?Mission: Impossible 3?: Die A-TOM-isierung der Welt

Wenn Tom Cruise gesagt bekommt, was er tun soll, kann er ja richtig gut sein: Für Stanley Kubrick („Eyes Wide Shut“), für P. T. Anderson („Magnolia“) und vor allem als Killer in Michael Mann in „Collateral“ legte er beeindruckende Performances hin.

Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt

Bei „M:I-3“ nun war Cruise der Boss, er produzierte und wählte auch den Regisseur aus. In diesem Fall war das, nach dem Abgang von David Fincher und kreativen Differenzen mit Joe Carnahan, der mitteljunge J. J. Abrams, Macher der TV-Serien „Lost“ und „Alias“. Letztere hatte Cruise angeblich vor Begeisterung aus dem Sessel getrieben; beim „Mission“-Dreh wird Mr. Tom schon dafür gesorgt haben, dass Abrams schön brav in selbigem sitzenblieb.
Hier ist Cruise alias Mega-Agent und Weltenretter Ethan Hunt das Ein und Alles. Klar, es gibt die sattsam vertrauten High-Tech-Action-Orgien – ja, einige lassen uns wirklich schlucken, etwa die Helikopterjagd zwischen den Windrädern – , aber Cruises konzentrierte, gehetzte oder flackernde Blicke, seine mahlenden Kiefer bleiben nachhaltiger im Gedächtnis als Rom, Schanghai by Night oder die Chesapeake Bay Bridge.
Und bei all dem sieht er immer so furchtbar nach Klassenprimus aus. Bestimmt hat Ethan Hunt immer schön seinen Spinat gegessen und darf deshalb im ganz großen Spielzimmer jetzt alles zerdeppern. Zerdeppern ist ja auch okay, aber Cruises bierernste Beflissenheit und offenkundige Eitelkeit sind schwer zu ertragen.

Anstrengender Alleskönner

Das war bei den beiden Vorgängerfilmen eigentlich nicht anders, doch zumindest im ersten „Mission: Impossible“ (1996) von Brian De Palma gab es auch eine gewisse Raffinesse, es blieb Raum und Zeit für amüsiertes Staunen über imposante Schauplätze und technische Gimmicks. In Teil drei wird alles der Atemlosigkeit geopfert und einem ziemlich anstrengenden Alleskönner von Superagenten.
Lieben kann er diesmal auch: Zwischen Ethan und der schönen ahnungslosen Krankenschwester Julia (Michelle Monaghan) funkt es so heftig, dass sie gar heiraten. Ein schlechter Witz, wie das inszeniert ist, und irgendwie beschleicht einen das Gefühl, Tom will hier nur Werbung machen für die immer noch frische Liebe zum neuen Weibchen (mittlerweile auch Mütterchen) Katie.

Zwei heimliche Stars

Doch der armen Julia geht es ans Leder – das soll wohl die allseits beworbene „Tiefe“ und „Düsternis“ des Films ausmachen – und damit wären wir endlich beim Pfund von „M:I-3“, Philip Seymour Hoffman nämlich, der einen formidablen Schurken gibt, den Waffenhändler Owen Davian, schleimig-unheimlich wie ein Tiefseefisch und dabei kalt wie ein Eisblock. Die viel zu wenigen Szenen mit Mr. Davian und Mr. Hunt lassen sich wunderbar lesen als Duell zwischen dem lässigen Klassedarsteller und dem rackernden Ehrgeizling. Umso popeliger leider das Finale. Hier hätte man sich mal den großen Fight gewünscht, bekommt aber nur eine Prügelei mit einem billigem Abtreten des Bösewichts.
Weiterer heimlicher Star der „Mission“ ist Simon Pegg. Simon Pegg? Sieht entfernt aus wie Stefan Raab, war Co-Autor und Hauptdarsteller der britischen Zombie-Komödie „Shaun of the Dead“ und spielt hier einen von Ethans Erfüllungsgehilfen, Benji. Als unser Superagent mit Knopf im Ohr durch Schanghai flieht, dirigiert ihn der Computer-Nerd per Handy durch die Gässchen. Underdog erklärt millionenschwerem Prahlhans, wo’s langgeht. Ob Cruise diesen Hauch von Ironie bemerkt hat?

2 Meinungen

  1. Ja, habe dank meines Sohnes jetzt auch endlich das Vergnügen gehabt … Auffällig: der Rhythmus des Filmes war unglaublich unausgewogen. Kein auf und ab im Tempo … die Schnitte der Actionsequenzen viel zu schnell, hier war ein Erfassen der Bilder teilweise gar nicht mehr möglich, Tommy, klein und breitarschig, Katie, noch kleiner und knackarschig …alles in allem fand mein Sohn, das „Italien Job“ immer noch der bessere Actionfilm ist. Ich übrigens auch!

  2. weis nicht, bin irgendwie kein freund von der ganzen mi reihe … find das einfach zu übertrieben

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