Zooomr ist nicht Flickr

Großspurig schreibt der auch ansonsten hinlänglich bekannte Blogger bei Focus:

Zooomr bietet (fast) alles, was der Platzhirsch hat, umsonst.

Nochmal leider ist diese Aussage, wie auch der ganze Artikel im Übrigen eine Lehrstunde darüber, wie sich Textqualität heutzutage definiert. Don Dahlmann habe ich Vorschusslorbeeren gegeben und mich auf sein Testurteil verlassen, weil er ein anerkannter Blogger ist. Ich bin davon ausgegangen, dass man seinem Urteil insoweit würde vertrauen können, als es eine die wesentlichen Punkte berücksichtigende fachliche Bewertung sein würde.

Weit gefehlt. Langsame Server und gewöhnungsbedürftiges Design sind die einzigen Schwachpunkte, die Dahlmann bei Zooomr entdecken konnte. Gut. Mit der Langsamkeit der Server hat er Recht. Das Design indes ist im Grunde Flickr und von daher eher nicht gewöhnungsbedürftig.

Die echten Schwachpunkte liegen aber offen zutage und wiegen wesentlich schwerer, ohne dass es Herrn Dahlmann aufgefallen wäre. Schon die einfache Anforderung, Bilder direkt in der Übersicht zu löschen, erfüllt Zooomr nicht. Zudem kann man sich keine Übersichten zu Aktivitäten rund um die Bilder, wie zB die Statistik der meist betrachteten oder kommentierten Fotos anzeigen lassen. Die Gruppenfunktionalität ist höchstens rudimentär. Der gesamte "Organisieren"-Bereich, den man bei Flickr kennen und schätzen gelernt hat, existiert bei Zooomr nicht mal in Ansätzen. Auch das angebliche verfügbare Upload-Tool gibt es nicht zuverlässig. Im Augenblick beispielsweise funktioniert es nicht, man schiebt es auf das aktuelle Release der Zooomr-Anwendung.

Warum nun hat Herr Dahlmann offensichtliche Schwachstellen nicht entdeckt? Für mich gibt es eigentlich nur eine einzige Erklärung: Zeitdruck und/oder Kostendruck. Tatsächlich habe ich vor kurzem in einem Blog einen höchst oberflächlichen Trigamibeitrag gelesen. Per Kommentar habe ich den Blogger darauf hingewiesen, woraufhin dieser lamentierte, er habe auch noch was anderes zu tun als Testberichte zu schreiben.

Nachvollziehbar? Für mich nicht. Nehme ich einen Auftrag zu bekannten Konditionen an, erledige ich diesen so gut ich kann. Über die Höhe des Honorars habe ich mir vorher Gedanken gemacht. Ist es zu gering, nehme ich den Auftrag nicht an. Nehme ich ihn aber an, beschwere ich mich im Nachhinein nicht über das Honorar…

Na ja. Im Ergebnis kann ich jedenfalls Zooomr nicht empfehlen…

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