Leichen im Keller

Als ich vor 4 Jahren nach Berlin kam, war ich blutjung, total naiv und völlig ohne Plan. Erstmal eine Wohnung und dann weitersehen, dachte ich mir. Gesagt. getan.

Kurz nach dem Einzug in meine neue WG fing diese Feuer und brannte vollständig aus, womit Berlin mir in dieser Nacht meine gesamte Vergangenheit, all meine kleinen und großen Schätze, auf einen Schlag auslöschte. Später stellte sich heraus, dass mein Hase Jackson, schwarz mit Hängeohren und furchtbar süß, der Brandstifter gewesen war. Auch wenn ich das später immer geleugnet habe, weil er – Ironie des Schicksals – kurz nach dem Brand an einer Rauchvergiftung starb.

Man muss wirklich sagen, dass ich in diesen Tagen beinahe aufgegeben hätte, aufhörte von Berlin zu träumen, und mich von den naiven Vorstellungen meiner Lieblingsgroßstadt endgültig verabschiedete, und von meinen Träumen als Sängerin.

Doch wollte ich wirklich so einfach aufgeben und mich verschlucken lassen, bloß ein Rülps sein, ein kurzes Bäuerchen in der Geschichte Berlins?

Nein.

Es musste ja irgendwie weiter gehen.

Meine Zeit in Berlin war seitdem wie ein Tanz auf dünnem Eis. Ein Schritt vor und zwei zurück. Und ja drauf achten, dass man nicht einbricht.

Ein Paradeis für den… allerdings hat es sich nicht nach Tango angefühlt sondern wie ein langer, schmerzhafter Kampf.

Sich bewusst zu machen, dass ich in meinem Dorf irgendwie ein bisschen King war, und hier nur so etwas wie ein kleiner Stein in einer riesigen Mauer, zugepflastert mit Menschen, die alle dasselbe wollen, das große Ganze zwischen Ruhm und Reichtum.

Gott sei Dank bin ich geblieben und habe mich freigekämpft. Mich freigetanzt.

Und die Leichen, die paar Leichen die wohl jeder von uns in seinem Keller liegen hat, habe ich auch ans Licht geholt und ordentlich begraben.

Das wünsche ich jedem.

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