Leaving Microsoft

Nach einer Weile hatte ich mich optimal eingearbeitet und konnte, wahrscheinlich sehr zur Freude von MS, die unterschiedlichsten Updates, Upgrades und Neuerscheinungen mitgehen. Kurz war ich versucht, statt Word WordPerfect zu nehmen, das muss so um 1994 gewesen sein. Allerdings traute ich damals MS die größere Marktmacht zu und entschied mich dann anders. Irgendwann in den Neunzigern sah ich auf einer Messe auch das Betriebssystem OS/2 und kaufte es spontan (für relativ viel Geld). Es lief super, wurde nur leider seitens der Softwareindustrie nicht nennenswert unterstützt und dann nach einer Weile wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Schon damals war OS/2 ein wesentlich fortschrittlicheres System als Windows. Aber um die technischen Vorzüge ging es nicht. Es ging darum, welcher Hersteller mehr Geld in die Vermarktung stecken wollte. Leider wollte IBM mit MS nicht mithalten…

So wurde Windows das erfolgreichste Betriebssystem der Welt. Microsoft wurde übermütig und koppelte wettbewerbswidrig etliche Komponenten fest ans Betriebssystem; die Folgen rechtlicher Art sind bekannt. Bis zur Version XP bin ich Microsofts Weg mitgegangen. Als dann aber stetig mehr Informationen bezüglich künftiger Überwachungs- und Rechtemanagementfunktionen bekannt wurden, begann meine leider verloren gegangene Skepsis erneut zu erwachen. Die Rede war von DRM, TPM und was noch alles.

Mittlerweile gibt es Vista und ich bin diesen Schritt nicht mitgegangen. Im Kundenauftrag musste ich allerdings schon den einen oder anderen Vista-Computer in bestehende Projekte integrieren. Dabei ist in mir zunächst bloß die Überzeugung gereift, dass niemand Vista wirklich braucht. Außerhalb der Optik kann ich keine relevanten technischen Änderungen erkennen, die für einen flächendeckenden Umstieg auf Vista sprechen könnten. Aus Administratorsicht gibt es eher Dutzende Gründe genau diesen Wechsel NICHT zu vollziehen.

Kürzlich sollte ich einen Notebook, der vom Hersteller ausdrücklich für Vista konzipiert war, auf XP migrieren und ins Projekt integrieren. Das war ein Schlüsselerlebnis. Der Hersteller des Notebooks, die Firma ASUS, hat ihr Gerät angeblich so stark auf Vista zugeschnitten, dass sie nur Treiber für das neueste OS mitliefern konnte. Die beiliegende DVD weist deshalb auch ausdrücklich darauf hin, dass sie nur mit Vista funktioniert. In der Tat bietet der deutsche Support auch keine alternativen XP-Treiber an, obschon man unschwer erkennen kann, dass die verwendete Hardware aus Vor-Vista-Zeiten stammt, mithin also definitiv XP-tauglich sein muss.

Mit einiger Sucherei unter Umgehung der fruchtlosen Versuche des Herstellers, die Hardware zu verschleiern, gelange ich tatsächlich in Foren und Supportbereiche, in denen ich Treiber für XP finde. Allerdings kann ich diese ausschließlich über chinesische oder japanische Server herunterladen, in den USA und Europa residierende Server quittieren DL-Versuche mit "File not found". Bei der Zusammenstellung der erforderlichen Treiber fällt mir auf, dass es Riesentreiber für die TPM gibt und dass der DL von Media Player 11 wegen der DRM massiv empfohlen wird. Mir wird unwohl. Warum stellt sich MS derart in den Dienst der Rechteindustrie?

Ich kann diese Frage nicht anders beantworten als mit: Weil sie es wollen. Es ist für mich unvorstellbar, dass sich ein Unternehmen wie MS in eine Rolle zwingen lassen würde, in der es sich nicht wohlfühlen würde. Es kann nur so sein, dass MS für DRM und TPM derart viele Eigensympathien empfindet, dass es gern und mit Überzeugung den Stasiweg in der Softwareentwicklung nicht nur mitgehen, sondern sogar dominieren will.

Ich werde daher nicht nur Vista niemals installieren, sondern bin dabei, mich komplett von MS zu lösen. Der erste Rechner mit Ubuntu läuft zur Zufriedenheit, der zweite wird kurzfristig folgen. Selbst die c´t greift in ihrer am Montag erscheinenden Ausgabe das Thema Wechselwilligkeit auf. Dann allerdings mit Blick auf Mac OS. Wenn man da mal auf lange Sicht nicht vom Regen in die Traufe kommt.

Nein, meine Marschrichtung ist klar und die lautet LINUX!

[Foto: pixelio.de]

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