Verhandeln mit einem Verrückten

Thränert ist promovierter Politikwissenschaftler und war auch schon für die Friedrich-Ebert-Stiftung aktiv, zurzeit leitet er die „Forschungsgruppe Sicherheitspolitik“ bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). In der Lüneburger Landeszeitung erschien vor kurzem ein Interview mit dem Experten in dem er seine Ansichten zur Beilegung des Atomkonflikts äußert.
 
Würde man Thränert als Taube bezeichnen, würde er sich sicher geehrt fühlen, denn militärische Lösungen lehnt er strikt ab, wenngleich er sehr gut über die derzeitige Lage und den Fortschritt im iranischen Atomprogramm informiert ist: „Dass Gefährliche ist, dass Teheran nicht nur Leichtwasserreaktoren bauen will, wie den in Bushehr, sondern einen vollständigen nuklearen Brennkreislauf anstrebt. Brennelement sollen also nicht dauerhaft importiert, sondern selbst hergestellt werden. Dafür ist die Anreicherung von Uran notwendig, eine klassische dual-use-Technologie, die zivil nutzbar ist, das Land aber auch befähigen würde, die Ausgangsstoffe für die Atombombe herzustellen, nämlich hochangereichertes Uran.“ Weiter räumt Thränert ein, dass die meisten der Staaten, die über entsprechende Technologie verfügen auch Atommächte sind. Ihm ist ebenfalls klar, dass falls der Iran im Besitz der A-Bombe wäre, dies Instabilität für die gesamte Region bedeuten würde, und das der Non-Proliferationsvertrag damit endgültig nicht mehr zu halten wäre. So weit die Gefahrenanalyse des Sicherheitsexperten.
 
Was ist also zu tun? Zunächst stellt Thränert noch einmal klar, dass das iranische Regime nichts zu einer politischen Kompromisslösung beitragen will, sondern sich vielmehr auf einem Konfrontationskurs mit dem Rest der internationalen Staatengemeinschaft befindet. Also was schlägt der SWP-Mann vor, um Ahmadinejad vom atomaren Weg abzubringen? Zunächst sollen dem Regime Reisebeschränkungen auferlegt werden. Dass sich der Irre aus Teheran davon beeindrucken lässt, bezweifelt auch der Interviewer und fragt, ob ein Waffenembargo nicht substanzieller sei. Auf diese Frage antwortet Thränert zögernd und räumt ein, dass ein Waffenembargo die Entscheidungsprozesse der Mullahs beeinflussen kann, wichtig sei bei allen Sanktionen ein langer Atem. Das sich Russland und China einer Sanktion des Weltsicherheitsrates in den Weg stellen, bezweifelt er, denn er ist „optimistisch“. Thränert glaubt auch nicht, dass der Welt die Zeit wegrennt, denn der Iran brauche mindestens noch drei Jahre bis zur Bombe. Daher rät er der Welt, möglichst frühzeitig zu einer friedlichen politisch-kooperativen Lösung zu kommen. Zu früh ist es aber, um über militärische Lösungen zu sprechen, denn der diplomatische Prozess steht seines Erachtens noch am Anfang.
 
Erinnert mich so ein bisschen an Pipi Langstrumpf: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Militärische Schläge auszuschließen ist wie ein Freifahrtschein zur Bombe. Vielleicht könnte der Iran schon in drei Jahren die Bombe besitzen. Traurig genug, dass sich der diplomatische Prozess aber immer noch am Anfang befindet. Die Frage ist warum? Und die beantwortet Thränert höchstpersönlich, in dem er den iranischen Konfrontationskurs klar benennt. Wie er dann dafür plädieren kann, allein auf Diplomatie zu setzen, bleibt mir ein Rätsel.
 
Das ganze Interview findet ihr hier.

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2 Meinungen

  1. Was soll man dazu noch sagen? Erkenntnis ja, Antworten nein. Und Optionen, welche auch immer auszuschliessen, ist beim verhandeln auch nicht gerade clever. Ohne Drohkulisse würde Herr A. wahrscheinlich imer noch schön heimlich an der Bombe basteln – und das er sie haben will steht ja immerhin auch für Herrn Thränert fest.Warum die SWP allerdings die Bundesregierung berät, erschließt sich mir nicht so ganz. Gibts da keine „Experten“ die Lösungen anbieten können?

  2. Wenn man den Krieg schon jetzt ablehnt, kann man später an der Spitze der Friedensbewegungen marschieren, villeicht ist das seiner öffentlichen Reputation förderlich, denn diplomatisch scheint mir dieser Experte eine Null zu sein.

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