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	Kommentare zu: Deutsche Sprache, leichte Sprache.	</title>
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	<description>Das passiert in Deutschland, Europa und der Welt</description>
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		<title>
		Von: Klaus Jarchow		</title>
		<link>https://germanblogs.de/deutsche-sprache-leichte-sprache/#comment-22609</link>

		<dc:creator><![CDATA[Klaus Jarchow]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jan 2007 18:12:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Eine echte Herausforderung für jeden Übersetzer, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, ist auch der erste Satz in Hermann Brochs &quot;Tod des Vergil&quot;. Viel Spaß noch mit Frau Macheiner, von der es noch ein zweites Buch gibt: &quot;Das grammatische Varieté&quot; o.ä. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine echte Herausforderung für jeden Übersetzer, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, ist auch der erste Satz in Hermann Brochs &#8222;Tod des Vergil&#8220;. Viel Spaß noch mit Frau Macheiner, von der es noch ein zweites Buch gibt: &#8222;Das grammatische Varieté&#8220; o.ä. &#8230;</p>
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		<title>
		Von: A.S.		</title>
		<link>https://germanblogs.de/deutsche-sprache-leichte-sprache/#comment-22613</link>

		<dc:creator><![CDATA[A.S.]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jan 2007 15:32:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&lt;blockquote&gt;Sie scheinen zu jenen zu gehören, die eine prinzipielle &quot;Übersetzbarkeit&quot; aller Sprachen ineinander vertreten.&lt;/blockquote&gt;Ja, ich glaube tatsächlich an die Übersetzbarkeit aller Sprachen ineinander, wobei Übersetzungen -- genau wie innersprachliche Paraphrasen -- sicher nur selten vollständige Bedeutungsgleichheit zum Original erreichen. Aber mit dieser Diskussion würden wir wohl vom eigentlichen Thema abkommen, der Flexibilität des Satzbaus im Deutschen und Englischen und der Frage, ob Flexibilität das Lernen einer Fremdsprache erleichtert (trotzdem danke ich natürlich für den Literaturhinweis und freue mich auf eine zukünftige Diskussion über das Thema Übersetzung).&lt;blockquote&gt;&quot;In einem sehr allgemeinen Sinn ist die entgegengesetzte Ausrichtung in der Tat ein Charakteristikum für die Reihenfolge, in der die Satzglieder im englischen und deutschen Satz aufeinanderfolgen&quot;&lt;/blockquote&gt;Tja, was soll man dazu sagen? Ich werde die empirische Überprüfung dieser Behauptung bei der nächsten Gelegenheit einmal als Hausarbeitsthema vergeben, dann werden wir sehen. Ich gebe aber zu, dass es mich nach allem, was ich über den Satzbau des Deutschen und des Englischen weiß, überraschen würde, wenn sie zuträfe (wobei ich natürlich nicht weiß, wie allgemein hier der „sehr allgemeine  Sinn” zu verstehen ist und ob „Ausrichtung” sich auf die &lt;i&gt;lineare Reihenfolge&lt;/i&gt; bezieht). Aber selbst wenn die Behauptung stimmen sollte, so sagt sie doch nichts über die &lt;i&gt;Flexibilität&lt;/i&gt; der beiden Sprachen aus. Der englische Satzbau ist ebenso flexibel wie der deutsche, auch wenn er anderen grammatischen und informationsstrukturellen Beschränkungen unterworfen ist. Dies zu zeigen war der Sinn meiner Übersetzungen. Um auf die Übersetzbarkeit zurückzukommen: ich bin überzeugt davon, dass es mir mit etwas mehr Zeit und Kontext gelingen würde, den zitierten Niebelschütz&#039;schen Satz nuanciert ins Englische zu übersetzen. Ich bin neugierig geworden und habe mir das Buch bestellt -- vielleicht regt es mich ja zu einem Übersetzungsversuch an. Auf jeden Fall erst einmal vielen Dank für diese anregende Diskussion!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Sie scheinen zu jenen zu gehören, die eine prinzipielle &#8222;Übersetzbarkeit&#8220; aller Sprachen ineinander vertreten.</p></blockquote>
