Onkel Felix` Danke, Bayern!

Kein lieber Onkel

Felix Magath will seine Art, mit Spielern umzugehen, auch nach der Trennung vom FC Bayern München nicht ändern. "Ich werde auch in Zukunft nicht der liebe Onkel für die Spieler sein. Dann soll mich ein Verein nicht holen, wenn er das nicht akzeptiert." Wenn sie einen solchen Trainer bräuchten, sollten sie "einen lieben Onkel" holen. "Es gibt genügend Trainer, die so sind", sagte Magath dem Magazin "Stern".

Er sei nach wie vor der Überzeugung, dass Profi-Fußballer zu Höchstleistungen getrieben werden müssten: "Wenn die Spieler sagen, der Trainer ist der Beste, der Trainer ist der Tollste, es ist alles super – dann habe ich was verkehrt gemacht. Im Profi-Fußball wird von einem Trainer verlangt, dass er aus den Spielern das Maximale herausholt, das macht aber kein Spieler freiwillig. Kein Mensch bringt freiwillig Höchstleistungen, selbst ich bringe keine Höchstleistung freiwillig."

Danke für das schnelle Ende

Doch mit seiner Trennung vom FC Bayern geht der Mann, der in zweieinhalb Jahren vier Titel bei den Münchnern gewann, sehr gefasst und professionell um. "Ich habe mit der Entscheidung der Bayern ja kein Problem. Ich weiß doch, dass im Fußball irgendwann Situationen entstehen, wo es zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr funktioniert. Das war ja in der letzten Woche in Gladbach und beim HSV genau so. Und ich verstehe auch, dass eine Klubführung, bevor sie sich an die Spieler wagt, sich erst mal mit dem Trainer beschäftigt. Ich bin dem FC Bayern dankbar, dass er schnell gehandelt und mir eine längere Leidenszeit erspart hat."

Als das Genörgel begann

Zwar sei auch für ihn der Zeitpunkt der Entscheidung überraschend gewesen, aber nicht "dass sie kommen würde". Magath: "Seit letztem Frühjahr spürte ich, dass etwas nicht stimmt. Damals hatten wir wieder praktisch zwei Titel in der Tasche, und die Stimmung war trotzdem schlecht. Ich habe mich oft gefragt: Wie kann das sein? Wir hatten die erfolgreichste Hinrunde in der Bayern-Geschichte gespielt. Aber nach dem Aus in der Champions League gegen den AC Mailand ging das Genörgel los, gerade um meine Arbeit, auch in der Öffentlichkeit: Wie ich trainiere, wie Barcelona trainiert (…) – das war nicht nachvollziehbar."

Deshalb wollte Magath von sich aus im vergangenen Sommer den Klub verlassen.  "Ich hatte gerade das Double wiederholt, was noch keinem Trainer zuvor gelungen war. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass meine Arbeit nicht richtig geschätzt wird. Ich hörte aus dem Verein und dem Umfeld Stimmen, die sagten, der Magath steht noch immer auf dem Prüfstand – und das nach zwei Jahren und vier Titeln! In diesem Zusammenhang habe ich gesagt: Da ist es doch besser, ich höre jetzt auf, ich gehe. Aber Uli Hoeneß hat das nicht gewollt, er sagte: ,Nein, ich lasse dich nicht weg.'"

Zukunft unklar

Der entlassene Trainer blickt nicht im Groll zurück. Der Erfolg, "den ich in München hatte, gibt mir Gelassenheit und Selbstsicherheit", sagt er. "Ich habe hier einen guten Job gemacht. Ich gehe weg mit einem reinen Gewissen. Ich kann jedem Fan, jedem im Klub in die Augen schauen. Ich weiß, was ich geleistet habe. Ich habe alles versucht, es ist mir nicht alles gelungen, aber ich habe viel erreicht. Ich habe mich loyal zum Verein verhalten, das werde ich auch in Zukunft machen. Ich hatte hier zweieinhalb erfolgreiche Jahre. Ohne den FC Bayern hätte ich wahrscheinlich keinen Titel gewonnen. Ich bin ihm dankbar, dass er mir diese Chance gegeben hat."

 

Pläne für die Zukunft hat Magath, der letzte Woche eine Anfrage des Hamburger SV hatte, diese aber ablehnte, noch nicht. Magath: "Ich weiß nicht, ob ich wirklich ins Ausland will, ob ich überhaupt wieder so schnell arbeiten möchte."

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