Sind Blogger Journalisten?

Als ich 2003 mein erstes Weblog startete, hielt ich das Thema damals schon für überlebt. Ich gebe zu: Ich lag total daneben. Der Hype um Weblogs in den Medien kam erst später. Und wenn ich das mal so sagen darf: Nach dem Hype werden dann die Geschäfte gemacht.

Während des Hypes probieren alle wild drauflos. Die meisten werden enttäuscht. Das Gute: Sind die Frustrierten weg, haben die Motivierten mehr Platz. Und wenn mich diesmal nicht wieder alles täuscht, könnte dieser Zeitpunkt bei Weblogs bald erreicht sein.

Alte und mittelalte Medien stänkern derweil gegen die Blogs. So wie die Netzeitung, die in ihrem Artikel „Blogger kreisen um sich selbst“ einmal ein paar Pauschalurteile über Blogs verbreitet, unterstützt von einigen Zahlen.

Statistik ist dabei ja jene Wissenschaft, aus der man aus den gleichen Ergebnissen gegensätzliche Schlussfolgerungen ziehen kann. Sehr praktisch.

Weblogs können demnach nicht die Tageszeitung von morgen werden. Und warum nicht? Weil Blogger am liebsten über sich selbst schreiben und nicht wie Journalisten arbeiten. Nur ein Drittel der befragten Blogger prüft demnach die Inhalte vor Veröffentlichung und nennt Quellen. 40 Prozent geben nie andere Quellen an. Aber das ist aus dem „professionellen“ Journalismus bestens bekannt: Meldung lesen, umschreiben, als eigene verkaufen. Das ist keine Spezialität von Bloggern. Und welche Redaktion hat heute noch ernsthaft Zeit, Inhalte zu prüfen? Meldungen von Agenturen wie dpa oder ddp werden in vielen Fällen ungeprüft übernommen. Der Alltag ließe auch gar nichts anderes zu.

Hier urteilen also mal wieder Journalisten von einem hohen Ross, von dem sie längst selbst herabgestiegen sind. Aber lassen wir sie ruhig in ihren Überzeugungen. Denn das gibt uns neue Chancen mitten in unserem digital life.

Denn: Wie Weblogs heute genutzt werden, sagt überhaupt nichts darüber aus, wie man sie nutzen könnte. Jeder Journalist, Autor oder Experte kann heute via Weblog und anderen Technologien so leicht wie nie seine Informationen verbreiten. Und nichts spricht dagegen, das mit journalistischen Mitteln zu tun. Weblogs bieten alle Möglichkeiten, Inhalte unkompliziert und schnell zu veröffentlichen, mit den Lesern ins Gespräch zu kommen und sich mit anderen Blogs zu vernetzen.

Versuchen Sie das mal mit einer Tageszeitung…

Die großen Verlage verschlafen das Thema weitgehend. Das Internet ist entweder ein Anhängsel oder wird als ein neues, exotisches Medium begriffen, in dem alles anders ist. In Wirklichkeit muss man sich nur mit einigen Wirkungsweisen und Besonderheiten des Internets auskennen. Das Publikum an sich hat dieselben Bedürfnisse wie bei einem beliebigen anderen Medium.

Blogger wie Du und ich können da mit ein bisschen Überlegung, einer guten Idee, viel Engagement und ein wenig Glück das große Los ziehen. Der finanzielle Aufwand ist minimal, der technische überschaubar. Man muss wissen, wie’s geht, dann geht’s.

Theoretisch…

Und natürlich sind Blogger auch Journalisten. Ebenso gibt es gute und schlechte Blogger, talentierte und untalentierte, interessante und langweilige. Ebenso gibt es gut und aufwändig gemachte Blogs und hingeschluderte Blogs. Es ist einfach nur ein Medium, eine Art, Inhalte zu verbreiten.

Was man daraus macht, bleibt dem Autor überlassen.

Interessant wäre eine solche Untersuchung, wie die in der Netzeitung zitierte, würde man sie einer entsprechenden Betrachtung der übrigen Medien gegenüberstellen. Nur da diese Untersuchung hier alle Blogs über einen Kamm schert, müsste man dafür natürlich beispielsweise auch alle gedruckten Medien über einen Kamm scheren: Tageszeitung, Hochzeitszeitung, Schülerzeitung – alles gleich.

