Zeit zum Träumen

Die ersten Spieltage einer Bundesliga-Saison sind eine schöne Zeit. Richtig harmonisch geht es da bei den Vereinen zu, verglichen mit all dem Ärger und Stress, der vielen am Ende der Spielzeit droht.

Sicher, hier und da bahnt sich schon zu Saisonbeginn Ärger an, in Wolfsburg zum Beispiel wollen die teuer erkauften Spieler noch nicht so recht zusammenpassen und auch der Dortmunder BvB stolpert sich eher von Spieltag zu Spieltag anstatt wie erhofft, leichtfüßigen Tempofußball zu zelebrieren.
Trotzdem können sich Trainerfüchse wie Felix Magath zur sonntäglichen Fragerunde beruhigt ins Münchner Hotel Kempinski wagen. Nach dem vierten Spieltag lassen sich lästige Kritiken noch mit dem Argument abtun, die völlig neu formierte Mannschaft brauche einfach ein bisschen Zeit, dann würde schon alles gut werden.
Ausgebuffte Routiniers vom Schlage Magath sind außerdem so schlau, die aktuelle Formschwäche einfach mit Fähigkeit zur Vision („in fünf Jahren international!") oder konspirativem Gespür wegzuwischen: „Die Deutsche Bahn hat für die Strecke Wolfsburg-Berlin anstatt einer ganze drei Stunden gebraucht!" Die Deutsche Bahn ist Hauptsponsor von Hertha BSC Berlin, des Vereins also, der den Wolfsburgern am Samstag eine empfindliche 2:1 Niederlage zufügte.

Doch zurück zur Friede, Freude, Eierkuchen Fraktion:
Besonders beruhigend wirkt sich die frühe Phase der Saison besonders auf die Abstiegskandidaten aus. Gut, Hansa Rostock ist mit null Punkten desaströs gestartet, aber von Verzagen keine Spur! Die Verpflichtung von Victor Agali und die durchaus ansprechende Leistung gegen Borussia Dortmund sind Anlass genug zur Zuversicht.

Für einige andere Mannschaften, deren einziges Ziel vermeintlich darin besteht, so schnell wie möglich 40 Punkte gegen den Abstieg zu sammeln, sind die Bundesligamonate August und Juli sogar Anlass für Träumereien:
Arminia Bielefeld verliert zwar am vierten Spieltag 0:3 beim MSV Duisburg, verbringt die zwei Wochen bis zum nächsten Spieltag aber trotzdem auf dem dritten Platz. Der VfL Bochum kassiert in Hannover ein unglückliches 2:3, bleibt aber erster Bayern-Verfolger. Nun sagt man ja sowohl Ostwestfalen als auch Ruhrgebietlern eine gewisse Bodenständigkeit nach. Schon deshalb wird die Phantasterei von internationalen Spielen in beiden Städten nicht so schnell Einzug erhalten. Und trotzdem: Der Anblick der Tabelle lässt die Anhänger für ein paar Spieltage von glorreichen Zeiten träumen und das graue Maus Image vergessen.
Umso bornierter kommt es da rüber, wenn Monica Lierhaus in der Sportschau verkündet, man blende die Tabelle jetzt zwar mal ein, aber, haha, Aussagekraft habe das ja alles noch nicht.

Doch selbst solche Ignoranz trifft den realistischen Ostwestfalen wenig, wenn ein Sieg im nächsten Heimspiel gegen Hansa Rostock die mögliche Tabellenführung bedeutet, so lange die Bayern nur hoch genug gegen Schalke verlieren. In Rostock dürfte dann allerdings doch langsam die Abstiegsangst einsetzen.

2 Meinungen

  1. Für Vereine wie Bochum, Bielefeld und auch Frankfurt können solche Understatements a la Lierhaus nur gut sein. Stuttgart hat bis zum Ende auch kaum jemand den Titel zugetraut und am Ende doch triumphiert… vielleicht gelingt das dem Trio auch und am Ende freuen sie sich über einen Platz in der oberen Tabellenhälfte…Nun ja… aber 30 Spieltage stehen trotzdem noch immer aus!

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