Sonntags im Karoviertel…

"Hey, Sie da! Wir kennen uns!"

"Ja?’"

Sonntag, 29.September, mein Rad steht vor dem Cafe Lecker Schmeck, heute noch geschlossen. Über die Marktstraße verteilen sich die Überreste der letzten Nacht: Kippen, leere Astra-Flaschen, eine zerknautschte Zigaretten-Schachtel, ein brauner, durchgeregneter Pullover.

"Ja!"

Beherzt wechsele ich die Straßenseite.

Breitbeinig, voller Tatendrang, hat er sich aufgebaut. Die forsche Anmache ist ihm kein bisschen peinlich. Schulterlange, blonde Haare, combat-Hose, Holzfällerhemd, ein grünes Paysley Tuch lässig über die Stirn geschoben.

"Na?"

Ich gebe mich so cool, wie es ungeschminckt, den Fahrradkorb in der Linken, Tasche in der Rechten am Sonntag morgen eben geht.

Er blickt auf meine Stiefel, mustert das Leder und schiebt sein Biker-Tuch lässig ins Gesicht. Nein, die Boots sind nicht von Sanchos oder Hundertmark.

"Du bist bei Birte in der Gruppe."

"Nein. Aber ich kenne Peter."

Himmelblau blitzen seine Augen durch die großen Schlitze.

"Ach so!"

Die Fronten sind geklärt. Als Zeichen der Friedfertigkeite wischt er das Tuch aus dem Gesicht und senkt seinen Stab. Durch die Löcher, mit zwei schnellen schnitten ins Tuch gebracht, scheint sein blondes Haar.

"Ich wohn nämlich auch hier im Haus!", erklärt der Zwerg und schiebt seine Hand unter das Opernglas, das läsig unter dem braunen, Hüftlangen Umhang baumelt.

"Und wie heißt Du?"

"Emil, – erschreck hier so die Leute!"

Na dann. Der Korb findet seinen Platz auf dem Gepäckträger, das Fahrradschloß öffent sich mit dem vertrauten ‘Click’.

"Ciao!….."

Die Ecke zur Gargeneinfahrt von Hausnummer 102 ist leer. Aus dem Hinterhaus nebenan kommt ein Mann mit dunklem Schnauzer und blauer Anzugjacke.

"Aaatacke!"

So leise wie er verschwand ist Emil wieder an der Ecke, den Stab zum Angriff erhoben. Entschlossen blitzen die Augen durch die Schlitze des Tuches. Der Gemüsehändler zuckt, dreht den Kopf. Doch Emil ist schneller. An der Garagenecke bleibt nur ein kalter Morgenwind, der die Marlboro-Schachtel an seinen Fersen entlang über die Straße zum YOKO MONO fegt.

4 Meinungen

  1. Sehr skurril, ich kanns mir so richtig schön vorstellen…

  2. Liest sich wunderbar..:-))Mehr davon…!Lieben Gruß,Nicole aus Hamburg

  3. MEHR DAVON!!
    unbedingt 🙂
    Gruß aus Hamburg

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