Ein Jahr Benedikt XVI

Der Papst ist nach katholischem Verständnis der Stellvertreter Christi
auf Erden. Auf diesem Fels ruht die katholische Kirche auf. Ob Jesus
das allerdings gemeint hat, als er dem Petrus das berühmte Wort vom
Fels gesagt hat, ist unter den Theologen mehr als umstritten.
 
Papa
Ratzi hat bis jetzt einen ordentlichen Job gemacht. Hans Küng, tübinger
Theologieprofessor und Romkritiker sagt, die erwarteten bösen
Überraschungen seien bisher ausgeblieben. Dafür hat sich der ehemalige
„Großinquisitor“ und „Rotweiler Gottes“ zu einem für seine Verhältnisse
volkstümlichen Seelsorgepapst gewandelt. Wir hatten den Weltjugendtag
in Köln und die erste Enzyklika, in der Benedikt von der Liebe Gottes
handelt. Und Ratzingers Mittwochsaudienzen werden von mehr Menschen
besucht als die seines Vorgängers Johannes Paul II.
 
Und
Benedikt hat sich mit seinem größten Kritiker Hans Küng getroffen, was
eigentlich kaum mehr möglich schien, nachdem Küng die Lehrerlaubnis für
katholische Theologie entzogen worden war. Beide kennen sich seid ihrem
Studium. Beide waren auf dem zweiten Vatikanischen Konzil als Theologen
und beide waren Freunde. Ihre Wege haben sich zur Zeit der 68’er
Studentenbewegung getrennt.
 
Was dürfen wir erwarten? Nicht
viel! Benedikt XVI war Präfekt der Glaubenskongregation, der
Nachfolgeorganisation der Inquisition. In dieser Eigenschaft hatte er
über die Reinheit der katholischen Lehre zu wachen und das hat er in
der Manier eines kühlen und konservativen Intellektuellen gemacht.
Warum soll er von seinem Kurs, der der Kurs seines Vorgängers ist,
abweichen. Er kann es gar nicht, selbst, wenn er wollte. Die Tradition
der katholischen Kirche lässt ihm und auch seinen Nachfolgern wenig
Spielraum. Wer glaubt, das Zölibat, also die Ehelosigkeit der Priester,
werde fallen, der ist ein Phantast. Gleiches gilt für alle, die
glauben, es werde in absehbarer Zeit Frauen als Priester geben. Auch
das Verbot der Empfängnisverhütung werden die alten unverheirateten
Männer in Rom nicht über Bord werfen.
 
Etwas Licht sehe ich
allerdings doch: Benedikt ist sehr am Dialog mit den anderen Religionen
interessiert. Und noch etwas: Der Papst ist Pazifist. Schon Johannes
Paul II war ein Mahner und Warner gegen den Krieg. Wenn es gegen den
Iran gehen sollte, wird auch Benedikt XVI seine Stimme erheben. Und
diese Stimme wird in der Welt gehört.

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