Die Tiefen des Wassers. Die Untiefen der Gefühle.

 Aber es ist nichts dergleichen, sondern ein Buch über einen dramatischen, tödlich endenden Wettbewerb in dessen Mittelpunkt die Ich-Erzählerin und ihre Schwester Lina stehen, die, seitdem sie von ihrer Mutter verlassen wurden, miteinander um Abgrenzung und Selbständigkeit ringen.
Abhärtung gegen das Glück
Es knirschte unter den Fußsohlen, als wir ins Haus gingen. „Wir sind gegen das Glück abgehärtet“, sagte Lina vor dem Einschlafen. „Was soll das bitte heißen?“ sagte ich. „Man kann sich nicht gegen das Glück abhärten.“ „Nein“, sagte Lina und drehte den Kopf zur Wand, „man wird abgehärtet.“ Dieser Dialog, einer der wenigen die das Buch überhaupt beinhaltet, skizziert in welcher Atmosphäre die namenlose Ich-Erzählerin und ihre jüngere Schwester Lina leben. Es gibt kaum unbeschwerte oder fröhliche Stimmungsbilder in diesem Buch.
Sachlich, distanziert, sezierend und nah zugleich, manchmal fast zu nah, beschwört  Edel, eine kalte und trübe Stimmung herauf, der man sich als LeserIn nicht entziehen kann. Bedrückend und faszinierend ist der Mikrokosmos der Familie im, am Ende verwaisten, Haus am See, in dem sich die Protagonisten bewegen, ohne dass Orte, Ereignisse, Zeiten oder Alter als Koordinaten dienen. Der Debütroman der 23 jährigen Autorin schildert die enge Symbiose zweier Schwestern, die identisch sein wollen und zugleich miteinander konkurrieren. Als sie versuchen, sich einen Mann zu teilen beginnt das eigentliche Drama. „So begann die Zeit mit Gregor. Mit einem stillen eisigen Schweigen zwischen meiner Schwester und mir. Sie beobachtete jeden meiner Schritte“.
Eine Sprache zwischen Realität und Traum,
die manchmal an den magischen Realismus  der südamerikanischen Literatur erinnert. Hier gibt es keine nostalgisch verklärten Jugenderinnerungen, hier geht alles auf das dramatische Finale zu, dass eigentlich bereits zu Beginn dieses nicht rein chronologisch erzählten Romans mehr als angedeutet wird. Linas Tod als Konsequenz der Verstricktheit in zu großer Liebe und zu großer Sehnsucht könnte der Befreiungsschlag für die überlebende Schwester sein.
Rabea Edel: Das Wasser, in dem wir schlafen. Luchterhand,  2006; 16.95 Euro.
 www.buecher-magazin.de März.
 

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