Nachts auf den Straßen

Also, mir tun die Leute, die den ganzen Tag schutzlos auf der Straße stehen und besagte Flyer verteilen, wirklich leid. Und daher stecke ich schon aus Solidarität eigentlich immer einen ein.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich selber manchmal Flyer verteilen muss?

Auf der Oranienburgerstraße, auch noch abends?

Berliner wissen was das heißt.

Also stehe ich so da und ergebe mit den anderen Gestalten einen großen bunten Haufen aus Touristen, Besoffenen und vor allem Prostituierten.

Diese stehen links und rechts von mir und heizen der überfüllten Straße ordentlich ein, Touristen die in den Autos vorbei fahren, schießen Fotos von den beliebten Schauobjekten, und das bunte Treiben zwischen all den orientalischen Gerüchen (Es gibt mindestens 40 Araber in der Straße) lässt auf einen erotischen Einfluss schließen.

Ich verfluche mich in diesen Momenten, dass ich nicht genug Geld habe und diesen Job machen muss, und dass die Leute so unfreundlich sind.

Ich spule meinen Text runter und merke, wie die Leute in ihren Gehirnen anfangen zu denken, ob ich vielleicht Flyer für ein Bordell verteile.

Ich sehe in ihre grinsenden Gesichter und will nur noch Stop! schreien.

Jetzt kommt eine Gruppe Jugendlicher vorbei die mir im Vorbeigehen einen Spruch drücken, der mich veranlasst, sofort die Straße zu verlassen.

Ich frage mich, wie die Prostituierten das machen.

Sie müssen ein ultra dickes Fell haben.

Und immer, wenn ich dann nachts nach der Arbeit die Oranienburger nachhause gehe, ist sie leer, die Prostituierten haben Feierabend, und die Touristen liegen in ihren Bettchen. Dann schaue ich auf den Asphalt und sehe die vielen Flyer im Dreck liegen, auch meine.

Dann denke ich immer, der Tag ist geschafft.

Und sage der Straße gute Nacht.

No votes yet.
Please wait...

Schreiben Sie Ihre Meinung

Ihre Email-Adresse wird Mehrere Felder wurden markiert *

*