja auch ziemlich lustig sein. Wie damals in jener Folge der
Hotelkomödienserie „Fawlty Towers“, in der das Thema „Zweiter Weltkrieg“ vor
einem deutschen Gast auf gar keinen Fall angesprochen werden darf, weil eins zu
null für England. Und genau wie Humor-Urgestein John Cleese als Hotelier-Tölpel
Basil Fawlty hinterlässt Möchtegern-Bräutigam Howard gerade deshalb eine Spur
der Zerstörung, weil er alles richtig machen will und verschlimmert alles noch durch
seine kläglichen Versuche, Missverständnissen durch Vertuschen aus dem Weg zu
gehen.

Echt
lustig

TWWOML
steht also in bester BBC-Comedy-Tradition und trotz der Ähnlichkeiten mit
anderen aktuellen und älteren Kino– und TV-Komödien ist die Serie ein echtes
Highlight der letzten Jahre. Außer natürlich der Britcom „The Office“, deren
Eins-zu-eins-Kopie „Stromberg“ ja auch in Deutschland Aufsehen erregen konnte. Doch
TWWOML hat ein entscheidendes Plus: Noch stärker als „The Office“ baut die
Serie auf jenes merkwürdige Gefühl, das in der letzten Zeit unter dem Begriff
„Fremdschämen“ Einzug in die deutsche Sprache genommen hat. Howard dabei
zuzusehen, wie er sich immer mehr in die Scheiße reitet und es verdammtnochmal einfach
nicht merkt, tut beinahe körperlich weh. Das ist kaum zu ertragen und man muss
glatt aufpassen, dass man sich nicht zu lange die Augen zuhält, man will ja
auch nichts verpassen. Also von der BBC, da gibt es noch ganz schön was lernen
in Bezug auf ordentliche Comedy. Wer weiß, vielleicht gibt’s ja demnächst auch eine
Kopie auf ProSieben zu sehen.

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