FIGHT CLUB

Jack ist Jack. Oder nicht ? Weiß man nicht. Bis er häufig genug eins drauf kriegt.
Jack hat auch, was man braucht. Bürojob, Mietwohnung, IKEA-Möbel.
Wie – da war noch was ?

Der Mann mit dem Allerweltsgesicht (Edward Norton) und dem Allerweltsleben jedenfalls hat ein Allerweltsproblem. Er denkt, da müsste doch noch was sein. Irgendwas eben, außer routinierten Meetings, dämlichen Fernsehens, Starbucks, dem Bedürfnis seiner Kunden nach „kornblumenblauen Ordnern“ auf ihren Laptops, irgendwas, das nicht hohl, leer und bekloppt ist und ihm letztlich einen müden, gesunden Schlaf gönnt.
Da hilft nur noch Therapie. Oder, naja, dann doch nicht. Eine Männertherapie, in der seine Geschlechtsgenossen sich wie Jammerlappen in die Arme fallen und über Hodenkrebs heulen, das war’s dann wohl auch nicht. Next step.
Die Lösung ist Tyler Durden. Tyler (Brad Pitt) hat auch, was man braucht. Und sogar noch ein bisschen mehr. Tyler nämlich hat vor allem zu Allerweltsfragen stets eine smarte, zynische, unglaublich weise Antwort parat. Und Tyler kennt ein lustiges Spiel: Hit me – Schlag mich! Dann erst spürt man sich richtig. Raus aus dem Leben, in dem jeder eine Kopie des anderen ist. Und als Jack endlich zuschlägt, schlägt Tyler zurück. Ja, so kommt der Schlaf zurück…

Es dauert nicht lange, da ist der Fight Club geboren: Männer, tagsüber müde Bürosklaven, treffen sich heimlich in Kellern heruntergekommener Schuppen, um sich bis aufs Blut zu prügeln. Auch bekloppt? Womöglich. Aber Jack ist vollends zufrieden, schlägert sich frei vom keimfreien, freu(n)dlosem Leben und … schläft wie ein Murmeltier. Zusammen mit Tyler geht’s auch bald richtig ab, es gibt ja noch andere wilde Ideen: Seife wird gemeinsam hergestellt, um „aus gestohlenen Fettresten fetter Frauen gleich wieder Verwertung zu finden: ‚Es war herrlich – wir verkauften das Fett wieder zurück an dieselben fetten Ärsche.’“
Problematisch wird’s erst, als Taylor’s Fight Club in eine Richtung abhebt, die noch strukturierter, noch ordentlicher und noch intoleranter ist als das Leben, aus dem sich Jack gerade herausgeboxt hat. Der Fight Club wird faschistisch, ja terroristisch. Die fette Seife wird nicht mehr verkauft, sondern – hey, damit lässt sich auch Sprengstoff herstellen! Aus der Untergrundbewegung des inoffiziellen Raudi-Clubs wird ein inoffizieller Terrorverein.

Hier jedoch spalten sich Jack und Tyler. Oder doch nicht ? Denn Tyler ist plötzlich verschwunden, obwohl sich Anzeichen des Clubs plötzlich in jeder Stadt finden. Jack rennt, und rennt, und rennt…  bis er Tyler schließlich findet…

David Fincher’s Film war einer der originellsten Streifen Ende der neunziger Jahre, traumhaft subversiv, komisch obwohl pessimistisch, ohne sich dabei allzu ernst zu nehmen. Auch wenn er gekonnt stylisch und mit Brad Pitt als Aushängeschild als pure Unterhaltung verkauft wurde, bleibt sein Kern – die Auseinandersetzung mit Männlichkeit und der Mangel an Möglichkeiten, in einer übersättigten Welt Aggressionen umzusetzen – deshalb nicht verdeckt. Der Gegensatz zwischen Jack’s bleicher, halbtoter Bürowelt und Tyler’s blutiger, wohltuender, sinnlicher Aggression ist zu deutlich.

Schon als der Film herauskam wurde die Kritik am Kapitalismus, an einer Welt, in der Design mehr als Sein zählt, dem Film selbst zum Vorwurf gemacht : Selbst zu gestylt, führe er sein eigenes Thema ad absurdum. Noch dazu seien dies abgedroschene Themen der 80iger Jahre. Doch auch die neunziger Jahre brachten nicht gerade einen philosophischen Aufschwung, man konzentrierte sich aufs Internet und die Vernetzung der Welt, alles weitere blieb beim Alten. Der Konsum ging weiter, jetzt am Bildschirm; Zufriedenheit ist damit noch nicht erreicht, und ein gesunder Drang nach sinnlicher Erfahrung erst recht nicht gestillt. Insofern kann man eine Einstellung explodierender Computer im Nachhinein beinahe als wohltuende Metapher empfinden. Auch das finale Bild einstürzender Finanzzentren, ausgelöst durch unsichtbare, nicht greifbare Terrororganisationen, hat sich inzwischen ins Gehirn der westlichen Welt als alarmierende Realität geprägt. Es ist ein Vergnügen, sich den Fight Club nochmal anzutun 🙂

2 Meinungen

  1. Für mich ein Meilenstein der Filmgeschichte. Sowohl dramaturgisch, als auch inhaltlich voll größtem Tiefgang.Man kann ihn nicht oft genug ansehen.

  2. zu meiner schande (bin eigentlich ein großer film-freak) muss ich gestehen, dass ich den film noch nicht gesehen habe – hab ihn mir erst vor kurzem zugelegt aber leider noch keine zeit gehabt, ihn mir anzusehen. aber auf grund der ‚zahlreichen‘ positiven meinungen, die ich bisher von fight club gehört habe, bin ich schon sehr gespannt auf den streifen. ich hoffe, dass ich nicht enttäuscht werde?

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