C.R.A.Z.Y.

Zachary wird an Weihnachten 1960 als vierter von fünf Söhnen geboren. Schnell wird der Kleine zum Lieblingskind des Vates. Zu blöd also, daß aus ihm kein „richtiger Mann“ werden will: Zachary will die falschen Geschenke, hängt sich auch mal die Perlenketter seiner Mutter um, und ist überhaupt zu weibisch. Und je mehr Homosexualität in ihm aufkeimt, umso größer die Distanz zu seinem Vater. Es kostet Zachary zwei Jahrzehnte, bis er die Anerkennung seines Vaters wieder gewonnen hat.

C.R.A.Z.Y. ist aber neben diesem roten Faden vor allem ein richtig cooler, spritziger Film um die Nöte einer Mittelklasse-Familie in den 60iger und 70iger Jahren in ihrem banalen wie schwierigem Versuch, einfach glücklich zu sein. Daß der Film in einem Provinznest in Kanada spielt, stört nicht, man kennt diese Zwänge : Weihnachten, Kirche, Geburtstage, alles muß schön nett und friedlich sein, wenn die Rituale auch noch so daneben sind. Der Kanadier Jean-Marc Vallée springt hier von einer pointierten Szene zur anderen, erzählt schnell und ohne Umschweife aus Zachary’s Perspektive, und erinnert damit in bester Form nochmal daran, daß beim Erwachsenwerden nichts geschenkt wird: Die Welt purzelt nur so auf Zachary ein, und der Film ist dabei ganz auf seiner Seite.

Was hilft bei all diesem Glückszwängen ? Drogen ? Ja, auch. Aber, na, coole Musik vor allem ! David Bowie, Pink Floyd und die Stones sind halt das beste Ventil gegen inneres Chaos und machen die Pubertät zumindest halbwegs erträglich. Sie taugen nicht nur bestens, um die Atmosphäre der 60iger und 70iger Jahre wieder hochzubringen, sondern sind eng mit den Charakteren verknüft: „I’m floating in a most peculilar way“ (David Bowie, Space Oddity) beschreibt Zachary’s Zustand mindestens genauso treffend wie Charles Aznavour’s „Emmenez-moi au bout de la terre“, das Lied, das der Vater zu jedem passenden Zeitpunkt losträllert. Nicht zuletzt ist es eine Schallplatte, die Vater und Sohn wieder miteinander aussöhnt. Und auch der Filmtitel selbst, ohne zuviel zu verraten, ist ein Spiel mit den Figuren und ihrer Musik. Jean-Marc Vallée gelingt damit der Coup, ihnen sehr nahe zu sein, ohne sie zu problematisieren. Man lacht über sie, aber sie sind nicht lächerlich. Das klappt selten so unterhaltsam.

Man vergißt darüber auch, daß es für Zachary’s sexuelles Probem keine (Auf-)Lösung gibt. Bevor das Thema allzu heikel wird, hält er sich zurück, ohne daß zuwenig gesagt wird. Ein Trip nach Jerusalem – ausgerechnet – bringt Zachary zwar ein Stück weiter, aber ob er „so sein kann, wie alle anderen“, wie er es sich wünscht, das bleibt offen. Womöglich ist das auch besser so.

Nun kann man noch erwähnen, daß C.R.A.Z.Y. wohl der populärse Film Kanadas seit einigen Jahren war, etliche Preise gewonnen hat, über schauspielerische Talente verfügt, und den üblichen Kram, wenn ein guter Film sich durchschlägt.. aber das läßt sich auch woanders nachschauen 🙂 Verpassen sollte man ihn halt nicht !

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