American-European Beauty

Ein Mann, kaputt, seine Haltung schlapper als sein Anzug, tappt entkräftet durch die texanische Wüstenlandschaft. So ausgemergelt er aber auch ins Leere geht, ein Blick in seine Augen genügt, um die Geschichten dahinter zu erahnen: Travis trägt Bilder mit sich herum, von seiner Mutter, seinem Sohn, vor allem von seiner Frau – wie sie waren, vor allem wie er sie hat sehen wollen. Als er an einer gottvergessenen ‚Tanke’ zusammenbricht, ist es sein Bruder, der ihn ins Leben zurückholt: Er bringt ihn zu seiner Famile und zu seinem Sohn, den der Bruder nach Travis’ Verschwinden aufgenommen hat. Travis lernt wieder, Vater zu sein. Und, dass er seinem Sohn die Mutter schuldet. Die beiden machen sich auf die Suche und finden sie in einer halbseidenen Peepshow im seelenlosen Houston. Travis wird einen Schlussstrich ziehen. Doch auch wenn das kein Happy End ist, schließt sich für Travis, seine Frau und sein Sohn ein friedlicher Kreis.

Langsam und mit äußerst respektvoller Eleganz nähert sich der Film diesem Mann, der zunächst unfreiwillig von seiner Geschichte eingeholt wird, der dann aber ganz geradeaus die Sache selbst in die Hand nimmt. Wie viele Geschichten des Amerikaners Sam Shepard handelt auch „Paris, Texas“ von einem besitzergreifendem Mann, der so stark liebt und an den Bildern dieser Liebe festhält, dass die Geliebten daran irgendwann zerbrechen. Die Poesie des Films liegt vor allem darin, dass er – dank Robby Müllers elegischer Kameraführung und Ry Cooders unvergleichlichem Soundtrack – genau das Gegenteil tut : Er ergreift nicht Besitz von dem, worauf er schaut, sondern betrachtet und sieht zu. Dieser europäische Blick auf Amerika ist wohl auch einer der Gründe für die „Goldene Palme“ in Cannes 1984. Wie Travis wieder lernt, ein Mensch zu sein, welche zärtlichen Momente dazu notwendig sind, und wie sich die Bilder, die er sich von seiner Familie und besonders von seiner Frau gemacht hat, wieder zurechtrücken, das betrachtet der Film mit außergewöhnlicher Ästhetik.

In unserer inzwischen so prall mit digitalen Bildern gefüllten Welt ist „Paris, Texas“ immer noch eine Augenweide !

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.