Thailändisch-kambodschanische Grenzerfahrung

Da blutet sicher nicht nur mir das Herz. Ein weiterer Teil von Abenteuer, von Ursprünglichkeit wird zerstört. Ich bin froh, dass ich die 147 km lange Strecke noch befahren habe – bevor es nun eine ganz stinknormale Strasse zu werden droht.

Eine wirklich üble Straße
Als wir morgens in Siem Reap losfahren, war uns noch nicht ganz klar, was uns erwarten würde. Klar, die Leute sprachen von „der schlechtesten Straße der Welt“, auf der es auch durchaus mal zu Überfällen kommen kann. Wir steigen also in unseren Mini-Bus ohne Klimaanlage, in den aber die höchstmögliche Anzahl von Reisenden gequetscht wurde. Von dort ging es auf einer recht holprige Straße voran. Blöderweise hatten wir nur zwei Stunden geschlafen und am Abend vorher ziemlich viel getrunken. Sehr schlau. Dass mir im Bus auch immer schlecht wird, hab ich auch verdrängt. Über Stock und Stein geht es, Schlagloch nach Schlagloch, Brücken fehlen, Fluß-Übergänge mußten noch aus Brettern hergerichtet werden. Auch die Lautstärke war ziemlich nervig, der Bus klapperte, die Reifen quietschten. Drinnen war es heiß und eng, unsere Rucksäcke lagen im Mini-Gang, Leute saßen drauf, und unter unserem Gepäck waren dubiose Säcke, die kurz vor der Grenze aus dem Fenster geladen wurden, und auch einige Asiaten verschwanden kurz vor dem Grenzübergang durch die Fenster.

Lunchbreak bei frittierten Spinnen
Als wir endlich anhielten zur Pause, nach etwa drei Stunden, in denen wir wohl so um die 20 km zurückgelegt haben, gibt es ein Lunch-Angebot der ganz besonderen Art: Vor dem Bus stehen Kinder und Frauen, die übergroße Teller mit frittierten Riesen-Spinnen bereit halten. Unmengen an schwarzen, haarigen Tieren stapeln sich, und die Kambodschaner stürzen sich auf die vermeintlichen Leckerbissen. Auch einige Ausländer lassen sich von dem eigenartigen Snack nicht abschrecken, allen voran mein Begleiter. „Probier doch ma, wenigstens ein Bein“, ruft mir Mike zu. Ich wußte nicht, ob mir schlecht von der holprigen Busfahrt war oder vom Kater oder vom Anblick der gegrillten Achtbeiner. Mike aber knackt genüßlich die Beine der Spinne ab. „Schmeckt wie Salzstangen. Oder nach Sojasauce“. Doch als es zum Leib der Spinne geht, hält auch er inne. Irgendwann schluckt er auch diesen Teil. „Und“, frage ich angewidert. „Tastes like chicken“, lacht Mike. Denn alles Exotische schmeckt nach Hühnchen.

Ein weiteres Stück Asien geht
Weiter geht es, unsere Sachen wurden seltsamer Weise umgestapelt und weitere merkwürdige Fracht verstaut. Vorbei an ärmlichen Hütten, kuriosen Tankstellen und Reisfeldern fahren wir. Eine wirklich tolle Erfahrung, total anstrengend – aber einfach interessant.  Wenn ich mir vorstelle, dass bald nur noch klimatisierte Reisebusse nach Angkor Wat verkehren, dann bin ich einfach froh, dass ich noch rechtzeitig ein Stück ursprüngliches Asien erlebt habe. Und das Gefühl hatte, mir meine Ankunft in Bangkok nach 13 Stunden Höllenfahrt so richtig verdient zu haben!


Foto: pixelquelle

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