Motivationstraining: Sinnvolle Taktik zur Stärkung des Teams?

Motiviert zu sein, ein positives Lebensgefühl, das durch die Adern pulsiert, Lust und Kraft zu haben, das wünscht sich jeder. Daran ist nichts verkehrt. Zum Leben gehört aber auch, negative Gefühle wie Wut, Angst und Verzweiflung zuzulassen. Sie sind wichtige Warnsignale, die man nicht ignorieren darf. Zwangsverhängtes positives Denken ist gefährlich.

Motivation ist gut

Motivation ist so viel wie auf Handeln gerichtetes Interesse. Man widmet sich einer bestimmten Sache und möchte mit oder in ihr mehr erreichen. Auf Handeln gerichtete Wünsche soll man haben, sie geben uns ein Ziel. Coaches wollen uns mit Autosuggestion, neurolinguistischer Programmierung und Selbstdisziplin dabei helfen, unseren Zielen näherzukommen.

Motivation hat aber ihre Grenzen, und so auch ein jedes Motivationstraining. Nicht wenige vergessen dies, berauscht von den großen Reden der Motivationstrainer, und kündigen voreilig ihre Stelle, wollen von den Bedenken ihrer Mitmenschen nichts hören. Ein Motivationstraining muss realistisch vermitteln, in welchen individuellen Grenzen sich die Möglichkeiten des eigenen Handelns bewegen. Niemand kann alles, wenn er es auch noch so kräftig wünscht.

Sinnvolle Ansätze für Motivationstraining

Die Belegschaft zu spirituellen Massenveranstaltungen anzumelden, auf denen Glückspropheten in wenigen Stunden 13 goldene Erfolgsregeln verbreiten, hat einen geringen Effekt auf das Berufsumfeld, wenn innervertriebliche Strukturprobleme die Arbeitsleistung einschränken. Häufig sinkt die Arbeitsleistung nicht aufgrund gering motivierter oder wenig motivierbarer Mitarbeiter, sondern durch Organisationsstrukturen, welche die Motivation senken.

Dieselben Menschen, die privat Vereine leiten und sich sozial engagieren können, zählen am Arbeitsplatz nur die Stunden bis Feierabend. Sinkende Motivation hat Ursachen. Sinnvoller ist es, dort anzusetzen. Denn was das Motivationstraining lehrt, kann innerhalb der Unternehmensstrukturen selbst dann nicht umgesetzt werden, wenn die Inhalte an sich gut sind.

Motivationstrainings, die für Manager angeboten werden, können nützlicher sein. Wenn motivationale Defizite auf die Unternehmensführung und -organisation zurückzuführen sind, dann muss auch dort angesetzt werden. Zur Behebung struktureller Schwächen sind wahrscheinlich eher andere Angebote einzuholen, zum Beispiel von Unternehmensberatern.

Wem ist das Training zu empfehlen?

Menschen mit Verantwortung und Entscheidungsgewalt oder Selbständige und Existenzgründer könnten Motivationstrainings interessieren. Effizienter als eine einmalige Motivationsspritze ist für Arbeitnehmer nämlich, Motivation regelmäßig im Berufsalltag zu erfahren, zum Beispiel durch klare Abmachungen mit Vorgesetzten oder durch eine freundliche Behandlung. Vorgesetzte müssen dies verinnerlichen.

Für die Starthilfe bei der Existenzgründung können Selbständige von allen Seiten Hilfe gebrauchen. Es ist nicht von der Hand zu weisen: der ärgste Feind des eigenen Erfolgs ist oft man selbst. Mentaltraining und autosuggestive Techniken können dabei helfen, zu mehr Selbstsicherheit und einer positiven Grundhaltung zu gelangen.

Trainings dürfen aber keine falschen Vorstellungen über die eigenen Möglichkeiten vermitteln. Vor ikarischen Hochflügen müssen sich vor allem Existenzgründer in Acht nehmen, die keine Rücklagen oder soziale Absicherungen haben. Der größte Erfolgsguru Deutschlands, Jürgen Höller, hat dies am eigenen Leib erfahren müssen, und der hatte zu seinen besten Zeiten millionenschwere Rücklagen.

Mentaltraining ist von einem Training zur Motivationssteigerung nicht eindeutig zu trennen, oft ist es ein Teil davon. Im Mentaltraining sollen innere Überzeugungen gestärkt oder unerwünschte, automatisierte Verhaltensweisen reduziert werden, indem man sie sich bewusst macht.

Motivations- und Mentaltrainer können einen teuer zu stehen kommen. Es fängt an bei Büchern und Hör-CDs von fraglichem Erfolg und geht weiter über teure Seminare, die zwischen 500 und 1.000 € oder mehr kosten können. Vor allem Selbständige müssen sich fragen, ob Motivationstrainings mehr als die anfängliche Euphorie wert sind, aus welcher nach Ansicht mancher Kritiker eine regelmäßig zu stillende Besessenheit nach mehr Coachings und Massenevents von fraglichem Erfolg werden kann. Für viele von ihnen wird sich eher die Frage stellen: wo bekommt man eine seriöse Existenzgründerberatung?

Weiterführende Links:

http://www.blueprints.de/anregungen/beruf/motivationstraining.html

http://www.zeit.de/2001/25/200125_glueckspropheten.xml?page=all

http://www.metamental.de/mentaltraining.html

Eine Meinung

  1. Sehr guter Artikel!Ich finde gerade in Sachen Mitarbeitermotivation helfen nur die langfristigen Veränderung innerhalb des Unternehmens/ der Unternehmensstruktur.2 tägige Motivationsseminare sind zwar besser als nichts, jedoch für eine langfristig anhaltene Motivation nur bedingt hilfreich. Es gilt vielmehr immer wieder neue Herauforderungen zu finden, gerade bei seiner Abreit, sich dieser bewusst zu werden und mit voller Motivation an die Sache heran zu gehen. Der Job sollte also an Interesse wecken und immer wieder neu herausfordern. Da kommt dann die innere, echte Motivation wie von selbst!Viele Grüße

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