Das Buch vor dem Film: Truman Capote: Kaltblütig, 1966

Capote arbeitete fast 6 Jahre an dem Stoff über zwei Mörder, die eine
vierköpfige Farmerfamilie auf der Suche nach Geld bestialisch töteten.
Immer wieder besuchte er die Täter, sprach mit Ihnen, ließ sich
persönliche Notizen geben und verschaffte ihnen sogar einen Anwalt, der
zunächst einen Aufschub der Todesstrafe erwirken, den Tod der beiden
durch den Strang 1965 aber nicht verhindern konnte. Capote hielt engen
Kontakt zum ermittelnden Kommissar und wird begleitet von seiner
Jugendfreundin Harper Lee (Autorin des Welterfolges und
Pulitzerpreisträgers „Wer die Nachtigall stört“). Sie holte den Autor
immer wieder „ auf den Teppich zurück“,  wenn Alkoholkonsum und
Gefühlsaufwallungen zu extrem werden. Ihr widmete Capote übrigens sein
Buch, das in den 50er Jahren im konservativen Kansas spielt und seine
große Spannung gerade aus dem Perspektivenwechsel der Protagonisten
innerhalb der Erzählung  zieht. Truman Capote, geboren 1924,
gestorben 1984 an den Folgen seiner Alkoholexzesse, war einer der
mondänsten nordamerikanischen Autoren seiner Zeit, homosexuell, und ein
Meister des Klatsches und der Selbstdarstellung, Autor zahlreicher
erfolgreicher Romane, unter anderem „Frühstück bei Tiffany“. Mit dem
Roman „Kaltblütig“ begründet er das Genre des Tatsachenromans, den
„wahrheitsgemäßen Bericht“ in Romanform. Sein knapper und zugleich
lückenloser Stil lässt Capote sachlich erzählen und weiß den Leser in
der Einschätzung des Falles zu rühren und zu verunsichern.
So zeigt er auf, dass die anfangs völlig unverständliche Tat sich nach
und nach als tragisches Ergebnis sozialer und biographischer
Lebensumstände gepaart mit psychologischer Kurzschlusshandlung
entpuppt. Der Roman löste bereits in den Vorabdrucken zahlreiche
emotionsgeladene Reaktionen aus. Er erschien zuletzt preisfreundlich in
der „Bild-Bibliothek“, was seinen Lesewert keinesfalls schmälert.

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