Fjodor Dostojewskij (1821 bis 1881) ist einer der berühmtesten russischen Literaten.

 
 
 
 
 
 
 
Dostojewskij war wegen angeblicher staatsfeindlicher Aktionen zuerst zum Tode, dann zu vier Jahren Sibirien verurteilt worden. Er litt unter epileptischen Anfällen, kannte Geldsorgen. Die Titel seiner berühmten Werke „Der Spieler“, „Die Dämonen“, auch der erste der fünf großen philosophischen Romane „Schuld und Sühne“ zeugen von tiefer Kenntnis der menschlichen Ängste, von den Widersprüchen und Zwängen in der menschlichen Natur.
„Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“, erschienen 1864, ist eine böse Abrechnung Dostojewskijs mit dem Glauben an das Gute und Erhabene im Menschen.
Es ist ein Text, der die tiefen psychologischen Kenntnisse des russischen Schriftstellers belegt. Und es ist ein außergewöhnlich moderner Text, in dem sich der Protagonist, ein kluger, gebildeter Mann, aus einem Petersburger Kellerloch an ein imaginäres Publikum wendet. In diesem text, von Nietzsche als »Wahrer Geniestreich der Psychologie« bezeichnet, erläutert ein Mann seinen eingebildeten Zuhörern seine „nihilistische“ Lebensphilosophie. Der Widerspruch seines Gegenübers ist von Anfang an eingeplant, ist Teil des Ganzen. Im Laufe des Monologs entwickelt der verbittert-arrogante Mann eine faszinierende Theorie: Er lehnt Vernunft, Glück, den Glauben an den freien Willen wie an den Fortschritt ab. Sie endet in einem Plädoyer für das Verrücktsein. Verrücktsein hat seiner Ansicht nach zumindest den Vorteil, Ausdruck einer gewissen Persönlichkeit und Individualität zu sein.
Diese moderne Selbstinszenierung wird von Christian Redl mit großer Intensität interpretiert. Für dieses Plädoyer des Verrücktseins, diese intelligente Demontage des Fortschrittsglaubens ist Christian Redl die ideale Besetzung. Die subversiven Überlegungen des 40-Jährigen, der früher gedient hat, und heute gar nichts mehr ist, kann und will, erweckt der Sprecher mit aller Kraft zum Leben. Schlüssig entwickelt er die zynischen Überzeugungen des Mannes, der als Obskurant, als gefährlicher Außenseiter eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Redl steigert die Abrechnung mit der menschlichen Vernunft als Maßstab allen Handelns bis ins Unvorstellbare. Der Schauspieler liebt es, widersprüchliche Figuren mit interessanten emotionalen Aspekten zu spielen.  Seine Interpretation des französischen Vagabunden François Villon wurde hoch gelobt.  Hörbuch,  Hoffmann & Campe 2003, 2 CD. Mit Booklet, 15,90 Euro. 
 
 
 

2 Meinungen

  1. nihilismus ist überhaupt ein roter faden im werk von D. Später, in „die Dämonen“ aber plädiert er dann eher für das normal-sein als für die verrücktheit.

  2. Sein wohl berühmtestes Buch „Der Spieler“ steht übrigens kostenlos online zur Verfügung unter http://www.casino-gambling-174.com/The%20Gambler.a.2413.html

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