Rumäniens Lustiger Friedhof

Von Hektik keine Spur. Ein leichter Wind streicht durch die Bäume an der
wenig befahrenen Straße nach Sapanta. Ein Mann mit Sense über der Schulter und
Proviantrucksack treibt seine Schafe über die Hügel. Das Leben der hier
ansässigen Menschen ähnelt dem von vor hundert Jahren. Die alten Bauernhäuser
aus Holz sind mit vielen kunstvoll gefertigten Schnitzereien verziert. In der
Region Maramures siedelten sich einst vor allem Zimmerleute und
Meister der Holzschnitzerei
an. Die reichlich geschnitzten Hoftore und typischen Holzkirchen mit ihren
spitzen Türmen fallen sofort ins Auge. Die acht Holzkirchen von Barsana,
Budesti, Desesti, Ieud, Plopis, Poienile Izei, Rogoz und Surdesti wurden sogar als
Weltkulturerbe unter den Schutz der UNESCO gestellt.

Bekannt wurde das Dorf Sapanta wurde durch seinen „Lustigen
Friedhof“ (Cimitirul Vesel). Den Namen trägt die Begräbnisstätte
aufgrund
ihrer besonderen Grabmale. Auf den leuchtend blauen Kreuzen werden das
Leben
und die Todesumstände des Verstorbenen in humoristischen Versen
nacherzählt. Es
geht um Arbeit und Freizeit, Verhalten und Verhältnisse, Schönheiten
und
Tunichtguts.

Ungefähr 700 hohe Holzkreuze stehen um die orthodoxe Kirche. Auch der Schöpfer
der Kreuze, Ioan Stan Patras, liegt hier begraben. Auf seinem Kreuz steht:
„Ach, meine arme Welt. Ich habe hier schwer gelebt. Seit dem 14. Lebensjahr
musste ich Geld verdienen. Aus 62 Ländern haben sie mich gestern besucht, aber
wer jetzt noch kommt, der wird mich nicht mehr finden.“ Sein Lehrling Dumitru
Pop hat seinen Platz nach seinem Tod 1977 als Kreuzschnitzer übernommen. Auch
ans Ausland hat Pop bereits Kreuze auf Bestellung geliefert, beispielsweise in
die USA oder nach Moldawien.

Jährlich zieht der Friedhof 30.000 Besucher aus dem In- und
Ausland an. Da der Tourismus in Rumänien als unterentwickelt gilt, ist diese
Attraktion von großer nationaler Bedeutung. Das beliebte,
aber etwas makabere, Touristenziel soll daher saniert werden, damit auch
weiterhin Urlauber in Scharen nach Sapânta kommen. Die
Regierung in Bukarest beschloss die Restaurierung der Kreuze aus Eichenholz für
rund 86.000 Euro. Außerdem solle der Friedhof Sitzbänke, Mülleimer und Lampen
bekommen.

Informationen über Sapanta und Bilder vom Friedhof

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