Die Fernsehmacher auf dem Medienforum: ratlos

Gestern war es wieder soweit. Auf dem Medienforum NRW in Köln kam die Elite der deutschen Fernsehmacher zusammen und diskutierte über die Zukunft des Fernsehens. TV-Produzenten und Programmanbieter zeigten ihre neuesten Formate und gaben Auskunft über künftige Programmentwicklungen. Fachwelt und Zuschauer wollen natürlich wissen: Was kriege ich nächstes Jahr zu sehen? Was sind die Trends? Gibts noch mehr Tati und Foffi? Die Antwort, die keine ist: Außer Sportsendungen (könnte an der WM liegen) dominieren im Fernsehen Telenovelas und Coaching-Formate.

Die wichtigen Männer des TV-Geschäfts – so richtig weiß keiner, wohin der Programm-Hase läuft. Nicolas Paalzow, Geschäftsführer der Janus TV GmbH und Ex-ProSieben-Chef, sieht eine Zukunft für Coaching-Formate wie „We are Family“ (ProSieben). Warum? Paalzow konstatierte, die Serie sei deshalb sehr erfolgreich, weil eine Bezugnahme zum Lebensalltag seitens der Zuschauer hergestellt werde. „Der Identifikationsprozess ist hier entscheidend“, so Paalzow. Schön zu wissen, das das gute alte Ding mit der Identifikation auch im Fernsehen der Zukunft noch wichtig ist. „We
are Family“ wird übrigens von der Janus TV produziert.

Hans Joachim Mendig, Chef des TV-Krimi-Produzenten Odeon Film AG („Wolffs Revier“), lieferte eine verblüffende Erklärung zur Entstehung neuer Filme und Serien. Auf die Frage, wie man Programmtrends entdecke, gab er zur Antwort, das passiere oft zufällig, zum Beispiel beim Mittagsessen oder bei Spaziergängen. Methoden und Ansätze dafür seien von Programm zu Programm und von Produzent zu Produzent unterschiedlich. So erschütternd einfach kann Fernsehen manchmal sein.

Karl-Heinz Angsten, Leiter der Programmentwicklung beim WDR, berichtete über die Entwicklung von Programmideen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die hierarchische Struktur der öffentlich-rechtlichen Sender erschwere die Umsetzung aktueller Programmtrends. Dennoch werde der WDR im Sommer neue Formate entwickeln, zum Beispiel eine Sendung zum Thema Finanz-Coaching. Gleichzeitig strebe der WDR eine Verjüngung des Publikums an. Zurzeit liege das Durchschnittsalter der Zuschauer des WDR-Fernsehens bei mehr als 60 Jahren. Ziel sei es aber, eine jüngere Zielgruppe (18 bis 35 Jahre) zu erreichen. Mit Finanz-Coaching-Formaten?

Erbarme sich einer und verpasse diesen Herren ein paar kreative Stunden Coaching zum Thema Programmentwicklung.

2 Meinungen

  1. danke für die berichterstattung, bestätigt sie doch die oftmals traurige tv-realitiät, möglichst billig mit alltagsbezug zu produzieren, um gleichzeitig möglichst große reichweite zu erzielen.von programm oder gar programmauftrag ist schon lange keine rede mehr. quote und umsatz bestimmen das „programm“.

  2. Jede Gesellschaft bekommt das Fernsehen, das sie verdient! Die Bösen sind also nicht die Programmmacher, sondern die Leute, die einem den Spaß versauen, nämlich die, die diesen Schwachsinn gucken und für eine Quote sorgen, die keinen anderen Schluss zuläßt als: that’s it.

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