Ain’t It Cool?

Am ersten März anno 1876, mithin vor ziemlich genau 130 Jahren, wurde einer
der kühlsten Menschheitsträume Wirklichkeit: Der Münchner Professor Carl Linde
erhielt das Patent für – den Kühlschrank! Dieses eisige Jubiläum sollte uns
Grund genug sein, an dieser Stelle ein Sammelbecken (Kühlfach?) mit schönen,
berühmten, fiesen, coolen, den Kühlschrank betreffenden Filmszenen
einzurichten.

Nun sind Filme, in denen die Kalthalter tragende Rollen spielen, eher dünn
gesät. Klar, schließlich stehen die Dinger meist starr und weiß und leise
summend in der Gegend herum, statt etwa wie schicke Oldtimer durch grandiose
Landschaften zu schaukeln.

Höchst lebendig wird unser Held allerdings in „Der Kühlschrank“ („The
Refrigerator“, 1991), in dem das titelgebende Gerät direktemang der Hölle
entstammt, seine jungen Besitzer wild halluzinieren lässt, gar einen
Reparaturtechniker verschlingt und Schwälle von Blut ausstößt! Den
viertelstündigen Kurzfilm „Attack of the Killer Refrigerator“ (1990) gibt’s
auch, der wurde vermutlich aber nur gedreht, um mit dem Titel für Gluckser zu
sorgen.

Gern eingesetzt werden Kühlschrank und sein Inhalt als sozialer Indikator:
Wie viele Filmhelden öffnen abends ihren Fridge, um gähnende Leere vorzufinden?
Da gibt‘s dann vielleicht eine Dose Katzenfutter, Ravioli, vergammeltes Gemüse
oder die Packung Milch, die immer abgelaufen ist. Das heißt, der Held ist Single
und einsam und mal wieder nicht zum Einkaufen gekommen; weil ihn der Job
auffrisst, hat er nix zu Futtern in der Kühlkrippe. Bei Single-Ladies sind die
Kühlschränke dagegen immer gut gefüllt. Doch essen die Damen? Nein! Sie öffnen
die Tür, seufzen und machen wieder zu. Denn auch sie sind einsam.

Die schönste mir bekannte Ankedote zum Thema „leerer Kühlschrank“ erzählte
übrigens Peter O’Toole, als er irgendwann Anfang der 90er in der „Late Show“ von
David Letterman zu Gast war: O’Toole hatte einst mit seinem Schauspielkollegen
und Kumpel Richard Harris eine wüste Zechtour hinter sich gebracht. Man saß noch
dämmernderweise in Harris‘ Wohnung, als der Hunger anklopfte. Im Kühlschrank
fand sich aber lediglich ein nicht mehr allzu frisch aussehendes Stück Fleisch.
Beide Mimen entschieden, sich des Verzehrs besser zu enthalten – und Harris
schmiss den alten Lappen aus dem Fenster. Nach ausgeschlafenem Rausch blickte
O’Toole morgens aus dem Fenster – und sah unten auf dem Bürgersteig einen
offensichtlich verendeten Hund liegen…

Doch nach „Kühlschrank, deine Inhalte“ soll es nun weitergehen mit
„Kühlschrank, deine Türen“. Sehr beliebt in Erzeugnissen des Thriller- und
Horrorgenres ist der Mann hinter der Tür. Hinter der Tür? Ja. Jemand öffnet die
Tür eines Kühlschrankes, wird dabei aus seitlicher Perspektive gefilmt. Wir
sehen also ihr/sein Gesicht und dahinter die Kühlschranktür. Er oder sie
schließt sie Tür – und wie das Teufelchen aus der Schachtel steh da nun – bauz –
der Killer! Zum ersten Mal gesehen habe ich das im Clint-Eastwood-Thriller „Der
Wolf hetzt die Meute“ (1984). Eastwood hat seine beiden Kids in die Obhut einer
Tante (Gouvernante? Freundin?) gegeben, weil er selbst einen Mörder jagen muss.
Die ältere Lady geht in die Küche, öffnet die Kühlschranktür, macht sie zu, und
dann steht da ein Mann mit schwarzer Maske! In der Tat ungemein wirkungsvoll.
Aber seither richteten sich Myriaden von Filmkillern hinter der Kühlschranktür
ein. So oft und so lange, dass die Umkehrung – ha, es steht KEIN irrer Mörder
hinter der Tür! – schon längst Pflicht geworden ist.

Wem nun aus dem Fingerschnippen heraus tolle Szenen mit, in, unter, vor und
hinter Kühlschränken in den Sinn kommen – her damit. Momente wie der aus
„Inspektor Clouseau, der ‚beste‘ Mann bei Interpol“ ( Clouseau öffnet die Tür
und – patsch! – kippen ihm Sahnepackungen etc. entgegen) oder die hübsche Szene
in „Solange du da bist“, in dem Reese Witherspoons Geist lässig in Mark Ruffalos
Kühlschrank sitzt und ihn maßregelt. Ich könnte jetzt den alten Witz bringen,
dass, wer die originellsten Szenen einschickt, so viele Kühlschränke gewinnt,
wie er tragen kann. Tu ich aber nicht. So long.

 

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