Mit dem Ford Scorpio Ghia um den Starnberger See

Ja, das üppige Platzangebot vorne wie hinten und ordentliche Materialien punkten im Ford Scorpio Ghia von 1985 direkt. Komfort dominierte den Ford Scorpio Test, doch auch der V6 blieb in guter Erinnerung.

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Vor dem Ford Scorpio Test rasch in den Motorraum lugen. Wo ist denn der Entriegelungshebel, wenn nicht im Fußraum? Unter der längen- und höhenjustierbaren Lenksäule, aha. Wir erblicken das Topaggregat, den 2,8 Litern große Ford V6 der Cologne Reihe mit Typ Bosch L-Jetronic Einspritzung. Der Scorpio 2.8i startet unverzüglich, los geht’s. Die optionale Vierstufen-Automatik agiert eher unwirsch, das lautstarke Hochdrehen des generell laufruhigen V6 bei festem Tritt passt besser zum flotten Sierra XR4i als zum gediegenen Scorpio Ghia. Mit zarten Gasbefehlen kam dann auch die Gelassenheit, das zielfreie Gleiten über kurvige Voralpenstraßen brachte Vormittag aufs angenehmste herum. Nach Ortsausgang beschleunigt der 1.350 kg schwere Kölner indes stramm und leise auf Landstraßentempo. Mit 110 kW/150 PS und 219 Nm braust die Schrägheck-Limousine in 11,7 Sekunden von 0 auf 100 und weiter auf 205 km/h. Mangels Autobahn prüfen wir die Höchstgeschwindigkeit vom Ford Scorpio V6 jedoch nicht nach.

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Der Ford Oldtimer zeigt sich von der gemütlichen Seite

Das Fahrwerk vom Scorpio Ghia begeistert regelrecht – wohl äußerst weich und bequem, aber immer genügend straff und nicht schwammig. Dank Mäßigung hinterm Steuer, aber primär der vorderen Querlenker- und der hinteren Schräglenker-Aufhängung muss der Ford Oldtimer Kurven nicht fürchten, auch wenn er sie mit teils beachtlicher Seitenneigung nahm. Die beim V6 serienmäßiger Servounterstützung machte die Zahnstangenlenkung so leichtgängig wie gefühllos, was auch für die Arbeit der vier Scheibenbremsen gilt: Kommando fehlerfrei umgesetzt, doch null Rückmeldung. Was wir im Ford Scorpio Ghia gern melden, sind das maßvolle Holzdekor und das flauschige Velours. Die Bürgerlichkeit wird ein wenig von den Gummiballpumpen zwecks Verstellung der Lordosenstütze karikiert. Erheblich modernern nehmen sich der Bordcomputer, die Digitalanzeige überm Rückspiegel sowie das Kassetten-Radio mit Graphic Equalizer aus, das gleich zwei DIN-Schächte füllt. Die weichen und kommoden Sitze vom Ford Oldtimer passen zum Fahrwerk, der Seitenhalt langt allemal.

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In voller Pracht lernen wie den Scorpio Ghia nicht kennen

Regnerisches Novemberwetter und Straßenschmutz erschweren den Ford Scorpio Test, da sorgen die Intervall-Scheibenwischer und die Heckscheiben-Wischwaschanlage für Freude. Die Annehmlichkeiten des Scorpio Ghia lassen sich in der widrigen Witterung kaum nutzen: zu warm für die elektrisch heizbaren Außenspiegel und Frontscheibe, zu nass zum Druck auf die vier elektrischen Fensterheber oder zum Öffnen des Glasdaches, zu hell fürs Fußraum-Licht, die Karten-Lampe oder den beleuchteten Make-up-Spiegel, zu kalt zum Aufdrehen der Klimaanlage. Was soll’s, die Zeit für den Ford Test ist gut angelegt. Solchen Genuss liefert allein ein üppig dimensionierter Upperclass-Hecktriebler der 80er Jahre. Nur bei forcierter Gangart annähernd dynamisch, sonst velourig-weich und zurückhaltend, die Insassen verwöhnend. Das Schönste zuletzt: Dieser Ford Oldtimer ist noch günstig zu haben.

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Bilder: ©Arild Eichbaum

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