Das Haus am Eaton Place steht jetzt Unter den Linden

Wir schreiben das Jahr 1906. Berlin, Reichshauptstadt. An der feinen Adresse Unter den Linden residiert die Familie Gravenhorst, eine Schokoladen-Dynastie mit bestem Ruf. Wie es sich für die Bourgeoisie gehört, zählen Dienstboten zum Haushalt. Die Lakaien hausen im Untergeschoss, in den herrschaftlichen Räumen darüber schwelgt die Süßwaren-Sippe. „Unter den Linden – Das Haus Gravenhorst“ erzählt die Geschichte von zwei jungen Frauen aus zwei völlig verschiedenen Welten: von Fabrikanten-Tochter Friederike (Nina Bott) und dem mittellosen Dienstmädchen Anna (Annekathrin Bach). Friederike wird im Verlauf der romantischen Dramaserie dem Kutscher näher kommen, Anna entdeckt ihre Gefühle für den Gravenhorst-Sprössling Julius (Matthias Ziesing).

Fantasielose Kommentatoren vermuten süßliche Langeweile, die 13 Folgen lang ab dem 16. Juli (sonntags 19.15 Uhr) dem Zuschauer drohen. SAT.1 schwärmt von einer „bewegenden Geschichte über Liebe, Hoffnung und Aufstieg in einer anderen Zeit“. Beides ist falsch. Die Serie um Arm und Reich passt wie die Faust aufs Auge in unsere Zeit, in die Gegenwart einer Dienstleistungsgesellschaft zunehmender Billig-Jobs bei schrumpfendem Sozialstaat einerseits und steigenden Unternehmergewinnen andererseits. Dieses Gefühl von „Ihr da oben, wir hier unten“ ist auch 2006 aktuell.

Und warum soll die History-Soap langweilig sein? „Unter den Linden“ bietet Klassengegensätze, romantische Verwicklungen und Intrigen – Zutaten, die vor allem TV-Zuschauerinnen schon immer geschmeckt haben. Nicht zu vergessen: die Schauwerte der historischen Kostüme und Kulissen.

Auch der Sendetermin am Sonntagabend ist von SAT.1 clever getimt: Das „Lindenstraßen“-Publikum kann direkt auf das im Anschluss programmierte „Unter den Linden“ umschwenken, von der Gegenwart in die Vergangenheit gleiten. Unterhaltende Formate sind im Vorabendprogramm des Sonntags schließlich Mangelware.

Schon einmal hat eine historische Serie über wohlhabende Bürger und ihre Dienstboten-Truppe mächtig eingeschlagen. Millionen in aller Welt waren in den Siebzigern gebannt vom Schicksal der Familie Bellamy und ihrer Angestellten in „Das Haus am Eaton Place“ („Upstairs, Downstairs„) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. SAT.1 kocht also ein erfolgreiches Rezept nach, spart allerdings nicht mit Köchen und Zutaten.

Das Drehbuch schrieb Christian Pfannenschmidt („Girlfriends“), zur Besetzung gehören neben einigen Soap-Kaspern (wie Tim Sander, „GZSZ“) auch echte Schauspieler wie Horst Krause und Jaecki Schwarz, die zeitgerechte Requisite wurde aufwändig rekonstruiert. Und Außenaufnahmen aus dem hochherrschaftlichen Potsdam, der alte Friedrich lässt grüßen, gibts auch noch. Frauen zwischen 25 und 75 werden es lieben. Es ist zu erwarten, dass „Unter den Linden“ mehr als 13 Folgen haben wird.

Eine Meinung

  1. Oh Gott, das ist ja furchtbar!

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