<p>Ja, ich glaube tatsächlich an die Übersetzbarkeit aller Sprachen ineinander, wobei Übersetzungen &#8212; genau wie innersprachliche Paraphrasen &#8212; sicher nur selten vollständige Bedeutungsgleichheit zum Original erreichen. Aber mit dieser Diskussion würden wir wohl vom eigentlichen Thema abkommen, der Flexibilität des Satzbaus im Deutschen und Englischen und der Frage, ob Flexibilität das Lernen einer Fremdsprache erleichtert (trotzdem danke ich natürlich für den Literaturhinweis und freue mich auf eine zukünftige Diskussion über das Thema Übersetzung).</p>
<blockquote><p>&#8222;In einem sehr allgemeinen Sinn ist die entgegengesetzte Ausrichtung in der Tat ein Charakteristikum für die Reihenfolge, in der die Satzglieder im englischen und deutschen Satz aufeinanderfolgen&#8220;</p></blockquote>
<p>Tja, was soll man dazu sagen? Ich werde die empirische Überprüfung dieser Behauptung bei der nächsten Gelegenheit einmal als Hausarbeitsthema vergeben, dann werden wir sehen. Ich gebe aber zu, dass es mich nach allem, was ich über den Satzbau des Deutschen und des Englischen weiß, überraschen würde, wenn sie zuträfe (wobei ich natürlich nicht weiß, wie allgemein hier der „sehr allgemeine  Sinn” zu verstehen ist und ob „Ausrichtung” sich auf die <i>lineare Reihenfolge</i> bezieht). Aber selbst wenn die Behauptung stimmen sollte, so sagt sie doch nichts über die <i>Flexibilität</i> der beiden Sprachen aus. Der englische Satzbau ist ebenso flexibel wie der deutsche, auch wenn er anderen grammatischen und informationsstrukturellen Beschränkungen unterworfen ist. Dies zu zeigen war der Sinn meiner Übersetzungen. Um auf die Übersetzbarkeit zurückzukommen: ich bin überzeugt davon, dass es mir mit etwas mehr Zeit und Kontext gelingen würde, den zitierten Niebelschütz&#8217;schen Satz nuanciert ins Englische zu übersetzen. Ich bin neugierig geworden und habe mir das Buch bestellt &#8212; vielleicht regt es mich ja zu einem Übersetzungsversuch an. Auf jeden Fall erst einmal vielen Dank für diese anregende Diskussion!</p>
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		<title>
		Von: Klaus Jarchow		</title>
		<link>https://germanblogs.de/deutsche-sprache-leichte-sprache/#comment-22610</link>

		<dc:creator><![CDATA[Klaus Jarchow]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jan 2007 14:00:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sie scheinen zu jenen zu gehören, die eine prinzipielle &quot;Übersetzbarkeit&quot; aller Sprachen ineinander vertreten. Es gibt aber andere Übersetzer und Autoren, Harry Rowohlt zum Beispiel, die immer nur von einer möglichen &quot;Annäherung&quot; zwischen Sprachen ausgehen. Zur Lektüre dieser konträren Ansicht empfehle ich Ihnen: Judith Macheiner: Übersetzen. Ein Vademecum. Erschienen im Mai 1995 in Enzensbergers &quot;Anderer Bibliothek&quot;. Dort zum Beispiel - neben vielen anderen - dieser Satz, der Ihrer These von der &quot;Abbildbarkeit der Satzstrukturen ineinander&quot; widerspricht: &quot;In einem sehr allgemeinen Sinn ist die entgegengesetzte Ausrichtung in der Tat ein Charakteristikum für die Reihenfolge, in der die Satzglieder im englischen und deutschen Satz aufeinanderfolgen&quot; (S. 48).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie scheinen zu jenen zu gehören, die eine prinzipielle &#8222;Übersetzbarkeit&#8220; aller Sprachen ineinander vertreten. Es gibt aber andere Übersetzer und Autoren, Harry Rowohlt zum Beispiel, die immer nur von einer möglichen &#8222;Annäherung&#8220; zwischen Sprachen ausgehen. Zur Lektüre dieser konträren Ansicht empfehle ich Ihnen: Judith Macheiner: Übersetzen. Ein Vademecum. Erschienen im Mai 1995 in Enzensbergers &#8222;Anderer Bibliothek&#8220;. Dort zum Beispiel &#8211; neben vielen anderen &#8211; dieser Satz, der Ihrer These von der &#8222;Abbildbarkeit der Satzstrukturen ineinander&#8220; widerspricht: &#8222;In einem sehr allgemeinen Sinn ist die entgegengesetzte Ausrichtung in der Tat ein Charakteristikum für die Reihenfolge, in der die Satzglieder im englischen und deutschen Satz aufeinanderfolgen&#8220; (S. 48).</p>
