Yoga für Leistungssportler

Der neue Fitnesstrend ist was für Ausdauernde und Optimisten. Die einzelnen Yogapositionen werden in jeweils zwei Durchgängen durchgeführt, sodass man also nach dem ersten Fehlversuch noch eine Chance erhält. Sie sind teilweise so anspruchsvoll, dass manch einer ein Leben lang damit beschäftigt ist, an der Perfektionierung zu arbeiten. Die Trainer dürfen sich nur Bikramtrainer nennen, wenn sie einen Lehrgang des ‚Erfinders' Bikram Choudhury in Los Angeles besucht haben. Bikram ist gerade dabei, diese exakte Abfolge der Positionen patentieren zu lassen. Die Inder sind schlicht gesagt entrüstet. Schließlich ist Yoga Jahrhunderte alt und gehört allen.

‚Tatort' Bikram Yogastudio in Harvard Square: Je nach Tageszeit ist der Raum entweder voll oder proppenvoll; Matte an Matte, sodass der Schweiß des Nachbarn sich mit dem eigenen mischt. Einige der Übungen kann man dann nur noch verrenkt ausführen: zum Beispiel liegt man zum Ende hin auf dem Bauch auf der Matte und soll seine Arme seitlich ausstrecken. Da rammt man sich aber schnell beim Danebenliegenden. Macht nix, dem macht es sicher genausoviel aus und man rückt sich zurecht, einer hochzu, die andere rutscht ein Stück herunter.

Der Trainer steht vorn auf einem Podest, macht aber die Übungen (Asanas) nicht selbst vor. Er spricht in ein Mikrofon hinein, leitet die Gruppe an, redet ununterbrochen. Insgesamt sind 26 Asanas zu absolvieren, das Ganze bei einer Raumtemperatur von 38-40 Grad Celcius. Das soll die Muskeln weich machen, damit man keine Schwierigkeiten hat bei dem ganzen Beinaustrecken.

Ich mache seit mehreren Jahren Yoga und war immer an dieser Form des Schwitz-Yogas interessiert. Als Anfänger wird man aufgefordert, den Raum nicht zu verlassen, auch wenn man nicht mehr kann. Sondern hinsetzen ist angesagt, tief durchatmen, Wasser trinken – nach den 90 min sollte man mindestens einen Liter getrunken haben, um den Schweiß zu ersetzen, den man mittlerweile verloren hat. Während der Yogazeit spricht nur der Trainer, muntert die meisten auf, sich noch mehr zu strecken, weiter runter oder hinter zu beugen. Öfters wird ein Lob ausgesprochen; die Leute nämlich, die wirklich gut sind, kommen mehrmals die Woche, man kennt sich.

Alles in allem fehlt es dieser Form an Yoga meiner Meinung nach an der inneren Philosophie. So, wie Bikram Yoga hier durchgeführt wird, ist es ein militärisches Ableisten der Übungen. Ich schnapp mir meine Matte, mein Handtuch, geh duschen und leg mich in den Park. Derweil spricht der Trainer mit Einzelnen und sagt ihnen, was sie das nächste Mal besser machen könnten, woran sie noch üben sollten. Leistungsdruck bei Yoga – das kann sich Bikram tatsächlich patentieren lassen.

Keine Meinungen

  1. Das Buch klingt interessant. Muß ich mir anschaffen

  2. tolles buch, muss ich auch sagen!

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