MAX melkt Flickr-Accounts, Profit geht vor Honorar

Seit einigen Tagen wird bei Flickr und in einigen Blogs heiß über die MAX-„Abzocke“** diskutiert, von Flickr-Mitgliedern Fotos im Kommerzmagazin für lau abzudrucken. thodue hat ein Schreiben von MAX in der flickr-Germany-Gruppe gepostet, in dem das monatliches „Foto- und Lifestyle-Magazin“ darüber informiert, daß es seit „vier Monaten in jeder Ausgabe ein mehrseitiges Flickr-Portfolio mit den besten Fotografien aus Flickr“ abdruckt. Das Foto, das MAX haben will, soll natürlich in Druckqualität „hochaufgelöst in 300 dpi“ zur Verfügung gestellt werden, doch das ist nicht alles, denn weiter heißt es, „zusätzlich würden wir uns freuen, wenn Sie uns ein paar Zeilen über das Bild schreiben würden (wann ist es entstanden, warum und wie und unter welchen Umständen) und uns ein Portrait von Ihnen zuschicken könnten.“

Allerdings bedeuten diese Mühen nicht, daß das Foto auch wirklich in der nächsten Ausgabe erscheint, denn „wie Sie sich vorstellen können, müssen wir mehr Fotos bei den Flickr-Fotografen anfragen als wir in einer Ausgabe drucken können. Sollten Sie … Ihr Bild … in der kommenden Ausgabe nicht finden, heißt das nicht, dass wir es nicht drucken werden. Es kommen ja noch weitere Hefte!“
Das Wichtigste kommt natürlich erst am Schluß: „P.S. Die vielleicht wichtigste Frage zum Schluss: Wir können leider kein Fotohonorar bezahlen. Aber jeder Flickr-Fotograf wird namentlich genannt, bekommt also einen Credit. Und eine MAX-Ausgabe gibt’s natürlich per Post.“
Kann MAX nicht oder will MAX nicht für Arbeit, Leistung und Qualität zahlen?

thodue hat darauf die einzig richtige Antwort geliefert, ein deutliches „Nein, ich möchte nicht ‚Teil der nächsten MAX-Ausgabe‘ werden. […] MAX ist ein kommerzielles Produkt, für das die Leser am Kiosk oder im Abo zahlen müssen und so Einnahmen generiert werden. Fotografen – ganz gleich ob Amateure oder Professionelle aus dem Flickr-Umfeld einbinden zu wollen und mit einem Kurzporträt und einer absolut selbstverständlichen Namensnennung zu „entlohnen“, halte ich für verfehlt und gräbt beispielsweisen Freien Fotografen, die ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihrer Bilder bestreiten müssen, zusätzlich das Wasser ab. Das kann und werde ich in diesem Fall nicht unterstützen. […] Sie bitten also vor dem Hintergrund, dass eine Veröffentlichung nicht gesichert ist, außerdem um „ehrenamtliche“ Arbeit. Ja, wo sind wir denn?“
Die daran anschließende Diskussion ist sehr lesenswert.

Markus Merz hat sich in sankt-georg.info ausführlich des Themas angenommen: „Lifestyle-Magazin goes Gewinn-Maximierung. Aus der Serie „Wie melke ich das Internet“.“ Verwundert fragt sich Sven Scholz, ob MAX kurz vor der Pleite steht. Don Alphonso entdeckt in MAX einen neuen Mitspieler „beim grossen AAL-Spiel, Andere Arbeiten Lassen,… Hallo? Ein gigantischer Medienkonzern mit satten Gewinnen wie Burda will mehrere Seiten Hochglanz kostenlos mit Bildern füllen, die Leute sollen selber was schreiben, für einen Credit?“ Und wie das Ganze schließlich bei MAX aussieht, kann mensch sich z.B. in der Gruppe www.flickr.com/groups/maxmagazine ansehen.

** da der Begriff für einigen Wirbel gesorgt hat, möchte ich ihn hier kurz erklären, denn sein Gebrauch impliziert keineswegs kriminelles Vorgehen, die Leute stimmen freiwillig einer Veröffentlichung zu! Allerdings verdient MAX mit dem Verkauf des Magazins und der Werbung viel Geld, ohne davon etwas den Flickr-Fotografen zu geben. MAX spielt auf das Ego der Flickr-Fotografen an, kitzelt ihren Stolz, so daß sie eventuell von einer kleinen Fotokarriere träumen. In diesem Sinne ist das Wort zu verstehen, sich selbst kostenlos bedienen und vom Gewinn nix abgeben, das muß ja nicht gleich kriminell sein ist aber in meinen Augen unfair und vor allem unnötig, da in meinen Augen ein Honorar problemlos gezahlt werden könnte (aber ich kenne natürlich die Finanzsituation von MAX nicht). In diesem Sinn ist das Wort als nicht-kriminelles gemeint, und ich habe zu keiner Zeit MAX kriminelles Vorgehen unterstellt, denn wenn, dann würde ich es auch so nennen.

Keine Meinungen

  1. Einfach nur richtig arm, was sich Max da leistet. AAL würde ich ausweiten zu AKAL – andere kostenlos arbeiten lassen.

  2. Vorweg: Da auf dieser wundervollen Plattform germanblogs Kommentare nicht mit Links zu der Seite des Autors versehen werden (obwohl die Adresse abgefragt wird) hier meine Seite: sankt-georg.info (Link ist ja nun sogar schon im Artikel-Text)Vorweg II: Hatte ich hier nicht bereits einmal diesen Artikel kommentiert?Wegen des von der MAX Chefredaktion „justiziabel“ gescholtenen – umgangssprachlich durchaus gebräuchlichen – Wortes „abzocken“ würde ich mir mal nicht so viele Sorgen machen.Natürlich gibt es folgende, auch eher negativ besetzte, Synonyme (lt. OpenOffice Thesaurus) für Abzocke: Betrug Manipulation Gaunerei Schwindel Täuschung TricksereiIn meinem Sprachgebrauch bedeutet „abzocken“ etwas trickreich billiger zu kriegen als es sonst üblich ist, etwas für lau abgreifen, Dümmere aufgrund eigener Wissensvorteile für dumm verkaufen und vielleicht auch Rosstäuschrei zu betreiben.Ach, ob so ein kleines, etwas negatives Wörtchen gleich einen großen Krieg mit Justitia hervorruft?

  3. hallo markus,konnte keinen beitrag von dir in der warteschleife entdecken, doch vielleicht meinst du auch dein posting in meinem privatblog (www.bembelkandidat.de)?wie das hier mit der software und der verlinkung zur homepage geht oder auch nicht, das weiß ich leider auch nicht. ist natürlich blöd, wenn der link zu deiner hp nicht funkt, sorry 🙁 der link von deinem namen geht aber :-)das mit dem wort scheint ja nun abgegessen zu sein, da war wohl jemand brastig und fühlte sich wahrscheinlich (zu unrecht) persönlich angegriffen, denn letztlich ging es um das, was du „etwas trickreich billiger zu kriegen“ nennst.

  4. Upps! Danke für den Bericht! War zwar eigentlich klar, dass sowas kommt, ist dennoch unter aller… Klar, die können sich dadurch 1000ende Euros sparen. Früher waren Fotos teuer, heute billige Massenware… Leider.

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