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		<title>
		Von: A.S.		</title>
		<link>https://germanblogs.de/deutsche-sprache-leichte-sprache/#comment-22612</link>

		<dc:creator><![CDATA[A.S.]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jan 2007 01:34:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&lt;blockquote&gt;Wie Sie aber selber sagen, wirkt im Englischen der Bruch mit der gewohnten Ordnung im Satz immer etwas «queer», es ist eine poetische Lizenz, dem Lied, dem Theater oder dem Gedicht eher zugeordnet, als der Prosa.&lt;/blockquote&gt;Nein, es geht hier weniger um poetische Lizenz als um Informationsstruktur: die Wortstellungsvarianten sind allesamt prosaisch und in der Alltagssprache zu finden, sie sind aber an bestimmte Verteilungen von neuer und alter und von vordergründiger und hintergründiger Information gebunden. Diese Informationsverteilung fehlt bei isolierten Sätzen, und so klingen diese eben merkwürdig. (Das Englische ist möglicherweise strenger als das Deutsche, wenn es um die Einhaltung der Informationsstruktur geht -- das wäre aber noch zu beweisen).&lt;blockquote&gt;Beispielsweise ein solcher Anfangssatz aber, wie in die deutsche Prosa ja durchaus kennt, ließe sich im Englischen wohl kaum in dieser Form nachbilden: «Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen» [Wolf von Niebelschütz: Die Kinder der Finsternis]. &lt;/blockquote&gt;Die Wortstellung dieses Satzes ist ja gar nicht so außergewöhnlich. Vergleichen wir sie mit der kanonischen Satzstellung&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Ein Bischof lag schon fünf Stunden tot in einer Mur am Zederngebirge unter strömenden Wolkenbrüchen.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;so haben wir zweieinhalb Abweichungen. Erstens steht ein Platzhalter-&lt;i&gt;es&lt;/i&gt; im Vorfeld, so dass das Subjekt hinter dem Verb zu stehen kommen kann. Zweitens steht die Zeitergänzung &lt;i&gt;fünf Stunden schon&lt;/i&gt; zwischen zwei Raumergänzungen, obwohl wir sie kanonischerweise direkt hinter dem Verb (bzw. dem ersten Element der Verbklammer) erwarten würden. Zweieinhalbtens steht das &lt;i&gt;schon&lt;/i&gt; am Ende der Zeitergänzung und nicht am Anfang.Welche dieser Abweichungen können wir im Englischen nachbilden? Übersetzen wir zunächst die kanonische Form ins Englische:&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;A bishop was already lying dead for five hours in a mudflow near the Zederngebirge in the torrential downpour.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt; [Exkurs: Hier gibt es eine kleine Unebenheit, die aber nichts mit der Wortstellung zu tun hat, sondern mit den Unterschieden im Tempus-Aspekt-System der beiden Sprachen: Zeitergänzungen mit &lt;i&gt;already...for&lt;/i&gt; erfordern im Englischen bei einem Bezug auf vergangene Ereignisse typischerweise perfektiven Aspekt. Auch im Deutschen scheint mir die Kombination von &lt;i&gt;schon&lt;/i&gt; mit dem Präteritum ungewöhnlich; sie wird hier wohl stilistische Gründe haben. Um eine möglichst starke Parallelität zwischen dem deutschen und dem englischen Satz zu erhalten, habe ich im Englischen also das &lt;i&gt;past continuous&lt;/i&gt; gewählt und bin auf den Zorn aller Englischlehrer gefasst.] Die erste Abweichung ist nicht direkt abbildbar, da das Englische kein Platzhalter-&lt;i&gt;es&lt;/i&gt; kennt. Eine relativ gute Entsprechung wäre aber wohl die &lt;i&gt;There&lt;/i&gt;-Konstruktion, die, wie das Platzhalter-&lt;i&gt;es&lt;/i&gt; eine Präsentationsfunktion hat. Statt &lt;i&gt;a bishop was lying dead&lt;/i&gt; erhalten wir so &lt;i&gt;there was a bishop lying dead&lt;/i&gt;. Die zweite Abweichung ist völlig unproblematisch: &lt;i&gt;for five hours&lt;/i&gt; kann ebensogut zwischen den beiden Raumergänzungen stehen. Die zweieinhalbte Abweichung ist ebenfalls relativ unproblematisch: das &lt;i&gt;already&lt;/i&gt; kann durchaus hinter der Zeitergänzung stehen. Kombinieren