Caché

Georges Laurent (Daniel Auteuil), Fernsehmoderator für eine Literatursendung, erhält anonyme Videokassetten, die zunächst ihn selbst vor seinem behaglichen Pariser Appartement zeigen. Seine Frau Anne (Juliette Binoche) und sein Sohn Pierrot (Lester Makedonsky) reagieren mit verschiedenartig fassungsloser, hilfloser, zurückgehaltener Panik. Noch bevor man dem Störenfried auf die Spur kommen könnte, häufen sich mit weiteren Videosendungen und drastischen, kindlichen Zeichnungen Hinweise, die direkt in Georges scheinbar unschuldige Vergangenheit leiten: Als Kind sorgte er dafür, daß sein adoptierter algerischer Halbbruder in ein Waisenhaus gebracht wurde. Seine Eltern hatten das Kind aus schlechtem Gewissen gegenüber den Algeriern, die bei dem französischen Massaker 1961 in Massen zu Tode kamen, bei sich aufgenommen. Die Videoaufnahmen führen George schließlich tatsächlich zu Majid (Maurice Bénichou), jenem Halbbruder, der inzwischen ein Dasein als heruntergekommener, trostloser Sozialhilfeempfänger fristet. Sowie sich die beiden Halbbrüder gegenüberstehen, geschieht etwas Entsetzliches.

Ist Georg schuldig am Schicksal des Halbbruders, obwohl er in seiner Eifersucht noch ein Kind war? Wer hat die Videoaufnahmen verschickt? Antworten hierauf bleiben bewußt ‚caché’. Der Film konzentriert sich auf die Reaktionen der Beteiligten, ihr schlechtes Gewissen, auf die Verdrängung ihrer Ahnungen, und die höflich-kaltherzigen Methoden, an ihrem Besitz (Familie, Wohlhaben, Status) festzuhalten. Kurz, im Mittelpunkt steht die schiere Angst der Bourgeoisie.

Haneke inszeniert diese durch bewusst verdrängte Kaltherzigkeit hervorgerufene Panik wie so häufig mit ebenso zurückhaltenden, betrachtenden Einstellungen. Ob dadurch die Gefühle des Zuschauers ebenso einfrieren oder eben gerade nicht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die hervorgerufene Frage, ob das Unbehagen dieser Familie, ihr schlechtes Gewissen und die Schuldgefühle allgemeingültig für unsere wohlhabende Kultur sein können, ist ebenso prätentiös wie Hanekes Behauptung, der Blickwinkel der anonymen Kamera könnte ja auch Gottes Blick sein, alles sei hier möglich. Es könnte auch die clevere Haltung des Regisseurs sein, der froh ist, seine Nische als pessimistische Unke gefunden zu haben. Die Ambiguität der Erzählweise ruft solche Überlegungen hervor. In unserer Kinokultur, die massenweise eher durchschaubare Zerstreuung als unterhaltende Reflexion bietet, tut Hanekes Film aber gut.

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