Don’t Believe The Hype

Schon seit Ende der 90er Jahre versuchte New Line Cinema den Film auf die Beine zu stellen. Das Konzept könnte einfacher nicht sein, mehr als der Titel verrät, muss man nicht wissen, um sich ziemlich genau vorstellen zu können, was passieren wird. Es hätte also ein ganz normaler, relativ billig produzierter Horrorfilm werden können, wie ihn Hollywood jeden Monat herausbringt. Irgendwann im letzten Jahr jedoch begann die Geschichte interessant zu werden. Allein der Titel, versprach eine Reminiszenz  an den Horror-Trash der 50er Jahre, gebrochen mit postmoderner Ironie. Die Gemüter der Nerds gerieten in Wallung, Fanseiten entstanden, der noch nicht existente Film wurde in alle Möglichkeiten zerlegt und als dann auch noch Samual L. Jackson die Hauptrolle übernahm, gab es kein halten mehr.

Das Internet als Werbeplattform gehört zwar inzwischen zum Standard der Filmpromotion, doch mehr als Trailer, Wallpaper und meist wenig spannende Extras haben die wenigsten Seiten zu bieten. Nur selten weht ein Hauch von Kreativität durch die Marketingabteilungen der Studios, werden Fake-Internetseiten gestartet, die von nicht existenten Firmen und Unternehmen aus den Filmen stammen, die also die fiktive Filmwelt in die reale Welt einbinden. Ein Hype wie er etwa um das Blair Witch Project entstand ist jedoch rar. Und so war New Line mehr als angetan, als sich binnen kürzester Zeit eine nicht unerhebliche Fankultur um Snakes on a Plane (liebevoll mit SoaP abgekürzt) bildete. Man entschloss sich zu einem unerhörten Schritt: Man gewährte den Fans ein gewisses Maß an Einfluss. Der eigentliche als PG-13 (ab 13) geplante Film, wurde mit (teuren) Nachdrehs von blutigen Schlangenattacken zu dem von den Fans gewünschten R-rating (ab 17) hochgeschraubt, und sogar Jacksons viel zitierter Satz „There are snakes on a motherfucking plane“, wurde direkt den Internetboards entnommen.

Als der Film letzten Freitag dann endlich, möglicherweise zu spät, startete, waren die Erwartungen für einen Film dieses Genre enorm hoch; und wurden bitter enttäuscht. Insgeheim wird New Line mit mindestens $35 Millionen Einspiel gerechnet haben, am Ende waren es nur etwa $15 Millionen. Dass ist nicht wirklich schlecht und am Ende der Verwertungskette wird auch niemand Geld verloren haben. Viel interessanter sind die Konsequenzen für den Glauben an das Internet als Basis des Marketings. Trotz immer weiterer Verbreitung des Internets ist der Kreis der intensiven Nutzer, der Nerds und Geeks offenbar sehr begrenzt. Diesem kleinen Kreis indirekt soviel Macht über Marketing und sogar Inhalt eines Films zu geben, führt ganz offenbar nicht zu einer Erweiterung des potentiellen Besucherkreises. Die Fans, die sich schon früh für SoaP interessierten, hätten den Film wohl ohnehin gesehen, an allen anderen ging der Hype weitestgehend vorbei. Bleibt festzuhalten: In der zersplitterten Welt des Internets, wo jede noch so marginale Gruppe auf gleich gesinnte stößt, ist auch Hype nicht mehr das, was er in der wirklichen Welt einst war.

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