wir alle drei Abweichungen, so ergibt das:&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;There was a bishop lying dead in a mudslide near the Zederngebirge, for five hours already, in the torrential downpour&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;Ob das die schönste Übersetzung ist, kann ich nicht beurteilen (es gibt ja eine englische Übersetzung des Romans, da könnte man vergleichen). Auf jeden Fall ist es ein Satz, der (abgesehen von dem aspektuellen Problem) grammatikalisch unauffällig ist und der zeigt, dass das Englische auch hier dem Deutschen bezüglich seiner Flexibilität in Nichts nachsteht. Die beiden Sprachen unterscheiden sich natürlich hinsichtlich der grammatischen Regeln, innerhalb derer diese Flexibilität sich abzuspielen hat, aber das ist ein qualitativer Unterschied, kein quantitativer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wie Sie aber selber sagen, wirkt im Englischen der Bruch mit der gewohnten Ordnung im Satz immer etwas «queer», es ist eine poetische Lizenz, dem Lied, dem Theater oder dem Gedicht eher zugeordnet, als der Prosa.</p></blockquote>
<p>Nein, es geht hier weniger um poetische Lizenz als um Informationsstruktur: die Wortstellungsvarianten sind allesamt prosaisch und in der Alltagssprache zu finden, sie sind aber an bestimmte Verteilungen von neuer und alter und von vordergründiger und hintergründiger Information gebunden. Diese Informationsverteilung fehlt bei isolierten Sätzen, und so klingen diese eben merkwürdig. (Das Englische ist möglicherweise strenger als das Deutsche, wenn es um die Einhaltung der Informationsstruktur geht &#8212; das wäre aber noch zu beweisen).</p>
<blockquote><p>Beispielsweise ein solcher Anfangssatz aber, wie in die deutsche Prosa ja durchaus kennt, ließe sich im Englischen wohl kaum in dieser Form nachbilden: «Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen» [Wolf von Niebelschütz: Die Kinder der Finsternis]. </p></blockquote>
<p>Die Wortstellung dieses Satzes ist ja gar nicht so außergewöhnlich. Vergleichen wir sie mit der kanonischen Satzstellung</p>
<blockquote><p><i>Ein Bischof lag schon fünf Stunden tot in einer Mur am Zederngebirge unter strömenden Wolkenbrüchen.</i></p></blockquote>
<p>so haben wir zweieinhalb Abweichungen. Erstens steht ein Platzhalter-<i>es</i> im Vorfeld, so dass das Subjekt hinter dem Verb zu stehen kommen kann. Zweitens steht die Zeitergänzung <i>fünf Stunden schon</i> zwischen zwei Raumergänzungen, obwohl wir sie kanonischerweise direkt hinter dem Verb (bzw. dem ersten Element der Verbklammer) erwarten würden. Zweieinhalbtens steht das <i>schon</i> am Ende der Zeitergänzung und nicht am Anfang.Welche dieser Abweichungen können wir im Englischen nachbilden? Übersetzen wir zunächst die kanonische Form ins Englische:</p>
<blockquote><p><i>A bishop was already lying dead for five hours in a mudflow near the Zederngebirge in the torrential downpour.</i></p></blockquote>
<p> [Exkurs: Hier gibt es eine kleine Unebenheit, die aber nichts mit der Wortstellung zu tun hat, sondern mit den Unterschieden im Tempus-Aspekt-System der beiden Sprachen: Zeitergänzungen mit <i>already&#8230;for</i> erfordern im Englischen bei einem Bezug auf vergangene Ereignisse typischerweise perfektiven Aspekt. Auch im Deutschen scheint mir die Kombination von <i>schon</i> mit dem Präteritum ungewöhnlich; sie wird hier wohl stilistische Gründe haben. Um eine möglichst starke Parallelität zwischen dem deutschen und dem englischen Satz zu erhalten, habe ich im Englischen also das <i>past continuous</i> gewählt und bin auf den Zorn aller Englischlehrer gefasst.] Die erste Abweichung ist nicht direkt abbildbar, da das Englische kein Platzhalter-<i>es</i> kennt. Eine relativ gute Entsprechung wäre aber wohl die <i>There</i>-Konstruktion, die, wie das Platzhalter-<i>es</i> eine Präsentationsfunktion hat. Statt <i>a bishop was lying dead</i> erhalten wir so <i>there was a bishop lying dead</i>. Die zweite Abweichung ist völlig unproblematisch: <i>for five hours</i> kann ebensogut zwischen den beiden Raumergänzungen stehen. Die zweieinhalbte Abweichung ist ebenfalls relativ unproblematisch: das <i>already</i> kann durchaus hinter der Zeitergänzung stehen. Kombinieren wir alle drei Abweichungen, so ergibt das:</p>
