?An Väterbüchern herrscht kein Mangel, nicht in diesem Frühjahr, nicht zu anderen Zeiten?.

Das „Hotel Angst“  in Bordighera an der Ligurischen Riviera, als Ort der Sehnsüchte und Träume des Vaters, wird nach dessen Tod vom Erzähler aufgesucht. Hier ließ sich am Ende des 19. Jahrhunderts der „Architekt der Pariser Oper, Charles Garnier, als einer der ersten großen ruhmreichen Fremden (…) nieder (…) auf der Suche nach einem Zufluchtsort vor den Unruhen der Pariser Kommune und getrieben von der Sehnsucht nach Gesundheit für sich und seinen kranken Sohn. Damals existierte nur das kleine wehrhafte Fischerdorf oberhalb des Hafens mit seinen massiven Stadtmauern und engen Toren, eine Burg der armen Leute auf dem Rücken des blühenden Kaps. Bordighera, wie es heute steht und liegt, war nur ein weitläufiger wilder Garten.“
Diese Welt nahm auch den Vater gefangen, einen Architekten, der als angestellter Statiker während zahlreicher Familienurlaube in Italien seine Visionen von der Wiederbelebung des „Hotel Angst“  lebte und verfolgte. Unter dem Argwohn seiner Frau schmiedet er gemeinsam mit seinem alten –  von den Söhnen stets in einer Mischung aus Bewunderung und Misstrauen beäugten – Freund Fechner,  immer wieder neue Pläne und Aktionen um den alten Mythos  herbei zu zaubern. „Das Hotel des Adolf Angst war in der Belle Epoque ein High-Society-Tempel, der an der „…Zeit zerschellte. Heute gibt es dort nur noch Ruinen und kleine Appartements.“ (NZZ).
Zum Abschluss seines Besuches übereicht Fechner dem Sohn einen dicken letzten Brief des Vaters, den dieser ihm noch wenige Wochen vor seinem Tod  geschickt hatte. Der Inhalt: ein Entwurf und neue Pläne für die  Auferstehung des Hotels. Der Brief sorgt so für eine große Überraschung und der Sohn entdeckt plötzlich völlig neue Seiten an seinem Vater. Posthum findet die langersehnte Annäherung statt.. Ein wunderbares Buch über die Suche eines Kindes –  das man ja lebenslang bleibt – nach der geistigen Nähe zum Vaters und ein „Muss“ für alle John von Düffel-Fans.
 
Düffel, geboren 1966, arbeitet derzeit als Dramaturg in Hamburg, lehrt an der Hochschule und ist immer wieder neugierig auf die Geschichten, die das Leben erzählt, denn diese „sind längst noch nicht alle erzählt.“ J.v. Düffel: Hotel Angst, DuMont Speicher, 108 S., 7.50 €.
 
 
 
 
 
 
 

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