Was da wohl rauskäme…?

Wie Alexander Greisle in seinem Work-Innovation-Blog schreibt, müssen Blogs gar nicht so glaubwürdig sein wie die klassischen Massenmedien. Im Gegenteil, das wäre der Tod der Weblogs. Hier geht es zum Artikel.

P.S.: Übrigens sinkt die Gesamtauflage der Tageszeitungen in Deutschland seit 1993 kontinuierlich (siehe diese Meldung). Welcher Blogger möchte das schon zum Vorbild nehmen…

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3 Meinungen

  1. Ich denke nicht, dass sich Weblog, Infotainment, Subjektivität und Glaubwürdigkeit widersprechen. Sonst wäre ja jeder Blogger ein nichtssagender Lügner. Ich glaube vielmehr, dass Blogger, die ihre subjektiven Darlegungen nachvollziehbar belegen, eine gute Chance haben, am Markt zu bestehen.

  2. Zitat: „Nur da diese Untersuchung hier alle Blogs über einen Kamm schert, müsste man dafür natürlich beispielsweise auch alle gedruckten Medien über einen Kamm scheren: Tageszeitung, Hochzeitszeitung, Schülerzeitung – alles gleich.“ Dem kann ich dann nur Zustimmen. Der Begriff „Blog“ ist die Bezeichnung für eine Technik der Texterstellung/ -veröffentlichung, er sagt nun wirklich nichts über die Inhalte aus.Interessanter ist die Tatsache, dass die aktive Nutzung des I-Net kontinuierlich wächst. Ich persönlich erinnere mich an die ersten Mailinglisten, dann das Discount-Broking mit Consors und Co., Diskussionen in Parsimoney-Foren, Zunahme des Online-Handels über eBay und Webshops, etc. Die Nutzungsmöglichkeiten verbreiten sich unaufhaltsam und werden einem immer breiteren Publikum geläufig. Zum Bloggen muss niemand spezielle technische Kenntnisse haben, alles ist nur noch ein „just to do“. Jeder kann alles und jeden kommentieren, Nachrichten machen oder schlicht kopieren. So ist jetzt auch der „Volksmund“ elektronisch geworden….Ich selbst blogge gerade mal seit Januar, dass meine oft eigentümlichen Produkte nicht im virtuellen Nichts verschwinden , musste ich feststellen als ich ein fiktives Interview mit einem US-Militär in meinem Blog veröffentlichte. US-Stabschefs fühlen sich in historischer Verantwortung. Hohe US Militärs wollen einen Militärputsch nicht mehr ausschließen (Das Werk war „Vorsätzlich nicht als Satire gekennzeichnet). Ich fand den Text schließlich bei Wallstreet-Online und im „Muslimmarkt“ wieder. Einige Leute nahmen den Inhalt offensichtlich ernst…..Ich bin jetzt vorsichtiger, aber News-Faking ist schon eine verlockende Sache, soviel zu meinem ganz persönlichen journalistischen Anspruch, bloß „Enten“ sind keine Erfindung der elektronischen Medien und der „Kommentar“ ist dem Leserbriefstadium entwachsen.

  3. Hallo Frank, zwischen den beiden Extremen „glaubwürdig“ und „Lügner“ ist sehr viel Platz. Ich kenne eine ganze Reihe von Bloggern, die auf ihrem Gebiet Experten sind. Sie hätten sehr viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Die bekommen sie aber nicht, weil ihr einzelnes Weblog nicht gegen Medien wie Spiegel Online oder gar das Angebot am Kiosk bestehen kann und weil sie nicht wissen, wie man eine Publikation erfolgreich an den Mann oder die Frau bringt.Und der chefarztfrau möchte ich mal einfach nur zustimmen. Die technischen und finanziellen Hürden, um ein journalistisches Produkt im Internet zu starten, sind denkbar gering. Mit ein bisschen Ahnung von Layout und den Mechanismen des Internet kann ich als Einzelperson eine Seite aus dem Boden stampfen, die wie ein großes Newsmagazin aussieht. Aber die Frage der Glaubwürdigkeit stellt sich mir auch immer wieder bei „klassischen“ Medien und bekannten Namen.

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