Next Stop Iran

Laut Hersh treiben die USA
ihre Pläne für einen Krieg (bzw. Militärschlag) gegen den Iran mit Hochdruck
voran. So sind Undercover Teams direkt vor Ort, um Ziele zu markieren bzw. auszuwählen.
Zusätzlich sollen sie ethnische Minderheiten zum Kampf gegen das Regime in
Teheran überreden – mit Geld.
 
Ziel eines Angriffs wäre vordergründig
die Zerstörung bzw. Verlangsamung des iranischen Atomprogramms, dass, darin
sind sich alle Experten einig, auch militärischen Zwecken dient. Langfristig
geht es jedoch um einen Regimewechsel im Iran – und dies wäre dann das eigentliche
Ziel eines Kapfeinsatzes. Denn das Regime in Teheran und das Atomprogramm
bilden einen gordischen Knoten, der schwerlich durchschlagen werden kann.
 
So lange das Regime der Hardliner
anhält, so das Kalkül der US Regierung, wird auch das Atomprogramm vorangetrieben.
Deswegen muss das Regime der Mullahs beseitigt werden, um dem Nuklearprogramm
Herr zu werden – also ist der Regimewechsel die einzig mögliche Lösung. Und das
wiederum bedeutet Krieg. Der Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen wäre
demnach nur der Anlass, die langfristig angelegten Überlegungen der Neocons, eine
Demokratisierung des Nahen Ostens voranzutreiben, weiter zu konkretisieren.
 
Kopfzerbrechen bereitet den
Militärs allerdings die Lage der iranischen Anlagen. Einige sind weit
unter der
Erde angesiedelt und zusätzlich verbunkert. Deswegen wird der Einsatz
von
bunkerbrechenden Kleinstnuklearwaffen, so genannten Mini Nukes, erwogen. Im Oberkommando der US Streitkräfte
gibt es darüber allerdings Unstimmigkeiten – einige hohe Beamte haben bereits
mit Rücktritt gedroht. Der Einsatz solcher Waffen bleibt also nach wie vor
unwahrscheinlich.
 
Der Iran selbst, wird der
Analyse Hershs zu Folge, immer weiter in die Enge getrieben. Einerseits
drohen die USA mit einem Regimewechsel, d.h. das Nuklearprogramm wäre die einzige
Lebensversicherung für die Machthaber (siehe Nordkorea). Andererseits erhöht
gerade dies die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs – ein Teufelskreis. Und
selbst wenn die Teheraner Führung sich entschließen sollte, das Nuklearprogramm
aufzugeben, ihre Glaubwürdigkeit ist so stark erschüttert, dass ihnen schlicht
niemand glauben würde.
 
Über die Folgen eines
Angriffs machen sich die USA, anders als im Falle des Irak, diesmal
auch keine
Illusionen. Die Erwartungen reichen von einem Flächenbrand in der
gesamten Region,
über ein Erstarken des Terrors, bis hin zur Blockade der Öllieferungen in der Straße von Hormus. Beunruhigende Aussichten.
 
Doch wie wahrscheinlich ist
all dies? Sehr wahrscheinlich. Glaubt man Hersh, so gut wie sicher. Einflussreiche
Mitglieder des Kongress wurden bereits über die Planungen informiert und haben ihre
Zustimmung signalisiert. Protest gegen einen Angriff auf das Mullahregime ist
nicht zu hören, ganz im Gegenteil. Diejenigen die einen Angriff befürworten
sind in der Mehrheit.
 
Und Bush? Der sieht in Irans
Präsident Ahmadinejad einen neuen Hitler, der Israel mit Vernichtung bedroht. Er
glaubt nicht, dass Iran vom Bau der Bombe mit friedlichen Mitteln abzuhalten ist.
Außerdem ist er in seiner zweiten und damit letzten Amtszeit. Er hat also
nichts zu verlieren.
 
Fazit: Der Krieg gegen den
Iran wird kommen. Die Frage ist nur wann und wie.  
 
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4 Meinungen

  1. Jo, sehe ich genauso. Ich bin mir im Moment nur nicht sicher, ob ich für einen Krieg oder dagegen bin. Auf alle Fälle bin ich dafür, die Nuklear- und Produktionsanlagen von Waffen im Iran zu zerstören, und zwar alle. Ich denke jedoch auch, dass ein halber Krieg wenig Sinn macht. Aber welche Position wird Russland beziehen? Wird es eine UN-Unterstützung geben oder wieder nur einen Alleingang Washingtons? Oder ist sogar Israel schneller und wird sich der Bedrohung mit einem Präventivschlag entledigen? Was ist mit den komischen unsichtbaren Raketen, die der Iran z.Z. testet? Propaganda oder eine Gefahr im Falle eines Waffenganges? Welches Waffen-Potenzial hat der Iran? Welche Ressourcen? Welchen Waffenstatus? Wie ist die Kampfmoral der Truppe einzuschätzen? Hm, keine Ahnung. Jedoch, wenn die USA mit Waffengewalt gegen den Iran vorgehen, dann wird der Widerstand gegen die westliche Kultur stärker. Welches ist das kleinere Übel? Iran oder vielleicht neue Feinde?Auf der anderen Seite, wer sagt eigentlich, immer USA? Der Iran hat verkündet, dass er Israel auslöschen wird, sobald er das kann. Das heisst, dass ob der Westen will oder nicht. Es wird in der Region Krieg geben. Und die Frage ist nicht nur wann, sondern auch zwischen wem?

  2. Russland? Glaub kaum dass die USA Putin fragen werden was er davon hält (siehe Irak).Israel schafft das alleine wohl nicht, weil es dem Hersh Bericht zu Folge über 400 Ziele sind die angegriffen werden müßten.Irans Wunderwaffen halte ich für Erfindungen der Propaganda. Die USA sind doch waffentechnisch ALLEN anderen Staaten um Lichtjahre voraus. Deswegen würden sie die Iraner auch militärisch schlagen, egal wie die Moral da ist oder was für Waffen die haben – meine Meinung.Die kulturelle Seite ist in der Tat schwer abzuschätzen. Aber warum sollte man warten bis die Mullahs Israel angreifen, was sie ja gebetsmühlenartig runterbeten? Dann lieber klaren Tisch machen bevor Herr A. aus T. irgendwelchen Schaden anderswo anrichten kann.

  3. Nur, im Kampf Mann gegen Mann oder im Guerilla-Krieg nützt die beste Waffen-Technik nichts, siehe Irak. Nicht schön, aber es ist (noch) so.

  4. Deswegen versuchen die USA ja auch ethnische Minderheiten gegen das Regime in Stellung zu bringen.Dennoch sollte die Überlegenheit der USA ausreichen, das iranische Nuklearprogramm auszuschalten. Ein “regime change” stellt sich ja in der Realität oft schwieriger dar als in der Theorie.

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