Brasilien ist das Fußball-Land, auch ohne WM 2006 Sieg

Brasilien ist nicht arm an Fußballtriumphen. Aber ein entscheidender fehlt. Seine Bewohner können schreien und heulen, das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 1950 hat Brasilien nicht gewonnen. Kaum ein anderes Spielergebnis hat einen so starken und fortwährenden Einfluß auf das Seelenleben einer ganzen Nation gehabt.  „Der britische Journalist Alex Bellos portraitiert Lateinamerikas größtes Land durch die Brille seiner Fußballleidenschaft. In Brasilien, so schreibt er im Vorwort, werden sogar Särge noch mit Clubabzeichen versehen, haben selbst Ölplattformen Fußballfelder, und die Mitgliedschaft in einem Fußballverein kann sich als ausgesprochen nützlich erweisen, wenn man ins Parlament gewählt werden möchte. Bellos ist Korrespondent des britischen Guardian und nähert sich dem Objekt seines Interesses als Reporter: Das Fußballstadion, das genau auf der Äquatorlinie gebaut wurde, die Verbindung von Wettkampf und Schönheitskonkurrenz, die kleine Stadt mit der viel zu großen Arena oder die unglücklichen brasilianischen Kicker auf den Faröer-Inseln. (…). Gleichzeitig liefert er eine Geschichte und Soziologie des brasilianischen Fußballs. Ein britischer Einwanderer hatte 1894 zwei Bälle ins Land gebracht, der Sport der weißen Elite war bei den städtischen Armen schnell ungeheuer beliebt und bereits 1910 der populärste Sport des Landes. Geschichten zu erzählen gibt es da genug, von Spielern und Fans, vom Autofußball gut betuchter Börsianer und einer eigenständigen Variante des Spiels der Pareci-Indianer, über Glauben und Aberglauben im Fußball bis hin zum Besuch bei dem Mann, der die Spielerbekleidung für das brasilianische Team zur Weltmeisterschaft 1954 entworfen hat und heute Uruguays Mannschaft die Daumen drückt. Ganz zu schweigen vom legendären „Garrincha“, dem gezielt ins Establishment aufgestiegenen „Pele“-dem skrupellosen Clubdirektor und Parlamentsabgeordneten „Eurico“ und von Ricardo Teixera, dem immer seinen eigenen Vorteil im Auge habenden Präsidenten des brasilianischen Fußballverbandes.Bellos hat Fußballgeschichte(n) und ein wunderbares Buch über die brasilianische Lebensart geschrieben. Am Ende begreift man, warum das Land vom Fußball so fasziniert ist, dass die unerwartete Niederlage gegen Uruguay 1950 bis heute eine morbide Faszination ausübt.“ (Renate Wilke-Launer/www.der-ueberblick.de).
Alex Bellos, geb. 1970, der sich selbst als Fußballnarr bezeichnet, hat während seiner Tätigkeit als Südamerika-Korrespondent für den „Guardian“ und den „Observer“ vier Jahre lang die Geschichte des brasilianischen „Futebol“ bis ins kleinste Detail recherchiert.
Alex Bellos: Futebol. Fußball. Die brasilianische Kunst des Lebens. Fischer  2005; 9.95.
 
 
 

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