Bongo Europa – Europa ist scharf


Die Messerkäufe machen es Dirk leichter, mit seinen unermüdlich streitenden Psychologen-Eltern und einem übergewichtigen älteren Bruder in einer Limousine durch die alte Welt zu kreuzen. Auf der Spur von Gilles, der Teenager-Tochter, die unter dem Verdacht unziemlicher Experimentierfreude steht. (Amazon). In „Bongo Europa“  beobachtet ein Zwölfjähriger  unbestechlich die tragikomischen Szenen in einer kultivierten Familie und erobert nebenbei im Jahre 1964 den turbulenten europäischen Kontinent der Sinne. Zuerst wird die 16 Jährige Schwester, weil sie es angeblich „ mit dem Sohn des Müllmannes trieb“ zur Erziehung in ein italienisches Bildungsinstitut geschickt, deren Krönung der Debütantinnenball sein wird. Ihr folgen die Eltern,und Brüder. Humorvoll schildert uns Dirk  die widersprüchlichen Erfahrungen einer typischen amerikanischen Mittelstandsfamilie mit Europa.  So lautet sein erster Eindruck in Amsterdam: „Vor allem aber sahen die Leute nicht aus wie wir und waren auch nicht so angezogen – mit anderen Worten, sie hatten Geschmack.“  Besonders angetan haben es ihm die Museen, insbesondere die Kunstwerke mit nackten Frauen. „Nur beurteilte ich Künstler mit zwölf nach einem einzigen Kriterium – nach der Anzahl nackter Frauen, die sie auf einer Leinwand unterbrachten“.  Das Buch endet leider viel zu schnell mit einer großen Vertrautheit zwischen Vater und Sohn nach einer Tour durch sämtliche Pariser Stripteaselokale der  damaligen Zeit. Ein sommerlicher Lesegenuss,!
Dirk Wittenborn wurde in New Haven/Connecticut geboren und lebt mit seiner deutschen Frau und seiner Tochter in New York. 1977 erschien sein erster Roman Eclipse. Er schrieb Sketche für die US-Fernsehshow ›Saturday Night Live‹ und arbeitet als Drehbuchautor u. a. für 20th Century Fox, Disney und Warner Brothers. 1983 folgte sein zweiter Roman Zoe.. Nach langen Jahren ›schriftstellerischer Abstinenz‹, die von Drogen und einer schweren Herzkrankheit geprägt waren, erschien 2002 „Unter Wilden“, dessen Verfilmung zurzeit in den USA vorbereitet wird. Sein für viel Aufsehen sorgender Dokumentarfilm „Born Rich“ über die superreichen amerikanischen Twens wird in diesem Sommer auch im Deutschen Fernsehen zu sehen sein.
Dirk Wittenborn: Bongo Europa, 2006, Reihe DuMont Speicher, 7.50 Euro
 
 
 
 

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