Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten

Die Geschichte des Sonnino-Clans, um den es in Pipernos Debüt geht, ist schwer nachzuerzählen.
Niemand ist normal, alle sind besonders. Und so kommen denn
auch die Figuren und ihre Gedanken daher: versponnen, verschachtelt, verwundet
und vernarbt. Bepy etwa, der Ur-Großvater, Lebemann und Schürzenjäger und als
solcher lieber tot durch Blasenkrebs  als impotent vor der dreißig Jahre
jüngeren Geliebten … Luca, der Sohn Bepys,
als Albino äußerlich andersartig und von seinem Vater zum extravaganten „Fürst
der Oberflächen“ erzogen. Theo, der Bruder Lucas’, der nach Israel auswandert
und sich dort, entgegen der allgemeinen und vor allem Bepys Familiengesinnung,
den Zionisten anschließt. Und dann sind da noch die exaltierten Enkel: Theos
Sohn, der auf Plateauschuhen seinen Eltern seine Homosexualität gesteht. Und der
Strumpfhosenfetischist Daniel, der als Neunjähriger in das Geheimwissen von der
lebenslangen Vitalität vom Großmeister Bepy höchstpersönlich eingeweiht wird:
ein Tennismatch, eine ordentliche Abreibung mit Kölnisch Wasser kombiniert mit
Geschlechtsverkehr.
 
Daniel erzählt die Geschichte der
Sonninos. Ruhig und unnachgiebig nimmt er sich jeden einzelnen der
verlogenen
Gesellschaft vor. Alle müssen auf die Couch. Manchmal schön zotig und
vor
allem: so gar nicht jüdisch. Man braucht eine Weile, um das Ketzerische
aus den
Schachtelsatzkaskaden heraus zu lesen. Der Zynismus Pipernos offenbart
sich
nicht vordergründig und nur im Ganzen. Am Ende liegen sie alle da:
nackt,
verletzlich und so menschlich, dass sie einem ans Herz wachsen. Fast
könnte man meinen, sie wohnen drei Straßen weiter und man kann mal
schnell anrufen, um die nächste Damen-Canaster-Runde
zu planen …
 
Unbedingt zu empfehlen. Vorsicht: keine Urlaubslektüre.
S. Fischer Verlag.

2 Meinungen

  1. Mit Alessandro Piperno hat Italien einen neuen strahlenden Stern am Literaturhimmel.

  2. Hier berauscht noch Sprache!

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