Die Partei, die Partei die hat immer Recht – ach nee, das ist ja Geschichte, heute ist`s komplizierter?

Da nämlich musste die SPD in
die Ehe mit der KPD auf sowjetischen Druck hin einwilligen. Heraus kam
die SED,
die dann 40 Jahre lang den Osten eisern in ihrem Griff hielt. Das nur
mal als kleinerhistorischer Exkurs zum Thema vereinigte Linkspartei.
 
Heute sieht die Sache etwas
anders aus. Da hat nämlich am Wochenende der Landesparteitag
der Berliner WASG beschlossen, bei den Berliner Senatswahlen im Herbst,
in Konkurrenz zur Linkspartei anzutreten.
 
Das wiederum findet die
Linkspartei gar nicht gut und dies aus folgenden zwei Gründen. Erstens streitet
man sich um etwa die gleiche Klientel (deswegen ja auch die Fusion). Allerdings
besitzt die WASG im Westen der (ehemaligen Front-) Stadt wesentlich mehr Anziehungskraft
als die Erben der SED. Ergo drohen Stimmenverluste für die PDS/Linkspartei.
 
Zweitens, und dies ist der HauptgGrund, könnte diese Entscheidung die Fusion von PDS und
WASG zur
Linkspartei gefährden. Deswegen ist auch Axel Troost, Mitglied des
Bundesvorstands der Linkspartei/PDS, „sehr
enttäuscht, dass die Mehrheit der Berliner WASG-Delegierten sich
offensichtlich überhaupt nicht für den Standpunkt der Bundespartei
interessiert.“
Tja lieber Axel, die Partei
hat halt doch nicht immer Recht – das ist ja gerade das schöne an der
Demokratie!
 
Das
alles führt nun zu gegenseitigen Vorwürfen. Die Berliner WASG sieht im
Bundesvorstand eine „Ansammlung von Weicheiern“, die so beschimpften keilten zurück und sehen in ihren Berliner Kollegen
wiederum „inksradikale Sektierer“ . Schön wenn man sich so gut versteht.

 
Und auch in der Bundes-WASG geht es hoch her. Nachdem dieser Heute beschlossen hat,
ersteinmal nicht gegen die Berliner Genossen vorzugehen und keine Sanktionen
zu verhängen, ist Vorstandsmitglied Ernst sauer. Er hält diesen Beschluß schlicht für „falsch“. Denn er gefährdet die Einheit der neu zu schaffenden Einheits, ähh, genau,  Gesamtpartei.
 
Aber
zurück nach Berlin. Nachdem die linientreuen Anhänger der Fusion unterlagen, verließen sie unter hämischem Beifall, Standing Ovations und „Ihr könnt nach Hause gehen“ Rufen der „Berliner Sektierer“  den Saal.

Zur Spitzenkandidatin für die Senatswahl wählte der Parteitag dann übrigens die Trotzkistin Lucy Redler, 26 Jahre.

Was auch immer die
Auswirkung ihres Trotzkistentums sein werden, eines steht auf alle Fälle fest:
es bleibt spannend bei den Linken. Und mindestens die eine Hälfte wird sich
wünschen, die Partei hätte noch immer immer Recht…oder Oskar?

2 Meinungen

  1. Die Partei hat nicht (das) Recht. Sondern sie hat recht. D.h. sie verhält sich und lehrt richtig. „recht“ ist hier ein Adjektiv und sollte (!) seit August 2006 wieder klein geschrieben werden. Die Großschrift ist zwar noch erlaubt, aber DUMM.

  2. Es soll Staaten geben und gegeben haben in der die Partei auch immer „das Recht“ unter sich hatte. Die DDR, auf die in der Überschrift angespielt wird, war zweifelsohne solch ein Staat.

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