Waiting for Superman: Kritik gegen das amerikanische Bildungssystem

Regisseur Davis Guggenheim, der mit An Inconvenient Truth einen Oscar für die beste Dokumentation gewann, kritisiert mit Waiting for Superman die Missstände am amerikanischen Bildungssystem. Auch für deutsche Zuschauer erscheint seine Dokumentation als sehr interessant, wenn sie es zulässt, Parallelen zu ziehen.

Trotz sehr unterschiedlicher Bildungssysteme sind gewisse Gemeinsamkeiten nicht zu leugnen. Die Politiker beider Länder überschlagen sich seit Jahrzehnten immer wieder mit träumerischen Versprechen, die im Moment des Aussprechens schon vergessen scheinen, und egal, ob man einen Deutschen oder einen Amerikaner auf seine Erfahrungen mit Schulen ansprechen würde, eine paradoxe Mischung aus Zorn und Ohnmacht wäre die häufigste Reaktion.

Waiting for Superman – kein Rezept für bessere Schulen

Die Haltung, sich retten lassen zu wollen, anstatt selbst für Verbesserungen im eigenen Land einzustehen, dafür steht der Titel mit Referenz auf den amerikanischen Nationalhelden, der in den Comics Amerika aus der Apathie des Kalten Krieges rettete.

Davis Guggenheim baut den Film um eine Lotterie herum auf. In Amerika gibt es Schulen, welche Schüler nicht nach Leistung auswählen dürfen. Diese müssen quasi Lotto spielen. Angesichts der großen finanziellen Schwierigkeiten, die viele Eltern in Amerika haben, um ihren Kindern eine gute Bildung zu garantieren, ein zynisches Bild. In einem überlasteten System schiebt man die Verantwortung für die Zukunft seiner Kinder auf dem Zufall unterworfene Würfelspiele.

Der Film begleitet fünf Kinder, deren Namen bereits alles sagen: Anthony, Bianca, Francisco, Daisy, Emily. Anthony geht in die fünfte Klasse und wird von seiner Großmutter großzgezogen, Bianca ist ein Kindergartenkind aus Harlem, Francisco einer Erstklässler in der Bronx, Daisy eine Viertklässlerin in Los Angeles und Emily eine Achtklässlerin in Silicon Valley. Nur die letzten beiden werden von zwei Eltern aufgezogen.

Probleme haben sie alle, aber zum Glück engagierte Erziehungsberechtigte. Bianca wird von der katholischen Privatschule ausgeschlossen, weil die Mutter nicht mehr die Schulgebühren zahlen kann, Bitten von Daisy und Francisco werden von der Schulleitung schlicht ignoriert. Das macht sauer. Der Film weiß, Emotionen zu wecken.

Zur Misere befragt werden Eltern und Schulleiter, aber auch Persönlichkeiten wie Bill Gates, die sich politisch für das Bildungssystem engagieren. Der Film stellt jedoch nur Fragen, er bietet keine Lösungen an. Daran knüpft sich auch eine Kritik am Film.

Kritik an Waiting for Superman: zu einfache Darstellung, die Lösungen vermissen lässt

Davis Guggenheims Dokumentation schafft es nicht, so die Kritiker, die Komplexität der Missstände abzubilden. Anstatt dessen vereinfache er und gebe überwiegend den Lehrern die Schuld. Zwar sind diese auch in der Verantwortung, jedoch nicht nur. Lehrer werden diesen Film deshalb wahrscheinlich weniger mögen. Aus eigener Erfahrung weiß aber jeder, dass es nun einmal Lehrer gibt, die so schlecht sind wie ihr Ruf.

Die Kritik eines amerikanischen Professors lautet, dass der Film die Möglichkeit versäume, die wachgerufenen Emotionen an die Vermittlung von Lösungsansätzen zu koppeln. Wie heißt es aber doch so schön: Ein Autor muss nicht die richtigen Lösungen geben, er muss die richtigen Fragen stellen. Und wenn man den Kommentaren auf rottentomatoes Glauben schenkt, tut Davis Guggenheim das durchaus.

Ein Film kann nicht die Welt verändern, aber Ansichten. Ebenso wenig, wie uns ein Superman retten wird, können wir erwarten, dass uns dieser Film retten wird. Dazu müssen wir selbst handeln. Dass die New York Times jedoch so titelte, zeigt: in Amerika hat dieses bitter nötige Umdenken noch nicht stattgefunden.

Es würde überraschen, wenn deutsche Zuschauer über ihr Land etwas anderes sagen würden. Ein wichtiger Film.

In Amerika erschien der Film am 8. Oktober 2010. Er wird bereits als Anwärter für eine Oscar-Nominierung gehandelt. In Deutschland wird er laut imdb.com am 24. Februar 2011 anlaufen.

Waiting for Superman
Kinostart: 24. Februar 2011
Studio: Paramount Vantage
Regisseur: Davis Guggenheim
Drehbuch: Davis Guggenheim, Billy Kimball

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