Erfahrungsbericht eines gescheiterten Schauspielers

Eine Casting-Agentur suchte im Senderauftrag „hoch talentierte“
Darsteller für deren billig produzierten Publikumslieblinge, die
Richtersendungen. Ein Anforderungsprofil, um als einer der Zeugen,
Opfer oder Angeklagten im TV aufzutreten, gab es nicht. Warum auch? Aus
jeder sozialen Schicht sollten Darsteller aquiriert
werden, um der Sendung zu maximaler Authenzität zu verhelfen. Lediglich
ein paar Fotos wurden von mir verlangt, die ich am Tage des Castings
mitbringen sollte. Das Ereignis fand in den Konferenzräumen eines
großen Hamburger Hotels statt. Im innersten meines Ichs keimte die
Hoffnung auf ein großer Schauspieler zu werden. Primär ging es mir aber
um die Finanzspritze von 250 €. Solch eine Summe verdient ein
Laiendarteller pro Auftritt. Belegt Brötchen, Durstlöscher und Anreise
wurden von der Produktionsfirma bezahlt.

Auf zum Casting

Im Hotel
empfing mich dann ein aalglatter und sonnenabhängiger Mitarbeiter der
Castingagentur mit strahlend weiß gebleichten Dauergrinsen. Freundlich
drückte er mir einen Fragebogen in die Hand, den ich auszufüllen hatte.
Fotos und das ausgefüllte Blatt mit Namen, Adresse etc., gab ich 5
Minuten später bei ihm ab. „Mr. Bleach“ reichte mir daraufhin einen
Text, den ich in 15 Minuten, im überfüllten Saal hinter
mir, durchlesen und merken sollte. Lernen  war
unter den dort vorgefundenen Umständen nicht möglich. Meine Mitstreiter
waren mit dem Nerven am Ende. „Diese Chance muss ich heute nutzen. Ich
will TV- Star werden“, ließ eine jüngere Frau verlauten. Nachdem ich
den ununterbrochen redenen Hühnerhaufen ausgeblendet hatte, gab ich
lerntechnisch mein Bestes.

Mein Auftritt

Schließlich wurde mein Name aufgerufen und ich ging in Richtung
Casting- Raum. Dort war alles aufgebaut, wie in den Richtersendungen.
Meine Mitstreiter und ich rappelten das Szenario( Jugendlicher schiesst
seiner Nachbarin aus Eifersucht mit einem Luftgewehr in den
Allerwertesten.) vor laufender Kamera runter. Bemüht so cool und wenig
schwitzend wie möglich zu wirken. 10 Minuten und eine
tropfsteinähnliche Axelhöhle später, bekamen ich ein gekünseltes
Riesenlob für meine Arbeit. Wir wurden verabschiedet und die
Agenten versicherten uns, dass sie sich bei Bedarf melden würden.
Zumindest bei mir meldeten sie sich nie.

Den Grundstein
für eine erfolgreiche Schauspielkarriere konnte ich mit diesem Casting
also nicht legen. Meinen Traum, irgendwann mal unter der Leitung eines
Steven Spielberg zu agieren, musste ich somit begraben. Schade, dass
ich mich in diesem Casting nicht, gegen die „übermächtige“ Konkurrenz,
durchsetzen konnte.

Eine Meinung

  1. Michelle und Anna-Lena

    Hallo wir wollten wissen, wo das stand das es ein Casting gibt.Wo hast du das herraugefunden?Wir würden gerne mitmachen daher das wir auch schon mal in Schauspielkurs waren würden wir unglaublich gerne die change haben schauzuspielen nicht aus Geld oder so sondern aus Spaß daran !! mit freundlichen grüßen !

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