<blockquote><p><i>There was a bishop lying dead in a mudslide near the Zederngebirge, for five hours already, in the torrential downpour</i></p></blockquote>
<p>Ob das die schönste Übersetzung ist, kann ich nicht beurteilen (es gibt ja eine englische Übersetzung des Romans, da könnte man vergleichen). Auf jeden Fall ist es ein Satz, der (abgesehen von dem aspektuellen Problem) grammatikalisch unauffällig ist und der zeigt, dass das Englische auch hier dem Deutschen bezüglich seiner Flexibilität in Nichts nachsteht. Die beiden Sprachen unterscheiden sich natürlich hinsichtlich der grammatischen Regeln, innerhalb derer diese Flexibilität sich abzuspielen hat, aber das ist ein qualitativer Unterschied, kein quantitativer.</p>
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		<title>
		Von: Klaus Jarchow		</title>
		<link>https://germanblogs.de/deutsche-sprache-leichte-sprache/#comment-22608</link>

		<dc:creator><![CDATA[Klaus Jarchow]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jan 2007 16:26:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Oh Gott, jetzt wankt eine tragende Säule des fremdsprachlichen Unterrichts an unserer Schule. Wie Sie aber selber sagen, wirkt im Englischen der Bruch mit der gewohnten Ordnung im Satz immer etwas «queer», es ist eine poetische Lizenz, dem Lied, dem Theater oder dem Gedicht eher zugeordnet, als der Prosa.  Beispielsweise ein solcher Anfangssatz aber, wie in die deutsche Prosa ja durchaus kennt, ließe sich im Englischen wohl kaum in dieser Form nachbilden: «Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen» [Wolf von Niebelschütz: Die Kinder der Finsternis]. Dass die Reihenfolge der Satzbestandteile auch die semantischen Gewichte im Satz verschiebt, bestreite ich gar nicht. Flexible Strukturen machen Textvarianten ja nicht austauschbar oder gleichbedeutend - im Gegenteil!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oh Gott, jetzt wankt eine tragende Säule des fremdsprachlichen Unterrichts an unserer Schule. Wie Sie aber selber sagen, wirkt im Englischen der Bruch mit der gewohnten Ordnung im Satz immer etwas «queer», es ist eine poetische Lizenz, dem Lied, dem Theater oder dem Gedicht eher zugeordnet, als der Prosa.  Beispielsweise ein solcher Anfangssatz aber, wie in die deutsche Prosa ja durchaus kennt, ließe sich im Englischen wohl kaum in dieser Form nachbilden: «Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen» [Wolf von Niebelschütz: Die Kinder der Finsternis]. Dass die Reihenfolge der Satzbestandteile auch die semantischen Gewichte im Satz verschiebt, bestreite ich gar nicht. Flexible Strukturen machen Textvarianten ja nicht austauschbar oder gleichbedeutend &#8211; im Gegenteil!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>
		Von: A.S.		</title>
		<link>https://germanblogs.de/deutsche-sprache-leichte-sprache/#comment-22611</link>

		<dc:creator><![CDATA[A.S.]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jan 2007 21:55:35 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[&lt;blockquote&gt;Ein weiterer Vorteil ist die gnadenlose Flexibilität des Deutschen. Während anderswo oft das SPO-Schema (Subjekt-Prädikat-Objekt) mit eiserner Faust regiert - «Der Hund schlich mit seinem Knochen in die Hütte» - wie beispielsweise im Englischen, da herrscht im Deutschen die ganz große Freiheit, ja, fast schon Anarchie...&lt;/blockquote&gt;Ein unglücklich gewähltes Beispiel, da es kein Objekt enthält, sondern nur ein Subjekt, ein Verb und zwei adverbiale Ergänzungen. Da adverbiale Ergänzungen auch im Englischen fast überall im Satz stehen können, herrscht dort auch dieselbe Freiheit:dt. «In die Hütte schlich der Hund mit seinem Knochen» ~ engl. “Into the kennel the dog snuck with his bone”;  dt.  «Mit seinem Knochen in die Hütte schlich sich der Hund» ~ engl. “With his bone into the kennel the dog snuck”; dt. «Mit seinem Knochen schlich der Hund in die Hütte» ~ “With his bone the dog snuck into the kennel”.Übrigens muss auch ein Objekt im Englischen nicht hinter dem Verb stehen:dt. «Der Hund biss den Mann» ~ engl. “The dog bit the man”; dt. «Den Mann biss der Hund» ~ “The man the dog bit”.Die einzige Beschränkung im Englischen ist die, dass das Subjekt immer direkt vor dem Verb stehen muss (tatsächlich ist noch nicht einmal diese Beschränkung absolut, aber das würde hier wohl zu weit führen).Zugegebenerweise klingen die Englischen Sätze dort, wo sie von der Wortstellung S-V-O/Adv abweichen alle etwas merkwürdig, aber das gilt für die deutschen Beispiele ja auch. Und damit komme ich zu meinem eigentlichen Punkt: ich möchte nämlich bestreiten, dass „gnadenlose Flexibilität“ in der Wortstellung des Deutschen oder irgendeiner anderen Sprache ein „Vorteil“ für den Fremdsprachenlerner ist. Ganz im Gegenteil - diese Flexibilität ist nämlich nur eine Illusion. Die verschiedenen Stellungsvarianten können nämlich im Deutschen und im Englischen (und in vielen anderen Sprachen) nicht beliebig gegeneinander ausgetauscht werden. Tatsächlich müssen bei ihrer Verwendung sehr komplexe Bedingungen  berücksichtigt werden, die z.B. etwas damit zu tun haben, welche der Satzteile bereits erwähnt worden sind, auf welchen eine besondere Betonung liegt, usw.Die Freiheit in der Wortstellung bringt also einen erheblichen kognitiven Aufwand mit sich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Ein weiterer Vorteil ist die gnadenlose Flexibilität des Deutschen. Während anderswo oft das SPO-Schema (Subjekt-Prädikat-Objekt) mit eiserner Faust regiert &#8211; «Der Hund schlich mit seinem Knochen in die Hütte» &#8211; wie beispielsweise im Englischen, da herrscht im Deutschen die ganz große Freiheit, ja, fast schon Anarchie&#8230;</p></blockquote>
<p>Ein unglücklich gewähltes Beispiel, da es kein Objekt enthält, sondern nur ein Subjekt, ein Verb und zwei adverbiale Ergänzungen. Da adverbiale Ergänzungen auch im Englischen fast überall im Satz stehen können, herrscht dort auch dieselbe Freiheit:dt. «In die Hütte schlich der Hund mit seinem Knochen» ~ engl. “Into the kennel the dog snuck with his bone”;  dt.  «Mit seinem Knochen in die Hütte schlich sich der Hund» ~ engl. “With his bone into the kennel the dog snuck”; dt. «Mit seinem Knochen schlich der Hund in die Hütte» ~ “With his bone the dog snuck into the kennel”.Übrigens muss auch ein Objekt im Englischen nicht hinter dem Verb stehen:dt. «Der Hund biss den Mann» ~ engl. “The dog bit the man”; dt. «Den Mann biss der Hund» ~ “The man the dog bit”.Die einzige Beschränkung im Englischen ist die, dass das Subjekt immer direkt vor dem Verb stehen muss (tatsächlich ist noch nicht einmal diese Beschränkung absolut, aber das würde hier wohl zu weit führen).Zugegebenerweise klingen die Englischen Sätze dort, wo sie von der Wortstellung S-V-O/Adv abweichen alle etwas merkwürdig, aber das gilt für die deutschen Beispiele ja auch. Und damit komme ich zu meinem eigentlichen Punkt: ich möchte nämlich bestreiten, dass „gnadenlose Flexibilität“ in der Wortstellung des Deutschen oder irgendeiner anderen Sprache ein „Vorteil“ für den Fremdsprachenlerner ist. Ganz im Gegenteil &#8211; diese Flexibilität ist nämlich nur eine Illusion. Die verschiedenen Stellungsvarianten können nämlich im Deutschen und im Englischen (und in vielen anderen Sprachen) nicht beliebig gegeneinander ausgetauscht werden. Tatsächlich müssen bei ihrer Verwendung sehr komplexe Bedingungen  berücksichtigt werden, die z.B. etwas damit zu tun haben, welche der Satzteile bereits erwähnt worden sind, auf welchen eine besondere Betonung liegt, usw.Die Freiheit in der Wortstellung bringt also einen erheblichen kognitiven Aufwand mit sich.</p>
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