Cruise außer Kontrolle

So ganz normal erschien Tom Cruise ja nie. Sein Tausend Watt Lächeln war schon Ende der 80er eher nervig als sympathisch, wurde aber zu einer Art Markenzeichen all seiner Figuren. Journalisten, die Cruise interviewten, wussten von einer bizarren Intensität zu berichten, mit der der Star jeden Fragesteller durchbohrte. Jahrelang aber ging es gut, wusste Cruise PR-Agentin Pat Kingsley schlechte Publicity über ihren Star-Klienten zu verhindern. Kingsley gilt in der Branche als so einflussreich, dass sie von Magazinen verlangen kann ihren Star aufs Cover zu bringen, wenn er ein Interview gibt und sogar ein Veto-Recht bezüglich der Fotografen und Journalisten hat, die über ihre Klienten berichten. Anfang 2004 trennte sich Cruise jedoch von Kingsley und übertrug seiner Schwester Lee Anne De Vette die Kontrolle über seine Pressearbeit. Bis dahin war über Cruise Privatleben – trotz seiner Ehe mit Nicole Kidman – für Hollywood Verhältnisse relativ wenig berichtet worden, doch mit Beginn seiner Beziehung zu Katie Holmes änderte sich das schlagartig. Bei jeder Gelegenheit berichtete Cruise vom neu gefundenen Glück mit der 26jährigen jüngeren Holmes und ließ die Öffentlichkeit in einem Maßen an seinem Privatleben teilhaben, dass selbst eingefleischte Cruise-Fans irritierte. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war der schon legendäre Auftritt in der Talkshow von Oprah Winfrey, in der Cruise wie wahnsinnig auf dem Sofa rumhüpfte und immer wieder schrie: „I love this woman!“

Entgegen vieler Gerüchte erwies sich die Beziehung mit Katie Holmes nicht als Publicitystunt, Holmes wurde schwanger. Und was machte Cruise: Er kaufte sich ein privates Ultraschallgerät. Die Geburt wiederum sollte in der Methode der von seiner Scientology-Sekte bevorzugten „Stillen Geburt“ erfolgen. Dabei soll die Mutter während der Wehen keinen Laut von sich geben, um das Neugeborene nicht zu erschrecken und mit dem Bösen der Welt zu konfrontieren…

Wissenschaftlich zwar ebenso haltlos wie Cruise Bemerkungen über Psychiatrie oder schmerzstillende Medikamente, aber recht amüsant. Weniger amüsant fand Cruise dagegen eine South Park Folge mit dem schönen Titel „Trapped in the Closet“, in der sich Cruise in einem Schrank einschließt und es heißt „Dad! Tom Cruise is in the closet and he won’t come out.“ In altbekannter Humorlosigkeit wenn es um seine sexuelle Ausrichtung geht, ließ Cruise eine Wiederholung der Folge verbieten.

All das nahm Hollywood mit Stirnrunzeln zur Kenntnis, aber solange Cruise‘ Filme viel Geld einspielten ließen sie den Star gewähren. Nachdem diesen Sommer jedoch die dritte Folge des Agentenreihe Mission Impossible eher bescheiden lief, war es wohl an der Zeit die Reisleine zu ziehen. Passenderweise lief der Vertrag den Cruise‘ Produktionsfirma Cruise/ Wagner Productions mit dem Hollywood-Studio Paramount hat in diesen Tagen aus und wurde nicht verlängert. Zwar ist Cruise noch ein Star, doch rechtfertigt seine schwindende Popularität nicht mehr das enorm hohe Grundgehalt, das er pro Film kassiert, vor allem aber nicht die außergewöhnliche Gewinnbeteiligung an Kino und DVD-Einspiel, die Cruise zum bestbezahlten Schauspieler der Geschichte gemacht hat. Zwar wird Cruise kein Problem haben neue Geldgeber zu finden, dass es an der Zeit ist sein Image wieder besser zu kontrollieren, hat offenbar auch Cruise selbst erkannt: Vor kurzem feuerte er seine Schwester und lässt sich jetzt wieder von professionellen Presseagenten betreuen.

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