Die Zeit, die bleibt, und ein paar Fotos.

Romain, ein schöner, schwuler, erfolgreicher Werbephotograph Mitte dreißig, erfährt von seiner unheilbaren Krankheit. Künstliche Lebensverlängerung durch Chemotherapie lehnt er – sowie auch jegliche weitere Hilfe – ab: Außer mit seiner Großmutter spricht er mit niemandem über den bevorstehenden Tod, und neben einigen dünnen Auseinandersetzungen und flachen Streitereien kann er auch nicht anders reagieren, als das Leben um sich herum wie für ein Fotoalbum mit einer kleinen Digitalkamera abzuknipsen. Bis sein Körper schließlich nachgibt, und er geschwächt am Strand liegen bleibt – oder auch stirbt.

Der Film macht keinen Hehl aus Romains oberflächlichem Lebenstil, und darin liegt eine seiner Stärken: Ein echter „Hot shot“ wie er verliert seine Arroganz und seinen Egoismus nicht, bloß weil er stirbt, und er baut auch nicht plötzlich tiefgründige Beziehungen zu seinen nächsten Mitmenschen auf. Selbst als er sich mit seinem Freund wieder versöhnt, oder seinen Vater nach dessen Liebe zu seiner Mutter anspricht, gibt es keine wirkliche Aussprachen. Mehr oder weniger hilflos, manchmal wütend, meist gleichgültig, nimmt er seine eigene Teilnahmslosigkeit wahr. Es gibt kein Melodrama, das ablenkt. Genau das aber berührt.

Leider betrachtet der Film das Leben um Romain aber mit einer ähnlichen Oberflächlichkeit, und darin liegt eine seiner Schwächen: Obwohl die anderen nicht vom gleichen Schicksal betroffen sind, wird Romain nie mit jenem lebendigem, bunten, fröhlichem Chaos konfrontiert, das das Leben manchmal ausmacht und bei dem ihm wohl das bloße Zusehen tatsächlich wehtun würde. Die von Ozon entworfene Welt, von der Romain Abschied nehmen muß, ist kaum heiter und lebendig, sondern eher eine bedrückende Ansammlung manchmal etwas gestelzt wirkender Szenen – Situationen, gelegentlich nicht weit vom Klischee, die nicht sonderlich berühren, und von denen der Abschied auch nicht besonders schwer fällt. Dieser mangelnde Kontrast lässt einen als Zuschauer etwas außen vor: Möge er doch sterben, so schlimm ist’s ja nicht, und viel zu verlieren gibt’s auch nicht !

Francois Ozons „Sous le sable“ aus dem Jahr 2001 handelte ebenfalls davon, wie man „mit dem Tod lebt“. Hier ist der Schmerz jedoch stärker, weil Charlotte Rampling, mit dem Tod ihres Mannes konfrontiert, trotz besseren Wissens widerspenstig am Lebendigen festhält, wenn es auch noch so phantasievolle Lügen sind. Bis sie an der Realität zusammenbricht, und man weiß : Der Tod ist ein verletzendes, weil endgültiges Aus dessen, was einem am Herzen liegt, nicht nur ein Tschüß von launischen Stimmungen.

Von Ozon wird in Frankreich viel erwartet – ein gutes Klima, das ihn möglicherweise dazu bringt, im angekündigten dritten Teil über den Tod (diesmal bei einem Kind) wieder zurück zur Verletzlichkeit und Lebendigkeit zu finden, die die Qualität des ersten Films ausmachte.

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