Die TV-Events der Saison: Katastrophenfilme

Es ist, als hätten sich alle Sender verschworen, Deutschland nach dem WM-Rausch ganz schnell wieder vom Party-Trip runterzubringen. Das Finale ist noch nicht gespielt, da eröffnen die Programmmacher die Saison der Apokalypse. Wohin man in den nächsten Monaten auch sieht im deutschen Fernsehen: So viel Katastrophenfilm war nie. An allen Ecken und Enden brennt, explodiert und stürmt es – und Berlin wird gleich dreimal ruiniert wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

An vorderster Katastrophenfront: der Entertainment-Kanal ProSieben. Nicht weniger als sechs Eventfilme mit Knalleffekt lassen die Münchener auf das Publikum los. Den Auftakt der Katastrophensaison macht am 6. und  7. Juli „Der Poseidon-Anschlag„. Über 3000 Passagiere an Bord eines Luxusliners wollen Urlaub, eine Hand voll unter ihnen will die Vernichtung der Kreuzfahrer mittels Bombe. Rettung naht in Gestalt eines Undercover-Agenten (Adam Baldwin).

In dem Zweiteiler „Supernova – Wenn die Sonne explodiert“ (3./4.8., ProSieben) soll gleich die ganze Welt in Stücke gerissen werden. Ein Wissenschaftler entdeckt, dass die Sonne schon viel älter ist als angenommen, also kurz vor der Explosion steht. Und damit gehen auf der Erde alle Lichter aus. Lichtblick in dieser Hallmark-Fließband-Produktion: Peter Fonda als der Physiker, der die Sonne sah.

Drei weitere ProSieben-Katastrophen-Events haben sich unsere Hauptstadt zum Schauplatz auserkoren: In „Tornado“ wird Berlin von einem Monstersturm umgepustet. Der Zweiteiler mit Matthias Koeberlin und Mina Tander (Sendetermin: Frühherbst) stammt immerhin aus der bewährten Event-Schmiede Teamworx („Die Sturmflut“).

Hinter dem Thriller „Die Krähen“ verbirgt sich ein Hitchcock-Plagiat: Intelligente Vögel bedrohen Berlin. Die Vögel in diesem Flatter-Film sind allerdings echt, wie die Macher versprechen. Dressiert wurden sie von Tiertrainer Jean-Philippe Varin („Nomaden der Lüfte“).

Was kann man Berlin außer Tornado und Tieren noch antun? Feuer! In dem Action-Movie „Feuersprung“ geht der Berliner Fernsehturm in Flammen auf. Im Drehrestaurant des „Alex“ wird publikumswirksam und unter der Regie von Rainer Matsutani ums Überleben gekämpft.

Um die ganze Welt geht es ein weiteres Mal in der ProSieben-Kaufproduktion „Futureshock: Comet Impact„: Ein Komet stürzt auf die Erde. Ein ganz ähnliches Szenario hat das ZDF auf Lager. In „Armaggedon“ (ja, nicht einmal einen neuen Titel ließ man sich einfallen) erzählt eine internationale Koproduktion von den Auswirkungen eines Meteoriteneinschlags – alles wissenschaftlich fundiert, versteht sich, nur diesmal krachts leider ohne Bruce Willis.

Das ZDF bastelt auch an der vielleicht interessantesten TV-Katastrophe der kommenden Monate. Nach einem Drehbuch von Bestsellerautor Frank Schätzing entsteht das Dokudrama „La Palma“ um einen Vulkanausbruch auf der Kanareninsel.
Bei so viel Knall und Krawall mischt auch RTL mit: Die Kölner verfilmen die grauenhafte Feuerkatastrophe auf dem spanischen Campinplatz bei „Tarragona“, der 1978 mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Den Zweiteiler inszeniert Altmeister Peter Keglevic.

Fünf Jahre nach dem 11.9. gibt es einen „Angriff auf Europa“ – in der Bavaria-Produktion (noch ohne Sender) wird das Europäische Parlament Ziel einer Terrorbombe.

Wie soll man diese Überdosis Unglück und Verderben als Zuschauer überleben? Man kann natürlich abschalten und auf das nächste Fußballfest im TV warten, die EM 2008. Oder ins Kino gehen – wo die Katastrophen herkommen und immer noch am lautesten krachen. Vielleicht, und da schließt sich der Kreis, in Wolfgang Petersens „Poseidon“.

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