CNN: Unfreiwilliger Wahlkampf

In der CNN-Sendung „Situation Room“, die von einem Mann mit dem schönen Namen Wolf Blitzer moderiert wird, befasste sich am vergangenen Montag ein Beitrag mit der Frage nach dem Aufenthaltsort des Al Quaida-Führers bin Laden – doch statt mit „Where’s Osama?“ waren die Bilder mit “Where’s Obama?” überschrieben. Harmloser Tippfehler, könnte man meinen, einmalige Sache, doch Senator Barack Obama aus Illinois, Hoffnungsträger der Demokratischen Partei, dürfte sich so langsam schon an solche Ausrutscher gewöhnt haben.

Der Erste, der den Versprecher brachte, ist Senator Edward Kennedy („der letzte überlebende Bruder der zweiten Generation des Kennedy-Clans“), der in einer Pressekonferenz „Osama bin“ sagte, als er eigentlich seinen Kollegen aus Illinois meinte. Gut, auch das ein Versehen, das kann bei einem Unterschied von lediglich einem Buchstaben mal passieren. Doch am 11. Juli 2006 griff der Radiomoderator Rush Limbaugh („bekannt für seine konservativen Ansichten … Teil der New Right … seit den 1980er-Jahren … starke politische Definitionsmacht“) den Lapsus auf und benannte Obama innerhalb einer Sendung insgesamt siebenmal absichtlich um. Angeblich, um sich über Kennedy lustig zu machen, in echt aber natürlich auch, um Obama und allen anderen Demokraten ans Bein zu pinkeln – Wahlkampf as Wahlkampf can.

Durch den typographischen Bezug zwischen Osama und Obama allein wird natürlich keinerlei persönliche, politische oder religiöse Verbindung hergestellt, doch man weiß nicht, was so eine Konstellation in den Köpfen der Mediennutzer anrichten kann, wenn sie erst mal ein Eigenleben entwickelt. Und das meine ich nicht nur in Bezug auf so genannte „bildungsferne Schichten“.

Es ist wohl kein Zufall, dass konservative Republikaner den Hoffnungsträger-Demokraten auch noch mit großem Vergnügen bei seinem vollen Namen ansprechen, denn sein zweiter Vorname ist „Hussein“. Und den kennen die amerikanischen Radiohörer und TV-Zuschauer ja auch irgendwoher. Doch der Betroffene selbst sieht da überhaupt keine Gefahr: „The American people are not concerned about middle names“.

 

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